Mi­nis­te­ri­um warnt vor Epi­de­mie

Ge­sund­heit Rö­tel­mäu­se über­tra­gen das Han­ta-vi­rus. Weil die Mäu­se­art die­ses Jahr viel Nah­rung fin­det, wird die Zahl der An­ste­ckun­gen nächs­tes Jahr ge­wal­tig stei­gen. Von Si­mon Wa­gner

Südwest Presse (Ulm) - - Südwestumschau -

Rot­brau­nes Rü­cken­fell, sie­ben bis 13 Zen­ti­me­ter lang und im Herbst mit ei­nem ge­wal­ti­gen Ap­pe­tit auf Pil­ze, Sa­men und Früch­te: Das ist die Rö­tel­maus, und der Tisch für sie ist ge­ra­de reich ge­deckt. 2018 ist ein Mast­jahr, Ei­chen und Bu­chen tra­gen be­son­ders vie­le Früch­te. Frü­her dien­ten die dem Vieh zur Mast. Aber auch den Rö­tel­mäu­sen sind sie will­kom­men. Die Maus ist Wirt und Über­trä­ger des Han­ta­vi­rus.

Wenn es ge­nug Nah­rung gibt, klappt die Fort­pflan­zung. Die Rö­tel­maus-po­pu­la­ti­on dürf­te im kom­men­den Jahr des­halb deut­lich zu­neh­men. Grund für das Lan­des­ge­sund­heits­amt, Alarm zu schla­gen für 2019 we­gen ver­mut­lich er­höh­ter Han­ta­vi­rus-ak­ti­vi­tät. „Die Er­fah­run­gen ha­ben ge­zeigt, dass Han­ta­vi­rus-aus­brü­che re­gel­mä­ßig nach Bu­chen­mast-jah­ren auf­tre­ten“, so Ge­sund­heits­mi­nis­ter Man­ne Lu­cha (Grü­ne).

Stei­ler An­stieg ab April?

Für 2019 rech­net das Mi­nis­te­ri­um lan­des­weit mit mehr als 1300 Fäl­len, in de­nen das Vi­rus von der Maus auf den Men­schen über­tra­gen wer­den könn­te. Zum Ver­gleich: Bis­her wur­den 2018 lan­des­weit nur 36 Fäl­le von Han­ta­vi­rus-er­kran­kun­gen be­kannt. Nach der Bu­chen­mast 2016 re­gis­trier­te man im Fol­ge­jahr 935 Han­ta­vi­rus-pa­ti­en­ten. 2012 wa­ren es, eben­falls nach ei­nem Bu­chen­mast­jahr, mehr als 1700 Fäl­le.

Han­ta-epi­de­mi­en be­gin­nen in der Re­gel mit ei­nem leich­ten An­stieg der ge­mel­de­ten Han­ta­vi­rus-in­fek­tio­nen ab De­zem­ber, der sich im Früh­jahr fort­setzt. Ab April kommt es zu ei­nem stei­len An­stieg der Fall­zah­len bis in den Som­mer, sagt Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher Mar­kus Jox.

Be­son­ders in den ei­chen- und bu­chen­rei­chen Wäl­dern im nörd­li­chen Lan­des­teil und in ei­nem Strei­fen vom Rand des Schwarz­wal­des ent­lang der Schwä­bi­schen Alb er­war­tet das Mi­nis­te­ri­um vie­le In­fek­ti­ons­fäl­le. Ein Brenn­punkt ist im­mer der Kreis Reut- lin­gen, wo der ho­he Bu­chen­wald­an­teil die Ver­brei­tung der Rö­tel­maus und da­mit des Vi­rus be­för­dert.

Im Kreis Hei­den­heim, als zwei­ter Brenn­punkt, liegt die Pro­gno­se bei ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen 90 In­fek­tio­nen. Aus­ge­spart blei­ben in der Ge­fah­ren­pro­gno­se der Kreis Ra­vens­burg so­wie der Mit­tel- und Süd­schwarz­wald, Ge­gen­den mit vie­len Na­del­bäu­men.

Um der Aus­brei­tung des Han­ta­vi­rus schon jetzt ent­ge­gen­zu­wir­ken, rät Ge­sund­heits­mi­nis­ter Lu­cha Gar­ten­be­sit­zer da­zu, ab­ge­la­de­nen Sperr­müll oder et­wa Alt­rei­fen­sta­pel aus ih­ren Gär­ten zu ver­ban­nen. In klei­nen Ni­schen und Spal­ten rich­ten sich die Na­ger be­vor­zugt ein. Nist­mög­lich­kei­ten su­chen sie auch in Ga­ra­gen, Schup­pen und Häu­sern. Mög­li­che Schlupf­lö­cher an Ge­bäu­den, rät das Mi­nis­te­ri­um, soll­ten ab­ge­dich­tet wer­den, um die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Kon­takts mit der Maus und ih­ren Aus­schei­dun­gen zu mi­ni­mie­ren.

Die in­fi­zier­ten Na­ge­tie­re schei­den die Vi­ren Zeit ih­res Le­bens über ih­ren Spei­chel, Urin und Kot aus. Die Hin­ter­las­sen­schaf­ten kön­nen da­bei über meh­re­re Ta­ge in­fek­ti­ös blei­ben, selbst wenn sie be­reits ge­trock­net sind.

Ei­ne Han­ta­vi­rus-er­kran­kung ist beim Men­schen be­glei­tet durch grip­pe­ähn­li­che Sym­pto­me wie Fie­ber, Kopf- und Glie­der­schmer­zen. In man­chen Fäl­len kann es zu ei­nem vor­über­ge­hen­den Nie­ren­ver­sa­gen kom­men. Beim kom­bi­nier­ten Auf­tre­ten ent­spre­chen­der Sym­pto­me soll­te ein Haus­arzt kon­sul­tiert wer­den.

Die Rö­tel­maus ist Wirt und Über­trä­ger des Han­ta­vi­rus. Der Han­ta­vi­rus un­ter dem Mi­kro­skop.Fo­to: Chris Bjorn­berg/ Get­ty Images/sci­ence Sour­ce

Fo­to: © Rud­mer Zwer­ver/shut­ter­stock.com

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