Die Kunst, auch mal los­zu­las­sen

Bun­des­trai­ner Prokop tritt bei der WM un­ge­wohnt ent­spannt auf und lässt sei­nen Spie­lern neue Frei­hei­ten.

Südwest Presse (Ulm) - - Sport -

Ber­lin. Wer Chris­ti­an Prokop vor ei­nem Jahr bei sei­ner Pre­mie­re als Bun­des­trai­ner in Kroa­ti­en ken­nen­ge­lernt hat und ihn mo­men­tan bei der Heim-wm er­lebt, er­kennt schnell ei­nen Un­ter­schied. Trotz des gro­ßen Drucks, der auf ihm nach dem neun­ten Platz bei der EM, und an­ge­sichts der Me­dail­len­vor­ga­be bei die­sem Tur­nier las­tet, wirkt der 40-Jäh­ri­ge ent­spannt. Prokop, der nach der EM um sei­nen Job ban­gen muss­te, hat of­fen­sicht­lich da­zu­ge­lernt.

Ein wich­ti­ger Punkt: Er kann nun auch mal los­las­sen. Für ei­nen, der als Dis­zi­plin-fa­na­ti­ker gilt, kei­ne leich­te Sa­che. Dass er die Spie­ler wie beim 34:21 ge­gen Bra­si­li­en in der Aus­zeit fragt, was sie spie­len wol­len, wä­re ihm bei der EM als Schwä­che aus­ge­legt wor­den. Ein Jahr spä­ter ist es ein Zei­chen der neu­en Lo­cker­heit.

Der Bun­des­trai­ner hat ver­stan­den, dass er vom Er­fah­rungs­schatz von Spie­lern wie Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer pro­fi­tie­ren kann, und ih­nen nicht akri­bisch al­le Din­ge auf dem Feld vor­schrei­ben muss. Sei­ne Mann­schaft ge­nießt die neu­en Frei­hei­ten und lie­fer­te ge­gen Bra­si­li­en ei­ne star­ke Par­tie ab, die auch dem ge­bür­ti­gen Kö­the­ner ge­fiel. „Das war für mich das schöns­te Spiel, seit ich Bun­des­trai­ner bin“, ge­stand er nach der Par­tie.

Dass er trotz die­ser neu­en Lo­cker­heit, die sich auch auf die Spie­ler über­trägt, nichts von sei­ne Akri­bie ein­ge­büßt hat, zeig­te sich ge­gen die Süd­ame­ri­ka­ner. Die deut­sche Mann­schaft war per­fekt auf den Geg­ner ein­ge­stellt, der al­ler­dings am Abend zu­vor ge­gen Frank­reich noch im Ein­satz war und ei­nen Tag we­ni­ger zur Re­ge­ne­ra­ti­on hat­te. Die Par­tie hat­te sich Prokop üb­ri­gens in der Are­na mit sei­nem Co-trai­ner Alex­an­der Haa­se an­ge­schaut. Zum Glück, wie er nach dem zwei­ten Sieg im zwei­ten WMSpiel zu­gab: „Ich bin froh, dass ich Bra­si­li­en im Vor­feld noch ein­mal live ge­se­hen ha­be. Denn sonst hät­te ich sie un­ter­schätzt.“Ein Ge­ständ­nis, das er vor ei­nem Jahr noch nicht von sich ge­ge­ben hät­te. Wie es scheint, hat Prokop für sich tat­säch­lich die rich­ti­gen Leh­ren aus der ver­patz­ten EM ge­zo­gen.

Chris­ti­an Prokop oben­auf. Soe­ren St­a­che/dpa Fo­to:

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