No­wem­ber – séiß-sau­er

Sinnt man über den No­vem­ber nach, könn­te man glatt trüb­sin­nig wer­den – so vie­le ge­wich­ti­ge Jah­res­ta­ge hat die­ser Mo­nat. Aber es gibt auch Po­si­ti­ves.

Saarbruecker Zeitung - - Heimat -

Der No­wem­ber éss vóll ge­laad mét schwä­ren Da­an. Er fängkt schwär trau­rich aan mét al­len Hää­li­jen én der vor­derscht ónn al­len See­len aus der hén­nerschd Reih. Iw­wer­all hat er warm Lich­ter óff­ge­stallt ge­ent de Kält ónn ge­ent et Ver­gess­sen. Aw­wer vor­her gewwt noch schwär „Hal­lo­ween“ge­fei­ert, mét Bòòze­käpp aus Kür­bis­sen mét Kér­zen drén vor der Haus­dier (Róm­meln zum sel­werschd Aus­höh­len géwwt et jò kää meh). De Kén­ner hann sich gru­se­lich ver­klääd ónn von dän Al­ten Séi­ßet od­der Saue­ret ge­fod­dert. Ónn die Al­ten sel­wer hann schwär óff­ge­dräht, als miss­ten se, wie die alt Kel­ten, noch dap­per sier ihr ei­je­nen bees Gääsch­der aus­trei­wen. Mét Lich­tern geht et am Mar­tins­dach wei­der. De Kén­ner sénn nom­mòh freun­dich aa­ge­dòòn, se drehn awei bónt La­ter­nen ónn hal­len Ab­stand vom Perd, wo der Hää­lich Mar­tin mit sei­nem hal­wen ro­de Man­tel ónn sei­nem Helm sétzt. Nét nur der Bedd­ler hat die ään Hälft vom Man­tel kritt, aach de Kén­ner krinn ep­pes ab, näm­lich e séiß Brétzel. (Hat sich seit der Zeit vom Mar­tin von Tours bei uus ei­jent­lich neischt ver­än­nert? De Ar­men krinn en hal­we Man­tel, de Kén­ner e Brétzel…) Der neint ónn zehnt No­wem­ber gewwt én Deit­sch­land gleich dop­pelt be­gang. Ma erén­nert an de „Reichs­kris­tall­nacht“ 1938, wo Hor­den vo gru­se­li­jen Ge­stal­ten mét ganz be­son­ne­ren „ben­ga­li­schen“Lich­tern durch de Städt ge­zoo sén, Bäät­hai­ser ónn Ge­schäf­ter ab­ge­fa­ckelt od­der de­mo­liert ónn Min­schen ge­jäät hann. Ónn an de „Mau­er­fall“é Ber­lin, fon­fzisch Jo­ar spä­der.

Mer hann ge­denkt, datt de Freu­de­lich­ter, wo dò­mols, 1989, én de Stròò­ßen vo Ber­lin ónn én de Her­zen von so vil­len Lei­den ge­strahlt hann, nie aus­ge­hen gäng­ten. Ma hann uus ge­taischt, de Hor­den sam­meln sich nom­mòh. „Mir sénn et Volk!“, aw­wer wat fer ent…

Der elft No­wem­ber éss be­son­nerschd schwär. Diss Jo­ar misst ma iw­wer dän Dach lò e ganz grooß Kreiz ma­chen. Vor hón­nert Jo­ar éss e Kréich zu Enn gang, wo ma sich gar nét grei­lich ge­nug vor­stel­le kann. Hat er mét all seim Schre­cken, mét all sei­nen Doo­den de näkschden ver­hén­nert? Èm Ge­jen­däl. Volks­trau­er­dach ónn Doo­den­sónndach kóm­men da­zou, der Buß- ónn Bäät­dach éss jò ab­ge­schafft. Der No­wem­ber éss aach so grei­lich-gru­se­lich ge­nuch. Aw­wer Gott sei Dank fängkt am Elf­ten jò aach de Faa­sends­zeit aan. Ma kénnt et sonscht nét aus­hal­len…

Gé­r­ard Carau schreibt in Be­ckin­ger Mo­sel­frän­kisch. Er be­treut die Li­te­ra­tur­zeit­schrift „Pa­rap­le“, de­ren Num­mer 35 vor kur­zem er­schie­nen ist.

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