ZF steckt 800 Mil­lio­nen in Saar­brü­cker Werk

Die In­ves­ti­ti­on des Au­to­zu­lie­fe­rers ist die größ­te der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te in der Saar-In­dus­trie.

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite -

(jwo) Der ZF-Kon­zern in­ves­tiert in­ner­halb der nächs­ten vier Jah­re 800 Mil­lio­nen Eu­ro in das Werk Saar­brü­cken. Die Fer­ti­gung von Ge­trie­ben für Au­tos mit Hy­brid-Mo­to­ren soll deut­lich aus­ge­wei­tet wer­den. Da­für will der Au­to­zu­lie­fe­rer be­ste­hen­de Pro­duk­ti­ons­an­la­gen er­set­zen oder um­rüs­ten. Im Zu­ge der Um­stel­lung auf E-Mo­bi­li­tät er­war­tet ZF-Chef Wolf-Henning Schei­der, dass „der An­teil an Hy­bridge­trie­ben in der Pro­duk­ti­on sich in den nächs­ten Jah­ren ver­zehn­facht“. Hy­brid­an­trie­be „sind viel mehr als ei­ne Brü­cken­tech­no­lo­gie“, sagt Schei­der. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Mat­thi­as Sche­rer lobt die In­ves­ti­ti­on als ei­ne Zu­kunfts­si­che­rung für das Werk. Um den Mit­ar­bei­ter­stand lang­fris­tig zu si­chern, müss­ten aber noch wei­te­re Pro­duk­te nach Saar­brü­cken kom­men. Die In­ves­ti­ti­on ist die größ­te seit Jahr­zehn­ten in der saar­län­di­schen In­dus­trie – das sind deut­lich mehr als die 450 Mil­lio­nen, die Saar­stahl in die 2010 ein­ge­weih­te Saar­schmie­de in­ves­tiert hat, und die 600 Mil­lio­nen von Ford für die Pro­duk­ti­on des neu­en Fo­cus.

(jwo) Hy­brid ist die Zu­kunft. Da­von ist ZF-Chef Wolf-Henning Schei­der über­zeugt. Von fünf auf fünf­zig Pro­zent wer­de sich der An­teil an Hy­bridfahr­zeu­gen in den kom­men­den Jah­ren er­hö­hen. Und all die­se Hy­bridfahr­zeu­ge brau­chen ein pas­sen­des Ge­trie­be. Geht es nach Schei­der, wird ein Groß­teil die­ser Ge­trie­be künf­tig in Saar­brü­cken ge­fer­tigt. Denn dort soll nun die Pro­duk­ti­on auf die­se kom­ple­xe­ren Ge­trie­be um­ge­rüs­tet wer­den. 800 Mil­lio­nen Eu­ro nimmt der Kon­zern in die Hand, um die Pro­duk­ti­ons­an­la­gen in Saar­brü­cken, in de­nen schon jetzt auch Hy­brid-Au­to­ma­tik-Ge­trie­be pro­du­ziert wer­den, für die stei­gen­den Zah­len um­zu­rüs­ten. Es ist ei­ne der größ­ten In­ves­ti­tio­nen der saar­län­di­schen Wirt­schafts­ge­schich­te.

Der Um­bruch der Bran­che hin zu mehr Elek­tro­mo­bi­li­tät ist be­reits im Gan­ge. Zu­neh­mend neh­men Au­to­kon­zer­ne E-Mo­bi­le ins Pro­gramm auf. Noch spie­len die E-Fahr­zeu­ge im Markt ei­ne ver­schwin­dend ge­rin­ge Rolle. Ge­ra­de ein­mal 53 861 rei­ne Elek­tro-Fahr­zeu­ge wa­ren An­fang des Jahres beim Kraft­fahrt­bun­des­amt re­gis­triert, 281 129 wa­ren Hy­bri­de. Und das bei über 46 Mil­lio­nen Fahr­zeu­gen. Wäh­rend aber Ben­zi­ner und Die­sel bei den Neu­zu­las­sun­gen stark zu­rück­ge­hen, le­gen Hy­bri­de und Elek­tro-Fahr­zeu­ge hoch zwei­stel­lig zu.

Sind es aber die rei­nen Stro­mer oder die Hy­bri­de, die künf­tig das Ren­nen ma­chen? Mit­tel­fris­tig wer­den es nach An­sicht des ZF-Ma­nage­ments die Hy­brid-Fahr­zeu­ge sein. Vor al­lem wenn de­ren Reich­wei­te sich er­höht. ZF-Chef Schei­der geht da­von aus, dass die­se „mit hö­he­ren Reich­wei­ten zwi­schen 80 und 100 Ki­lo­me­tern den Groß­teil al­ler Fahr­ten elek­trisch ab­sol­vie­ren und der E-Mo­bil­ti­tät so schneller zum Durch­bruch hel­fen kön­nen“.

Ei­ne In­ves­ti­ti­on von fast ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro macht man aber nicht nur auf der Ba­sis von Pro­gno­sen. Viel­mehr sei­en es be­last­ba­re Ab­ruf­zah­len der Kun­den, die die­sen Trend be­reits jetzt un­ter­mau­ern, sagt Ste­phan von Schuck­mann, Lei­ter des Be­reichs Pkw-An­triebs­tech­nik, zu dem auch das Werk Saar­brü­cken ge­hört. „Letzt­lich re­agie­ren wir jetzt nur auf die Kun­den­nach­fra­ge in die­sem Be­reich“, sagt er. Welt­weit in­ves­tiert ZF nach Kon­zern­an­ga­ben drei Mil­lio­nen Eu­ro in die „Wei­ter­ent­wick­lung und Zu­kunfts­fä­hig­keit die­ser Pro­duk­te.“

Auch der Be­triebs­rats­chef des Saar­brü­cker ZF-Werks, Mat­thi­as Sche­rer, lobt die In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft. Das wer­de den Stand­ort für die nächs­ten 15 bis 20 Jah­re si­chern, sagt Sche­rer. Auch er ist über­zeugt, dass die Hy­brid-Tech­nik die Zu­kunfts­tech­nik der kom­men­den 20 Jah­re sein wird. Sche­rer rech­net auch da­mit dass die neu­en Re­geln für die Di­enst­wa­gen­be­steue­rung den Hy­bri­den ei­nen deut­li­chen Schub ge­ben wer­den: Ab Ja­nu­ar müs­sen nur noch 0,5 statt ein Pro­zent bei Hy­bri­den und E-Fahr­zeu­gen als geld­wer­ter Vor­teil ver­steu­ert wer­den. E-Mo­bi­li­tät wer­de sich da­ge­gen we­gen der wei­ter schlech­ten In­fra­struk­tur noch lan­ge nicht durch­set­zen, glaubt Sche­rer. Schuck­mann wie­der­um hält rein elek­tri­sche Fahr­zeu­ge ak­tu­ell für „viel zu teu­er“.

Of­fen ist, was die In­ves­ti­ti­on für die Zahl der Mit­ar­bei­ter im Werk be­deu­tet. Klar ist, dass bei ei­ner Kon­zen­tra­ti­on auf die rei­nen Ver­bren­ner-Mo­to­ren lang­fris­tig der Ab­satz zu­rück­ge­hen wird. Schon jetzt spürt ZF in Saar­brü­cken nach Aus­sa­ge des Be­triebs­rats­chefs die sin­ken­de Nach­fra­ge im Rah­men der Die­sel-Kri­se. „Es ist klar, dass wir wei­te­re neue Pro­duk­te ins Werk be­kom­men müs­sen, um ei­nen Mit­ar­bei­ter­ab­bau zu ver­mei­den“, sagt Sche­rer. Der Kon­zern sei aber auch dar­an in­ter­es­siert, Pro­duk­ti­on in Saar­brü­cken zu hal­ten, sagt er, denn das Werk sei seit Jah­ren pro­fi­ta­bel. In sei­ner Pres­se­mel­dung schreibt der Kon­zern, dass der Ab­satz in Saar­brü­cken lang­fris­tig sin­ken wer­de, wenn die ak­tu­ell pro­gnos­ti­zier­te Ent­wick­lung hin zur rei­nen E-Mo­bi­li­tät so fort­schrei­tet, wie in vie­len Stu­di­en pro­gnos­ti­ziert. Da­mit wer­de auch die Mit­ar­bei­ter­zahl sin­ken. Schuck­mann al­ler­dings re­la­ti­viert dies gleich wie­der: „Hy­bridge­trie­be brau­chen durch ih­re Kom­ple­xi­tät auch mehr Ar­beits­schrit­te, wo­durch auch mehr Mit­ar­bei­ter be­nö­tigt wer­den“, sagt er. Letzt­lich tra­ge die In­ves­ti­ti­on al­so auch zu ei­ner Sta­bi­li­sie­rung der Mit­ar­bei­ter­zahl bei. Und die Tat­sa­che, dass der Wan­del hin zur E-Mo­bi­li­tät sich über meh­re­re Jah­re hin­zie­he, „gibt uns die Chan­ce, uns be­reits heu­te dar­auf vor­zu­be­rei­ten.

Vor­erst soll die Hy­brid-Pro­duk­ti­on Schuck­mann zu­fol­ge auf den Stand­ort Saar­brü­cken kon­zen­triert wer­den. Die Mit­ar­bei­ter wür­den mit Wei­ter­bil­dung und Qua­li­fi­zie­rung auf die neu­en Her­aus­for­de­run­gen vor­be­rei­tet, sagt er. Spä­ter soll Saar­brü­cken dann auch die Füh­rungs­rol­le über­neh­men, wenn es gilt, die Tech­nik in an­de­ren Wer­ken zu eta­blie­ren. „Hier ent­wi­ckel­te Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en wer­den auch künf­tig von Saar­brü­cken aus welt­weit zum Ein­satz kom­men.“

Auch die Saar-In­dus­trie be­wer­tet die In­ves­ti­ti­on po­si­tiv: Joachim Mal­ter, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Ver­ei­ni­gung saar­län­di­scher Un­ter­neh­mens­ver­bän­de (VSU) sag­te: „Al­les, was den Stand­ort sta­bi­li­siert und da­zu bei­trägt, die neu­en Tech­no­lo­gi­en ein­zu­füh­ren, ist ei­ne gu­te Nach­richt für das Saar­land.“

FO­TO: FE­LIX KÄSTLE/DPA

Saar­brü­cken ist das ZF-Leit­werk für Ge­trie­be­tech­nik.

FO­TO: BECKERBREDEL

Saar­brü­cken ist seit Jah­ren das füh­ren­de Werk für Au­to­ma­tik­ge­trie­be im ZF-Kon­zern. Vor al­lem das Acht-Gang-Ge­trie­be hat ei­nen gro­ßen Schub ge­ge­ben.

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