Vor 150 Jah­ren gab es die ers­te Am­pel der Welt

Vor 150 Jah­ren ging die ers­te Am­pel der Welt an den Start, vor dem West­mins­ter-Pa­last in Lon­don. Doch erst­mal lief die Neu­heit gar nicht gut.

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite - Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Vol­ker Mey­er zu Tit­ting­dorf, Frau­ke Scholl, Pe­ter Ste­fan Herbst FO­TO OBEN:DAVARIAN/IM­A­GO

Die Ge­schich­te der Am­pel be­gann vor 150 Jah­ren in Lon­don – und führ­te zu­nächst ins Fi­as­ko. Doch der Sie­ges­zug kam trotz­dem.

Die­se vier ar­men Po­li­zis­ten, wie sie da stan­den und wink­ten und lots­ten, als wä­ren sie Di­ri­gen­ten. Um sie her­um das pu­re Ver­kehrs­cha­os. Pfer­de­kut­schen, Drosch­ken, Pfer­de-Om­ni­bus­se, Kar­ren. Zwi­schen den Ge­fähr­ten eil­ten Menschen in Rich­tung West­mins­ter-Pa­last oder zum Re­gie­rungs­vier­tel. Kreuz und quer. Die Uni­for­mier­ten an je­ner ge­schäf­ti­gen Kreu­zung im Zen­trum Lon­dons ver­such­ten ihr Bes­tes, den Ver­kehr zu re­geln. Und doch wur­den in nur kür­zes­ter Zeit zwei Ab­ge­ord­ne­te auf der Stra­ße schwer ver­letzt, ein Po­li­zist starb. Das war im Jahr 1868, die bri­ti­sche Haupt­stadt da­mals schon ei­ne Me­tro­po­le mit mehr als drei Mil­lio­nen Ein­woh­nern und zahl­rei­chen Ver­kehrs­to­ten. Vor dem Par­la­ment be­stand Le­bens­ge­fahr – wes­halb der In­ge­nieur John Pea­ke Knight den Ein­satz ei­ner Am­pel vor­schlug – und die auch gleich er­fand.

Am 9. De­zem­ber 1868 – ei­ni­ge Qu­el­len spre­chen fälsch­li­cher­wei­se vom 10. De­zem­ber –, stell­te der Chef von Scot­land Yard das ver­kehrs­re­geln­de Ge­bil­de am Par­li­a­ment Squa­re na­he des Glo­cken­turms Big Ben auf. Es war die ers­te Am­pel der Welt – guss­ei­sern, gas­be­trie­ben und acht Me­ter hoch. Die Far­ben Rot und Grün in der Gas­la­ter­ne er­in­ner­ten an die Si­gna­le aus der Schiff­fahrt und dem Schie­nen­ver­kehr. Die Lich­ter soll­ten in der Nacht für Ori­en­tie­rung sor­gen. Grün be­deu­te­te „Vor­sicht“, Rot hieß „Stopp“. Tags­über ahm­ten zwei me­cha­ni­sche Flü­gel die Be­we­gun­gen ei­nes Po­li­zis­ten nach. Am Fuß der Säu­le stand ein Be­am­ter und be­dien­te die An­la­ge.

Die Re­ak­tio­nen der Lon­do­ner wa­ren ge­mischt. Wäh­rend et­wa in der Zei­tung „Il­lus­tra­ted Ti­mes“die Am­pel ge­lobt wurde und „The Morning Post“in ihr ei­nen Er­folg er­kann­te, ver­glich das Ma­ga­zin „Punch“den Ver­kehrs­pfos­ten mit ei­nem angst­ein­flö­ßen­den Ge­spenst. Und das Ge­bil­de funk­tio­nier­te nicht wie ge­wünscht. Vie­le Fah­rer ver­stan­den die Zei­chen nicht oder igno­rier­ten sie schlicht­weg. Hin­zu kam, dass die Tech­nik oft ver­sag­te, Gas­ex­plo­sio­nen wa­ren die Fol­ge. Und dann die Ka­ta­stro­phe.

Ein Po­li­zist woll­te ei­nes Ta­ges im Ja­nu­ar 1869 das Gas ab­dre­hen, da ex­plo­dier­te die ers­te Am­pel der Welt, ver­brann­te dem Be­am­ten das Ge­sicht. Ei­ni­ge Qu­el­len schrei­ben gar, er wurde ge­tö­tet. So­fort schal­te­te Scot­land Yard das Sys­tem ab. Das Pro­jekt Am­pel schien am En­de.

Nach dem Dra­ma in Lon­don dau­er­te es bis 1914, bis die ers­te elek­tri­sche Am­pel in Cleve­land im USStaat Ohio in Be­trieb ging. Als New York die Er­fin­dung über­nahm, star­te­te ihr glo­ba­ler Sie­ges­zug. Am Pots­da­mer Platz in Ber­lin wurde 1924 ein fünf­ecki­ger Acht-Me­ter-Am­pel­turm er­rich­tet, in des­sen Ka­bi­ne ein Po­li­zist saß und das Si­gnal steu­er­te. Der Turm gilt als ers­te Am­pel Deutsch­lands. Erst zwei Jah­re spä­ter trau­ten sich auch die Bri­ten wie­der ei­ne zu.

Die ers­te deut­sche Am­pel­an­la­ge stand ab 1924 am Pots­da­mer

Platz in Ber­lin.

FO­TO: DPA

Lon­don im Ne­bel, 1958, mit Am­pel. Die ers­te Ver­kehrs­an­la­ge gab es dort schon im De­zem­ber 1868, durch­set­zen konn­te sie sich aber erst 1926.

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