Der Im­mo­bi­li­en­boom lockt auch Geld­wä­scher an

Alar­mie­ren­de Stu­die von Trans­pa­ren­cy In­ter­na­tio­nal

Saarbruecker Zeitung - - Wirtschaft -

(dpa) Es sind alar­mie­ren­de Be­fun­de: An­ge­sichts zahl­rei­cher Schlupf­lö­cher wird der deut­sche Im­mo­bi­li­en­sek­tor zu­neh­mend zum Ziel mil­li­ar­den­schwe­rer Geld­wä­sche. Es wer­de ver­mehrt aus­län­di­sches Geld in­ves­tiert, des­sen Her­kunft un­klar sei, heißt es in ei­ner ges­tern vor­ge­stell­ten Stu­die der Or­ga­ni­sa­ti­on Trans­pa­ren­cy In­ter­na­tio­nal. „Nach Schät­zun­gen wa­ren es al­lein 2017 über 30 Mil­li­ar­den Eu­ro“. Er­mitt­lun­gen in Ita­li­en zei­gen, dass ge­ra­de die Ma­fia enor­me Geld­sum­men, die un­ter an­de­rem aus dem Ko­ka­in­han­del stamm­ten, durch den Im­mo­bi­li­en­er­werb rein­zu­wa­schen ver­sucht.

Trans­pa­ren­cy schätzt, dass 15 bis 30 Pro­zent al­ler kri­mi­nel­len Gel­der in­zwi­schen in Im­mo­bi­li­en in­ves­tiert wer­den, et­wa durch den Bau von Häu­sern über Sa­nie­rung bis hin zu Kauf, Ver­kauf und Mie­te. Oft ge­schieht das über Stroh­män­ner, was die Auf­de­ckung schwie­rig macht. Mit­te Ok­to­ber hat­te auch der Chef der An­ti-Geld­wä­sche-Ein­heit FIU (Fi­nan­ci­al In­tel­li­gence Unit), Chris­tof Schul­te, vor ei­ner Zu­nah­me kri­mi­nel­ler Ma­chen­schaf­ten im Im­mo­bi­li­en­sek­tor ge­warnt. Er ap­pel­lier­te an Mak­ler und No­ta­re, sich bei Ver­dachts­fäl­len öf­ter an die FIU zu wen­den, die ver­däch­ti­gen Geld­be­we­gun­gen nach­spürt. Denn von knapp 60 000 Ver­dachts­mel­dun­gen 2017 ha­be es le­dig­lich rund 20 Hin­wei­se von Im­mo­bi­li­en­mak­lern auf mög­li­che Geld­wä­schefäl­le ge­ge­ben.

„Es gibt ein mas­si­ves Pro­blem mit Geld­wä­sche bei Im­mo­bi­li­en in Deutsch­land“, be­ton­te Trans­pa­ren­cy-Deutsch­land-Che­fin Ed­da Mül­ler. „Die gel­ten­den Ge­set­ze und die Aus­stat­tung der Er­mitt­lungs­be­hör­den ste­hen auch an­ge­sichts der Gren­zen­lo­sig­keit in­ter­na­tio­na­ler Fi­nanz­strö­me in kei­nem Ver­hält­nis da­zu.“Der Fi­nanz­ex­per­te der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag, Fa­bio de Ma­si, sag­te, es ge­be hier ein enor­mes Dun­kel­feld. „Vor al­lem No­ta­re sind in der Pflicht, Ver­dachts­fäl­le auch zu mel­den.“

Al­lein we­gen sei­nes Vo­lu­mens bie­te der deut­sche Im­mo­bi­li­en­markt ein rie­si­ges Po­ten­zi­al für Geld­wä­sche. Im­mer wie­der wird auch ei­ne man­gel­haf­te Bund-Län­der-Ko­ope­ra­ti­on bei der Auf­klä­rung der Be­trugs­fäl­le kri­ti­siert.

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