Schü­ler und Rentner müs­sen mehr für Mo­nats­kar­ten zah­len

Ver­kehrs­ver­bund SaarVV er­höht Preise ab 2019 um et­wa 2,3 Pro­zent. Bür­ger-Initia­ti­ve kri­ti­siert „hef­ti­ge Ta­rif­er­hö­hung“.

Saarbruecker Zeitung - - Landespolitik - Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: J. Schleu­ning Da­ni­el Kirch VON DIET­MAR KLOS­TER­MANN

Be­son­ders Schü­ler und Rentner mit Mo­nats­kar­ten sind von der Preis­er­hö­hung be­trof­fen, die ges­tern der Mar­ke­ting-Chef des SaarVV, Pe­ter Gen­tes, in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung für den Jah­res­an­fang 2019 an­kün­dig­te. Gen­tes sprach von „mo­de­ra­ten Ta­rif­an­pas­sun­gen“für Fahr­schei­ne in Bus­sen und Bah­nen im Saar­land. Die Preis­er­hö­hung be­tra­ge durch­schnitt­lich 2,3 Pro­zent, hieß es. Die Zeit­kar­ten „Je­der­mann und Aus­bil­dung“so­wie die Se­nio­ren-Ti­ckets wür­den durch­schnitt­lich um 2,5 Pro­zent ver­teu­ert, die Bür­ger-Ti­ckets um 2,3 Pro­zent. Die größ­te Prei­s­tei­ge­rung müs­sen die Schü­ler ver­kraf­ten, de­ren Land­kreis-Schü­ler-Ti­cket-Preise um 2,6 Pro­zent an­ge­ho­ben wer­den. „Der ak­tu­el­le Ta­rif­ab­schluss zwi­schen der Ge­werk­schaft Ver­di und dem Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­band so­wie die der­zeit ex­trem ho­hen Die­sel­kos­ten sind bei die­ser Preis­an­pas­sung noch nicht be­rück­sich­tigt“, er­klär­te El­ke Schmidt, Ge­schäfts­füh­re­rin der Saar­län­di­schen Nah­ver­kehrs-Ser­vice Gm­bH, die den SaarVV trägt.

Er­hard Pit­zi­us, Spre­cher der Bür­ger-Initia­ti­ve Platt­form Mo­bi­li­tät Saar-Lor-Lux aus Über­herrn-Fels­berg, be­zeich­ne­te die Preis­er­hö­hung als „hef­tig“im Ver­gleich zu den be­reits be­kannt ge­wor­de­nen Preis­er­hö­hun­gen an­de­rer Ver­kehrs­ver­bün­de, die un­ter zwei Pro­zent lä­gen. Dass es aus­ge­rech­net Se­nio­ren und Schü­ler am här­tes­ten tref­fe, sei al­les an­de­re als so­zi­al aus­ge­wo­gen. Be­reits heu­te zah­len vie­le El­tern für ein Land­kreis-Ti­cket im Jahr für je­des Kind et­wa 700 Eu­ro. Nur da­für, dass die Kin­der zur je­wei­li­gen Schu­le kom­men. In an­de­ren Bun­des­län­dern ist die Be­för­de­rung für Schü­ler im öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV) oft bil­li­ger oder gänz­lich kos­ten­los.

Pit­zi­us sag­te, als Mit­glied des Bei­rats Ver­kehrs­ent­wick­lungplan im Saar-Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ha­be er den Ein­druck, dass der länd­li­che Raum von den Ver­kehrs­pla­nern lang­sam ganz auf­ge­ge­ben wer­de. „Da ist nur noch von ,Bus on de­mand´ (Bus auf Be­stel­lung, d. Red.) und selbst­fah­ren­den Bus­sen die Re­de, aber nicht mehr von sta­bi­len re­gel­mä­ßi­gen Li­ni­en­ver­bin­dun­gen“, sag­te Pit­zi­us. So kön­ne er abends nicht mehr mit sei­ner Frau mit dem ÖPNV von sei­ner Wohn­adres­se in Fels­berg zum Kino und Abend­es­sen in Saar­brü­cken und wie­der zu­rück­fah­ren. Auch die Re­gio­nal­zü­ge auf der Stre­cke von Saar­brü­cken nach Mer­zig sei­en oft viel zu kurz. „Da drän­gen sich die Menschen am Saar­brü­cker Haupt­bahn­hof hin­ein, das dau­ert und führt zu Ver­spä­tun­gen“, so Pit­zi­us. Er ha­be Schü­ler des Deutsch-Fran­zöi­schen Gym­na­si­ums im voll­ge­propf­ten Zug nach Saar­lou­is sa­gen hö­ren: „Ich bin froh, dass ich bald 18 wer­de. Dann kau­fe ich mir ein Au­to, mit dem ich zur Schu­le fah­re.“

Saar-VV-Mar­ke­ting­chef Gen­tes sag­te, die Preis­er­hö­hung für Schü­ler be­tra­ge „nur 1,50 Eu­ro im Mo­nat“. „Bei 40 Fahr­ten sind das knapp vier Cent pro Fahrt“, be­ton­te der Saar-VV-Ma­na­ger. Die Preis­er­hö­hung, die auch vom Saar-VV-Auf­sichts­rat­chef Pa­trik Lau­er (SPD), Land­rat von Saar­lou­is, ver­tre­ten wird, wurde zwei Ta­ge nach ei­nem Vor­stoß der SPD-Land­tags­frak­ti­on be­kannt. Wie SPD-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Paul­uhn am Mitt­woch sag­te, ge­hö­re ein gu­ter öf­fent­li­cher Nah­ver­kehr „zur Da­seins­vor­sor­ge“. „Er er­mög­licht Teil­ha­be und ist ein wich­ti­ger Bei­trag zum Um­welt­und Kli­ma­schutz“, so Paul­uhn. Bil­dung dür­fe nicht vom Geld­beu­tel der El­tern ab­hän­gen. „Wir wol­len, dass Schü­ler und Azu­bis im Saar­land zu be­zahl­ba­ren Prei­sen mo­bil sind. Und wir wol­len ein Ta­rif­an­ge­bot, wel­ches Fa­mi­li­en mit meh­re­ren schul­pflich­ti­gen Kin­dern be­son­ders stark ent­las­tet“, sag­te Paul­uhn. Da­für sol­len ab 2020 zu­nächst ei­ne hal­be Mil­li­on Lan­des­mit­tel zu­sätz­lich flie­ßen.

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