Sel­fies im Mu­se­um sind oft ver­bo­ten

Kunst­fo­tos aus Mu­se­en darf man nur sel­ten ver­öf­fent­li­chen. Es gilt das Ur­he­ber­recht.

Saarbruecker Zeitung - - Mehrwert -

(dpa) Im Mu­se­um zu fo­to­gra­fie­ren, ist bei Be­su­chern be­liebt, aber nicht im­mer er­laubt. Auf Grund­la­ge des Haus­rechts kön­nen Auf­nah­men un­ter­sagt wer­den, er­läu­tert das Ur­he­ber­recht­spor­tal irights.in­fo. Gibt es ei­ne Ge­neh­mi­gung vom Mu­se­um, ist das Fo­to­gra­fie­ren für pri­va­te Zwe­cke erst­mal in Ord­nung. Da­bei ist aber das Ur­he­ber­recht zu be­ach­ten. Die­ses er­lischt bei ei­gen­stän­di­gen Wer­ken erst 70 Jah­re nach dem Tod ei­nes Künst­lers. Bis da­hin sind Ver­öf­fent­li­chun­gen und Ver­wer­tun­gen ei­nes Kunst­werks dem Künst­ler selbst oder sei­nen Er­ben vor­be­hal­ten oder be­dür­fen de­ren Ge­neh­mi­gung.

Wer al­so das Fo­to ei­nes ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ten Kunst­werks oh­ne Ge­neh­mi­gung zum Bei­spiel bei Ins­ta­gram oder Face­book ver­öf­fent­licht, kann vom Rech­te­inha­ber des­halb teu­re Ab­mah­nun­gen er­hal­ten und da­zu ver­pflich­tet wer­den, das Bild in dem so­zia­len Netz­werk wie­der zu lö­schen.

Ist der Künst­ler seit min­des­tens 70 Jah­ren tot, sind sei­ne Wer­ke ge­mein­frei. Dann darf man Fotos die­ser Wer­ke ver­öf­fent­li­chen. Man muss aber be­ach­ten, ob das Mu­se­um ein Fo­to­gra­fier­ver­bot ver­hängt hat. Das hat kürz­lich der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den (Az.: I ZR 104/17).

Die Rich­ter er­klär­ten, auch aus ei­nem Aus­stel­lungs­ka­ta­log fo­to­gra­fier­te oder ge­scann­te Bil­der von ge­mein­frei­en Kunst­wer­ken sei­en ur­he­ber­recht­lich ge­schützt und dürf­ten nicht ein­fach ver­öf­fent­licht wer­den. Hier gilt ein so­ge­nann­ter Licht­bild­schutz, der aber nur 50 Jah­re lang währt.

So­gar Sel­fies vor ei­nem noch ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ten Kunst­werk kön­nen zum Pro­blem wer­den. Im Ur­he­ber­rechts­ge­setz heißt es: „Zu­läs­sig ist die Ver­viel­fäl­ti­gung, Ver­brei­tung und öf­fent­li­che Wie­der­ga­be von Wer­ken, wenn sie als un­we­sent­li­ches Bei­werk ne­ben dem ei­gent­li­chen Ge­gen­stand der Ver­viel­fäl­ti­gung, Ver­brei­tung oder öf­fent­li­chen Wie­der­ga­be an­zu­se­hen sind.“Al­ler­dings hat der Bun­des­ge­richts­hof die De­fi­ni­ti­on für „Bei­werk“in ei­nem Grund­satz­ur­teil im Jahr 2014 sehr streng und im Sin­ne des Ur­he­ber­rechts­schut­zes von Kunst­wer­ken aus­ge­legt (Az.: I ZR 177/13). Im ver­han­del­ten Fall hat­te ein Künst­ler ge­gen ei­nen Bü­ro­mö­bel­her­stel­ler ge­klagt, der in ei­nem Ka­ta­log das Fo­to ei­nes Rau­mes mit sei­nen Mö­beln dar­in und ei­nem Ge­mäl­de des Künst­lers an der Wand ver­öf­fent­licht hat­te – oh­ne Ge­neh­mi­gung des Ma­lers. Die Rich­ter er­klär­ten, es kom­me dar­auf an, ob ein Kunst­werk in­ner­halb ei­nes Fotos „er­kenn­bar stil- oder stim­mungs­bil­dend“sei.

Wer sich als Mu­se­ums­be­su­cher vor ei­nem Ge­mäl­de fo­to­gra­fiert, das Bild ver­öf­fent­licht und dann ar­gu­men­tiert, das Kunst­werk sei ja nur Bei­werk, dürf­te in ei­nem Rechts­streit kei­ne gro­ßen Chan­cen ha­ben.

FO­TO: MOHSSEN ASSANIMOGHADDAM/DPA

Zwei Be­su­che­rin­nen fo­to­gra­fie­ren sich im Horst-Jans­sen-Mu­se­um Ol­den­burg vor dem Bild „Das Pro­blem der Men­schen“des Künst­lers Horst Jans­sen. Nicht in je­dem Mu­se­um ist Fo­to­gra­fie­ren er­laubt.

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