Luft­pro­ble­me bei den Aus­tra­li­an Open

Busch­feu­er in Aus­tra­li­en ha­ben Aus­wir­kun­gen auf das ers­te Grand-Slam-Ten­nis­tur­nier. Spie­le­rin muss­te in der Qua­li­fi­ka­ti­on auf­ge­ben.

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite - VON CHRIS­TO­PHER HIRSCH

We­gen schlech­ter Luft als Fol­ge der Busch­feu­er ist das Trai­ning bei den Aus­tra­li­an Open am Di­ens­tag zeit­wei­se un­ter­bro­chen wor­den. Die Slo­we­nin Da­li­la Ja­ku­po­vic muss­te in der Qua­li­fi­ka­ti­on so­gar ihr Spiel auf­ge­ben.

(dpa) Ten­nis­pro­fis mit Atem­pro­ble­men, Spiel­ab­brü­che und hef­ti­ger wer­den­de Kri­tik an den Tur­nier­chefs: Kurz vor Be­ginn der Aus­tra­li­an Open be­dro­hen die Busch­brän­de auch das größ­te Sport­er­eig­nis auf dem Kon­ti­nent. Ei­nen Tag vor den ge­plan­ten Be­ne­fiz­spie­len mit Ro­ger Fe­de­rer, Ra­fa­el Na­dal und Se­re­na Wil­li­ams (Mitt­woch, 9 Uhr/Eu­ro­sport) be­hin­der­te die ver­rauch­te Luft am Di­ens­tag in Mel­bourne den Auf­takt der Qua­li­fi­ka­ti­on

für das ers­te Grand-Slam-Tur­nier des neu­en Jah­res. Doch wäh­rend die Be­völ­ke­rung in der aus­tra­li­schen Me­tro­po­le auf­ge­for­dert wur­de, we­gen der schlech­ten Luft drin­nen zu blei­ben so­wie Fens­ter und Tü­ren ge­schlos­sen zu hal­ten, muss­ten die Spie­ler raus auf die Ten­nis­plät­ze.

„Über Nacht ist die Luft in Mel­bourne welt­weit am schlech­tes­ten ge­wor­den“, sag­te der zu­stän­di­ge Ge­sund­heits­be­hör­den-Chef Brett Sut­ton. Seit Mo­na­ten wü­ten vor al­lem im Süd­os­ten des Kon­ti­nents hef­ti­ge Busch­brän­de. Nach An­ga­ben der Re­gie­rung ka­men bis­lang 28 Men­schen ums Le­ben. Hun­der­te Mil­lio­nen Tie­re sind nach Schät­zun­gen al­lein im Bun­des­staat New South Wa­les ge­tö­tet wor­den.

Am Di­ens­tag muss­te das Show­match mit der deut­schen Spie­le­rin Laura Sie­ge­mund und der eins­ti­gen Welt­rang­lis­ten-Ers­ten Ma­ria Scha­ra­powa aus Russ­land beim Ein­la­dungs­tur­nier in Mel­bour­nes Stadt­teil Koo­yong nach knapp zwei St­un­den vor­zei­tig be­en­det wer­den. „Ich ha­be ge­merkt, dass ein biss­chen Hus­ten hoch­kam am En­de des zwei­ten Sat­zes. Ich dach­te, ich bin krank“, sag­te Scha­ra­powa.

In der Qua­li­fi­ka­ti­on für die Aus­tra­li­an Open gab die Slo­we­nin Da­li­la Ja­ku­po­vic in der ers­ten Run­de nach ei­nem Hus­ten­an­fall auf. Die 28-Jäh­ri­ge klag­te da­nach, es sei „nicht fair“, dass die Spie­ler un­ter sol­chen Be­din­gun­gen an­tre­ten müss­ten. „Das ist nicht ge­sund für uns. Ich war über­rascht, ich dach­te, wir wür­den heu­te nicht spie­len“, sag­te Ja­ku­po­vic. Im Match ge­gen die Schwei­ze­rin Ste­fa­nie Vö­ge­le hat­te es 6:4, 5:6 ge­stan­den. Vor ei­nem Satz­ball für Vö­ge­le knie­te Ja­ku­po­vic zu­nächst nie­der und wur­de dann von ei­ner Be­treue­rin vom Platz ge­führt, im Na­cken hat­te sie ein Hand­tuch mit Eis­beu­teln. „Es war wirk­lich schlimm. Ich hat­te wirk­lich Angst, dass ich kol­la­bie­re“, sag­te Ja­ku­po­vic: „Dar­um bin ich run­ter. Weil ich nicht mehr lau­fen konn­te. Am Bo­den war es et­was ein­fa­cher, Luft zu be­kom­men. Ich ha­be kein Asth­ma

und ha­be nie Atem­pro­ble­me.“Auch die frü­he­re Wim­ble­don-Fi­na­lis­tin Eu­ge­nie Bouchard klag­te über Atem­pro­ble­me und Schwin­del. Die Ka­na­die­rin nahm sich meh­re­re Be­hand­lungs­pau­sen, hielt aber durch.

Die Spie­le des Haupt­fel­des sol­len am kom­men­den Mon­tag be­gin­nen – doch die Kri­tik der Ath­le­ten wird lau­ter. „War­um müs­sen wir dar­auf war­ten, dass et­was Schlim­mes pas­siert?“, schrieb die Welt­rang­lis­ten-Fünf­te Je­li­na Swi­to­li­na aus der Ukrai­ne in den so­zia­len Netz­wer­ken. „Ge­sund­heit geht im­mer vor! War­um um al­les in der Welt wür­det ihr Spie­ler, Schieds­rich­ter und Ball­kin­der un­ter die­sen Be­din­gun­gen lei­den las­sen“, schrieb die Bel­gie­rin Kirsten Flip­kens.

Be­reits in den ver­gan­ge­nen Ta­gen hat­te die vie­ler­orts schlech­te Luft zu Kon­se­quen­zen ge­führt. So muss­te ein Chal­len­ger-Tur­nier be­reits von der Haupt­stadt Canberra nach Ben­di­go ver­legt wer­den. Der Welt­rang­lis­ten-Zwei­te No­vak Djo­ko­vic hat­te mit Sor­ge auf die Ent­wick­lun­gen ge­blickt und zu be­den­ken ge­ge­ben, dass ei­ne schlech­te Luft­qua­li­tät ge­sund­heit­li­che Fol­gen für die Spie­ler ha­ben könn­te. Er for­der­te die Ver­an­stal­ter auf, ei­nen spä­te­ren Start der Aus­tra­li­an Open in Er­wä­gung zu zie­hen. Tur­nier­chef Ti­ley kün­dig­te nur an, not­falls in den drei mit ei­nem Dach ver­schließ­ba­ren Are­nen oder in na­he ge­le­ge­nen Hal­len spie­len zu kön­nen. Ein biss­chen Hoff­nung ist zu­min­dest in Sicht: Am Mitt­woch könn­te es reg­nen – und Wind ge­gen den Qualm hel­fen.

„Ich hat­te Angst, dass ich kol­la­bie­re.“

Ten­nis­pro­fi Da­li­la Ja­ku­po­vic

nach ih­rer Auf­ga­be in der Qua­li­fi­ka­ti­on

bei den Aus­tra­li­an Open

FOTO: DODGE/DPA

Der Blick über ei­nen Ten­nis­platz im Mel­bourne Park zeigt im Hin­ter­grund die im Rauch­dunst lie­gen­de Sky­line der Stadt und die schlech­te Luft­qua­li­tät.

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