„Kli­ma­hys­te­rie“ist Un­wort des Jah­res

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite -

(dpa) Rü­cken­wind für Kli­ma­schüt­zer: Sprach­ex­per­ten ha­ben den Aus­druck „Kli­ma­hys­te­rie“zum Un­wort des Jah­res 2019 ge­kürt. Das Wort dif­fa­mie­re die Kli­ma­schutz­be­we­gung und dis­kre­di­tie­re wich­ti­ge De­bat­ten zum The­ma, be­grün­de­te die Ju­ry am Di­ens­tag in Darm­stadt. Aus der Po­li­tik kam Lob.

(kna/dpa) Rü­cken­wind für en­ga­gier­te Kli­ma­schüt­zer: Sprach­ex­per­ten ha­ben den Aus­druck „Kli­ma­hys­te­rie“als Un­wort des Jah­res 2019 ge­brand­markt. Mit der For­mu­lie­rung wür­den Kli­ma­schutz­be­mü­hun­gen und die Kli­ma­schutz­be­we­gung dif­fa­miert und wich­ti­ge De­bat­ten zum Kli­ma­schutz dis­kre­di­tiert, er­klär­te die Ju­ry des Sprach­wett­be­werbs am Di­ens­tag in Darm­stadt. „Der Aus­druck pa­tho­lo­gi­siert pau­schal das zu­neh­men­de En­ga­ge­ment für den Kli­ma­schutz als ei­ne Art kol­lek­ti­ver Psy­cho­se“, hieß es wei­ter.

Vor dem Hin­ter­grund wis­sen­schaft­li­cher Er­kennt­nis­se zum Kli­ma­wan­del sei das Wort „Kli­ma­hys­te­rie“zu­dem ir­re­füh­rend und stüt­ze in un­ver­ant­wort­li­cher Wei­se wis­sen­schafts­feind­li­che Ten­den­zen. Der Aus­druck sei 2019 „von vie­len in Po­li­tik, Wirt­schaft und Me­di­en – von der ‚FAZ’ über Un­ter­neh­mer bis hin ins­be­son­de­re zu AfD-Po­li­ti­kern ver­wen­det“wor­den.

Die „sprach­kri­ti­sche Ak­ti­on“will mit dem Un­wort des Jah­res auf „un­dif­fe­ren­zier­ten, ver­schlei­ern­den oder dif­fa­mie­ren­den öf­fent­li­chen Sprach­ge­brauch“auf­merk­sam ma­chen. Für das Jahr 2019 gab es 671 Ein­sen­dun­gen mit 397 ver­schie­de­nen Vor­schlä­gen. Als wei­te­re Un­wör­ter sah die Ju­ry den auch von AfD-Po­li­ti­kern be­nutz­ten Be­griff „Um­vol­kung“als Teil ei­ner rechts­ex­tre­men Ver­schwö­rungs­theo­rie, so­wie „Ethik­mau­er“.

An Be­le­gen für die Er­der­wär­mung und ih­re dra­ma­ti­schen Fol­gen fehlt es schon lan­ge nicht mehr. Wet­ter­ex­tre­me neh­men zu. Deutsch­land

hat im ver­gan­ge­nen Jahr den zwei­ten Dür­re-Som­mer in Fol­ge er­lebt. In man­chen Tei­len der Welt facht die Tro­cken­heit im­mer grö­ße­re Wald- und Busch­brän­de an – so wie der­zeit in Aus­tra­li­en. Die Po­li­tik in Deutsch­land und Eu­ro­pa schmie­det mil­li­ar­den­schwe­re Kli­ma­schutz­pro­gram­me. Ei­ni­ge Kri­ti­ker fin­den das – „hys­te­risch“.

An­de­re se­hen in der Wahl der Ju­ry in­des den genau rich­ti­gen Fin­ger­zeig. Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) lob­te ins­be­son­de­re

die Be­grün­dung der Ju­ry: Es kön­ne nicht sein, dass man not­wen­di­ge Din­ge als Hys­te­rie be­zeich­net – „al­so so tut, als wä­ren wir krank“. Auch der Na­tur­schutz­bund

„Der Aus­druck pa­tho­lo­gi­siert pau­schal das zu­neh­men­de En­ga­ge­ment für den Kli­ma­schutz.“

Ju­ry des Sprach­wett­be­werbs

Un­wort des Jah­res

Deutsch­land (Na­bu) re­agier­te er­freut: „Kli­ma­hys­te­rie hat es ge­schafft und ist das Un­wort des Jah­res. Die Ju­ry­be­grün­dung un­ter­schrei­ben wir“, twit­ter­te der Ver­ein.

„Kli­ma­hys­te­rie“als Un­wort tref­fe den Na­gel auf den Kopf, ur­teil­te der kli­ma­po­li­ti­sche Spre­cher der Lin­ken im Bun­des­tag, Lo­renz Gös­ta Beu­tin. His­to­risch ver­hee­ren­de Wald­brän­de von Aus­tra­li­en bis Bra­si­li­en zeig­ten, dass die Kli­ma­kri­se Fakt und ei­ne Be­dro­hung für den Groß­teil der Mensch­heit sei.

FOTO: FRANK RUMPENHORS­T/DPA

Ger­ma­nis­tik-Pro­fes­so­rin Ni­na Ja­nich bei der Vor­stel­lung des Un­wor­tes des Jah­res 2019.

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