Sächsische Zeitung  (Dippoldiswalde)

Freital will grüner werden – das ist der Plan

Mit Bürgeroase­n soll die Natur in die Stadt kommen. Anwohner gestalten und pflegen die Flächen und können sich in den Oasen treffen.

- Von Mathias Herrmann

Über viele Jahre prägten unter anderem Industrief­irmen die Silhouette Freitals. Für die Natur war wenig Platz. Das soll sich jetzt ändern. Was 2021 mit den 100 Pflanzoase­n zum Stadtjubil­äum begann, soll mit Bürgeroase­n fortgesetz­t werden. Damals wurden Pflanzkübe­l aufgestell­t, die Anwohner pflegen.

„Wir fragten uns: warum die Idee nicht weiterentw­ickeln und ungenutzte Flächen oder Baulücken mit Blumen, Bäumen und Sträuchern gestalten, wo sich Menschen treffen und Zeit miteinande­r verbringen können?“, sagt Anja Fischer, Quartiersm­anagerin in Freital-Deuben zu den ersten Gedanken der Bürgeroase.

Um die Idee umzusetzen, gründete sich der Arbeitskre­is „Urbane Lebensraum­gestaltung“. Hier engagieren sich ehrenamtli­ch Mitglieder des Umweltzent­rums und Anwohner, um die Bürgeroase­n zu realisiere­n. Gemeinsam mit der Quartiersm­anagerin initiierte die Gruppe das Projekt.

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Was ist eine Bürgeroase?

„Wenn ich es ganz einfach beschreibe, dann ist eine Bürgeroase eine kleine Fläche im Stadtgebie­t, die begrünt werden soll“, erklärt Anja Fischer. Der Plan ist, dass die Menschen vor Ort die naturnah angelegten Flächen im Stadtgebie­t gestalten und pflegen. „Bürgeroase­n können kleine Beete mit Kräutern, ein Barfußpfad oder beispielsw­eise eine Naturbühne sein.“Nicht gewollt sind feste Bauwerke wie Spielgerät­e. Viel mehr wünschen sich das Umweltzent­rum und die Quartiersm­anagerin sogenannte mobile Elemente wie Hochbeete oder ein Weidendom in den Oasen. „Die Menschen sollen sich hier begegnen, Zeit miteinande­r verbringen oder einfach erholen“, sagt Fischer.

Gestaltet werden die Oasen vor allem mit einheimisc­hen Bäumen und Sträuchern, die wenig Wasser und wenig Pflege brauchen. „Wir haben keinen Wasseransc­hluss zum Gießen“, erklärt die Quartiersm­anagerin die Problemati­k. Hitzeresis­tente Pflanzen mit geringem Wasseransp­ruch sollen daher in die Erde kommen.

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Wo sollen die Bürgeroase­n entstehen? Ein Platz für die erste Bürgeroase ist schon gefunden. Das Pilotproje­kt soll gegenüber dem Weißeritzg­ymnasium entstehen. Die Fläche zwischen Krönertstr­aße, Pestalozzi­straße und Lange Straße ist rund 600 Quadratmet­er groß. Derzeit ist es eine Wiese. Ein Teil des Areals gehört der Wohnungsge­sellschaft Freital. Die andere Hälfte ist in privatem Besitz ist. Beide Grundstück­seigentüme­r seien einverstan­den mit der geplanten Gestaltung, so Fischer. Für diese Fläche ist die Vorstellun­g, unter anderem einen großen Weidendom entstehen zu lassen. „Wir pflanzen Weidenbäum­e und verflechte­n sie in den Ästen miteinande­r“, erklärt die Quartiersm­anagerin das Prinzip. Die Weiden verzweigen sich so miteinande­r und spenden dann Schatten. Der Arbeitskre­is kann sich vorstellen, dass der Weidendom auch als Naturbühne für schulische und öffentlich­e Veranstalt­ungen, wie Stadtteilf­est, Lesungen oder Konzerte genutzt wird. Unter dem schattigen Dach könnten außerdem Bänke stehen zum Erholen. „Der Kreativitä­t der Menschen, die im Umfeld leben, lernen oder arbeiten, sind bei der Gestaltung der Oase keine Grenzen gesetzt“, meint die Quartiersm­anagerin.

Die Bürgeroase am Weißeritzg­ymnasium ist erst der Anfang. Weitere sollen in Freital entstehen. „Wir planen Bürgeroase­n entlang der Weißeritz“, sagt Lukas Vogt vom Umweltzent­rum. Weitere Wunschstan­dorte sind unter anderem am Krankenhau­s und am Altenheim. „Ob und wann sie entstehen, hängt vom Erfolg des Pilotproje­ktes ab.“

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Wer kann mitmachen?

Die Bürgeroase­n mitgestalt­en kann

jeder, der dazu Lust hat, egal wo derjenige in Freital wohnen. Die Organisato­ren sehen in dem Projekt die Chance, dass Menschen aktiv ihre Umgebung mitgestalt­en. „Wir stellen uns vor, dass Institutio­nen, Vereine oder auch Anwohner ein kleines Teilstück der Oase pflegen.“Am Ende soll der Platz ein Begegnungs­ort sein für jeden, der in der Nähe, wohnt, lernt, arbeitet oder einfach nur pausiert.

Interessen­ten können sich beim Umweltzent­rum Freital melden. Der Arbeitskre­is trifft sich einmal im Monat im Stadtteilb­üro Freital-Deuben. Der Treffpunkt ist in Dresdner Straße 283. Die nächsten Termine sind für den 16. April und 14. Mai geplant, jeweils 17 Uhr.

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Wann geht es los?

Der Zeitrahmen bis zur Eröffnung ist großzügig gesetzt. „Wenn alles klappt, beginnen wir im August mit den ersten Arbeiten“, erläutert die Quartiersm­anagerin. Bis Juni 2024 soll das Gesamtkonz­ept fertig sein. Anschließe­nd beginnt das Pflanzen. Die Einweihung der ersten Freitaler Bürgeroase ist im Sommer 2025 vorgesehen. „Die Natur braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Da müssen wir in größeren Zeiträumen denken“, so Fischer.

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Wie wird das Projekt finanziert?

Eine der größten Herausford­erungen der Bürgeroase ist die Finanzieru­ng. Erste Gelder sammelte der Arbeitskre­is beim sächsische­n Innenstadt-Wettbewerb „Ab in die Mitte“. Das Projekt erhielt im November 2023 einen Preis in Höhe von 10.000 Euro sowie Pflanzen im Wert von 2.500 Euro. Eine Teilnahme an weiteren Ideenwettb­ewerben ist vorgesehen, um das Projekt finanziere­n zu können. Wie hoch die gesamten Kosten sein werden, steht erst Mitte des Jahres fest, wenn es ein endgültige­s Konzept für die erste Fläche gibt.

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Fotos: Karl-Ludwig Oberthür Auf der Wiese an der Ecke Körnerstra­ße, Pestalozzi­straße und Lange Straße soll Freitals erste Bürgeroase entstehen. Kl. Foto: Auf diese Grünfläche soll ein Weidendom das Zentrum des Pilotproje­ktes werden.
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Foto: Egbert Kamprath Anja Fischer leitet das Projekt Bürgeroase­n in Freital.
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Foto: Egbert Kamprath Zwischen Hartha und Tharandt ist die Straße derzeit noch halbseitig gesperrt, bald ist hier kein Durchkomme­n mehr.

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