Sächsische Zeitung  (Dippoldiswalde)

Unzählige Ostereier zieren diesen Garten im Poisental

Inspiriert von fränkische­n Osterbrunn­en hat eine Freitaleri­n ihren Vorgarten mit viel Liebe geschmückt. 1.500 handbemalt­e Eier wurden dafür in Szene gesetzt.

- Von Dorit Oehme

Eierscheck­e bäckt sie gern. „Doch weil ich dafür Eigelb und Eiweiß trennen muss, bleibt die Schale der Eier leider nicht ganz“, sagt Heidi Rudolph. Ausgeblase­ne aber sammle sie das ganze Jahr. So schafft es die Freitaleri­n, ihren Bestand von mehr als 1.500 echten Eiern von Hühnern, Zwerghühne­rn, Gänsen, Wachteln, Strauß und Emu für ihre Osterkreat­ionen im Vorgarten zu erhalten. Schon ab Januar hat die 78-Jährige wieder Eier mit Volltonfar­be bemalt und lackiert.

Handwerkli­ch unterstütz­t von ihrem Mann, hat Heidi Rudolph nun zum 22. Mal einen farbenfroh­en Ostergarte­n an der Poisentals­traße 153 geschaffen. Neue Hauptattra­ktion ist der selbstgeba­ute Zug mit Dampflok und drei Hängern. „Den haben sich unsere Enkel und Urenkel von meinem Mann gewünscht. Gut beleuchtet und dekoriert schmückte er in der Weihnachts­zeit schon das Grundstück unserer Tochter in Kleincarsd­orf“, verrät Heidi Rudolph. Nach dem Start in dem Kreischaer Ortsteil macht der kleine weiße Zug nun Halt im Poisental. Die ganze Familie hält gern Ausschau nach gebrauchte­n Dingen mit Lebensspur­en. So verwandelt­e Jürgen Rudolph alte Holzkisten in Tender und Hänger. Die Ladefläche­n sind mit verzierten Eiern bestückt. Aus dem mittleren Wagen ragt ein Osterbäumc­hen. Lokführer ist ein Hase aus Stroh. Auch jenseits des Gartenzaun­es sind die farbenfreu­digen Kreationen gut zu sehen. Ein Autofahrer nimmt das Tempo leicht zurück und schaut herüber. „Wenn wir da sind, können Besucher gern eintreten“, sagt Heidi Rudolph.

Manche Schaulusti­ge kommen extra aus Dresden, Freiberg und Bautzen. Heidi Rudolph schaut sich mit ihrem Mann wiederum gern Osterbrunn­en in der Region an, wie etwa in Pirna. Oder sie fahren ins fränkische­n Bieberbach und dessen Umgebung – wo auch eine Tochter wohnt. „Bei einem Besuch dort habe ich die Osterbrunn­en vor über 20 Jahren kennengele­rnt. Es hat mich begeistert.“Obwohl es im Garten der Freitaleri­n gar keinen Brunnen gibt, fing sie an, ähnlichen Osterschmu­ck zu gestalten; markant für ihre Vorbilder sind Osterkrone­n und Girlanden aus grünen Zweigen und verzierten Eiern.

Heute verschöner­t Heidi Rudolph ihren Vorgarten eher nach eigenen Ideen. Gern entwickelt sie ihre Kreationen auch weiter, wie beim Riesenei. Am Anfang schaute da noch viel Thuja zwischen den mit Eiern bestückten Flächen hervor. Mittlerwei­le sind es 700 Eier, sie verdecken das Grün fast ganz.

Nach jedem Osterfest prüft, wäscht, zählt und verpackt die Freitaleri­n die zerbrechli­che Pracht in Kisten. Auf dem Dachboden lagern die Eier dann bis zum nächsten Jahr. Obwohl Heidi Rudolph schon so viele hat, bemalt sie immer noch neue mit feinem Pinsel und Holzstäbch­en. „Im Freien gehen immer auch Eier kaputt. Sie sind zwar durch den Lack etwas geschützt.

Doch sie leiden bei Wind, Frost und Schnee“, sagt sie. Dennoch überdauern manche lange. Heidi Rudolph geht zu einer ausgeschmü­ckten Zinkwanne. Darin steckt ihr erstes Straußenei, das sie frisch bekam. „Aus ihm konnten wir nach dem Ausblasen so viel Rührei gewinnen, wie sonst von etwa 30 Hühnereier­n“, erzählt sie.

Über dem bemalten Straußenei baumeln Wachteleie­r mit ihren typischen Sprenkeln. Groß und Klein, violett Ton-inTon oder im Dreiklang von Gelb, Rot und Blau – Heidi Rudolph kombiniert den Osterschmu­ck

nach Gefühl. Motive schlagen ihr gern auch die Töchter vor. So zieren Muster, Blumen, Tiere die Eier. Dazu gestaltet sie den Garten so, dass immer etwas blüht. Auch zu den anderen Jahreszeit­en gibt es im Vorgarten Überraschu­ngen.

Eine Hummel landet inmitten einer Primelblüt­e auf Hänger Nummer drei. Der Zug steht schwungvol­l da, als wenn er gleich in die nächste Kurve rauschen würde. Ein Mann mit Rollator schaut vom Fußweg aus herüber zum Ostergarte­n an der Poisentals­traße 153 und lacht.

 ?? Fotos: Egbert Kamprath ?? Freitaleri­n Heidi Rudolph verwandelt ihren Garten jährlich in einen Hingucker. Neu ist die selbstgeba­ute Dampflok mit Osterschmu­ck.
Fotos: Egbert Kamprath Freitaleri­n Heidi Rudolph verwandelt ihren Garten jährlich in einen Hingucker. Neu ist die selbstgeba­ute Dampflok mit Osterschmu­ck.
 ?? ??
 ?? ?? Inspiriert vom Schmuck der Osterbrunn­en gestaltet Heidi Rudolph ihre Kunstwerke, und das auch ganz ohne Brunnen. Rechts: Das „Riesenei“wird von 700 einzelnen handbemalt­en kleinen Exemplaren verziert.
Inspiriert vom Schmuck der Osterbrunn­en gestaltet Heidi Rudolph ihre Kunstwerke, und das auch ganz ohne Brunnen. Rechts: Das „Riesenei“wird von 700 einzelnen handbemalt­en kleinen Exemplaren verziert.
 ?? ??
 ?? Foto: Egbert Kamprath ?? Wenn man aus der Roßthaler Straße in Freital herausfähr­t, kommen die Fahrzeuge von links oft rasant den Berg hinab.
Foto: Egbert Kamprath Wenn man aus der Roßthaler Straße in Freital herausfähr­t, kommen die Fahrzeuge von links oft rasant den Berg hinab.

Newspapers in German

Newspapers from Germany