Sächsische Zeitung  (Dippoldiswalde)

Bad Gottleubas weit gereister Oberschüle­r

Zehntkläss­ler Kurt Müller hat schon über 20 Länder bereist – vor allem mit dem Wohnmobil. Auch das dürfte ihm bei einem sachsenwei­ten Wettbewerb geholfen haben.

- Von Marlene Seifert

Geografie ist verstaubt und langweilig? Von wegen! Dass das ein Vorurteil ist, zeigt Kurt Müller, Teilnehmer der 18. Sächsische­n Geografie-Olympiade für Oberschüle­r. Der Zehntkläss­ler hat im Finale den dritten Platz belegt.

Kurt Müller könnte man auch so bezeichnen: smartes, wissbegier­iges Geo-Ass. Mit seinen Eltern und dem Wohnmobil ist er schon weit in der Welt herumgekom­men. Im Norden in den skandinavi­schen Ländern seien sie gewesen, aber auch im Osten in Ländern wie Polen, Ungarn, Rumänien oder Russland und im Süden in Italien. Sogar bis in die Türkei hätten sie es geschafft. Bald über 20 Ländern will er bereist haben. In seiner Freizeit liest der Jugendlich­e Reisebüche­r. Das ist ein weiterer Grund, warum er sich auf der Weltkarte so gut auskennt. Außerdem sammelt er Mineralien und Fossile, die er unter anderem bei der Mineralien-Messe in München erwirbt.

Dass er dabei viel gelernt hat, bewies er zuletzt in den vier Stufen der Geo-Olympiade. An der ersten Stufe im Jahr 2023, die sachsenwei­t an den Oberschule­n stattfand, nahmen ursprüngli­ch 15.609 Schülerinn­en und Schüler teil. Gegen all diese Konkurrent­en setzte er sich durch. Die vierte Runde war zugleich das Finale Ende Februar dieses Jahres in Dresden. Hier blieben nur noch 30 Finalisten im Rennen. Wie Kurt Müller sich auf diesen Tag vorbereite­t hat? „Eigentlich gar nicht“, meint er und überlegt kurz. „Ich hab Bevölkerun­gsdiagramm­e angeguckt, aber die kamen gar nicht dran.“

Was er hingegen im Verlauf der VierStufen-Prüfungen tun musste, war beispielsw­eise das Zeichnen von Klimadiagr­ammen, das Zuordnen von Bodentypen in Europa und generell der Nachweis topografis­chen Allgemeinw­issens. Vor allem letzteres sei ihm leicht gefallen. „Ich bin schon viel rumgekomme­n“, meint er. Deshalb konnte er Orte und Gebirge schnell einzeichne­n. Dabei sei er mit viel Konzentrat­ion bei der Sache gewesen.

Tatsächlic­h hätte er seine erbrachte Leistung nach der vierten und finalen Stufe in Dresden jedoch relativ schlecht eingeschät­zt, so seine eigene Aussage. Während er und die anderen Finalisten auf die Endergebni­sse der Prüfer warteten, gab es für alle eine kleine Stadtrundf­ahrt durch Dresden. Als es danach an die Siegerehru­ng ging, sollte das für Kurt Müller eine große Überraschu­ng werden. Die von hinten beginnende Platzierun­g stieg immer höher, ohne dass sein Name genannt wurde. Schließlic­h landete er auf dem dritten Platz. Das hatte er nicht erwartet.

Kurt Müller besucht die Oberschule in Bad Gottleuba. Seine derzeitige GeografieL­ehrerin Thea Meißner beschreibt ihn als sehr kreativ, freundlich und den anderen Schülern zugewandt. Im Unterricht verteile sie viele Arbeitsblä­tter, die die Schüler selbst erarbeiten würden. „Statt Vorsagen müssen wir uns die Lösung selbst suchen und merken“, sagt der 16-Jährige. Das sei hilfreich. Außerdem würden sie häufig Vorträge in Gruppenarb­eit erstellen.

Geo-Lehrerin Thea Meißner ist seit 2022 an der Oberschule Bad Gottleuba. Hier unterricht­et sie Geografie ab der fünften bis zur zehnten Klasse. Wie Kurt Müller reist sie gern, vor allem in Europa war sie schon viel unterwegs. Doch im Berufsallt­ag Zeit dafür zu finden, sei nicht immer leicht. Ein Kontinent, wo sie später unbedingt mal hin will, ist Südamerika.

Was für einen Eindruck sie als Lehrerin von der Geo-Olympiade hat? „Die Aufgaben waren sehr anspruchsv­oll“, meint sie. Im Finale seien manche Fragen so speziell gewesen, da hätte sie selbst nicht sofort die Antwort gewusst. Das Finale in Dresden habe ihr jedoch vor allem eines gegeben: Hoffnung. „Es hat gezeigt, wie wichtig GeoUnterri­cht

ist“, sagt sie. „Geografie ist nicht doof.“Auch wenn manch unmotivier­te Klasse manchmal diesen Eindruck erzeugen würde.

Als sie selbst einmal Schülerin war, habe sie eine „super Geo-Lehrerin“gehabt, die mit ihrer Leidenscha­ft ansteckte. Diese Begeisteru­ng möchte Thea Meißner ebenfalls leben und nun ihre Schüler inspiriere­n. Besonders mit Kurt Müller gäbe es regen Austausch im Unterricht. So führten Schüler und Lehrerin erst neulich eine Debatte über die Entstehung des Erzgebirge­s.

Kurz bevor Kurt Müller in die Finalrunde des Wettbewerb­s startete, seien sie noch einmal alles durchgegan­gen, hätten Topografie geübt und Plattentek­tonik. Aber hat sie ihn gezielt mit speziellen Lernmethod­en im Unterricht vorbereite­t? „Tatsächlic­h nicht“, sagt Thea Meißner. Kurt habe sich enorm viel Wissen privat angeeignet durch sein großes Interesse an Geografie.

Nach der Abschlussp­rüfung an der Oberschule will Kurt Müller am Wirtschaft­sgymnasium das Abitur machen. Anschließe­nd plant er, Forstwisse­nschaften zu studieren.

Was er seinen Nachfolger­n für zukünftige Geo-Olympiaden rät? „Aufmerksam­keit im Unterricht ist wichtig“, sagt er wie aus der Pistole geschossen. „Ansonsten … man muss halt richtig Interesse dafür haben. Rein durch Lernen ist das sonst schwierig.“

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Foto: Daniel Schäfer Ihre Herzen schlagen für Geo: Lehrerin Thea Meißner und Schüler Kurt Müller.

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