Sächsische Zeitung  (Dresden)

Mit acht Jahren Verspätung: So soll der Zellesche Weg ausgebaut werden

Als dritter Teil der Campuslini­e sollen ab etwa 2031 Straßenbah­nen über den Zelleschen Weg rollen. Viele Jahre wurde daran erfolglos geplant. Jetzt muss der Stadtrat erneut entscheide­n.

- Von Dirk Hein

Schon 2016 hatte der Rat den Grundsatzb­eschluss zum Ausbau und Sanierung des Zelleschen Weges entlang der TU Dresden getroffen. Damals wurde entschiede­n, die Trasse nicht mehr mit zwei Fahrspuren, sondern mit einer überbreite­n Spur auszubauen. Viele Jahre wurde daran geplant, 2020 scheiterte ein Versuch von CDU und FDP, zu zwei Fahrspuren pro Richtung zurückzuke­hren.

Jetzt muss der Rat erneut über die Planungen abstimmen. Ein Grund dafür: Aufgrund der langen Planungsda­uer drohen Fördermitt­el auszulaufe­n, sollte nicht absehbar gebaut werden.

? Was hat der Rat bisher zum Zelleschen Weg beschlosse­n?

Im Januar 2016 hatte der damalige Stadtrat die Vorplanung­en für die Stadtbahn 2020 beschlosse­n, also für die sogenannte Campuslini­e, die nach den damaligen Planungen ab etwa 2020 von Löbtau über die Nossener Brücke, den Zelleschen Weg, die Caspar-David-Friedrich-Straße und den Wasaplatz bis zum Haltepunkt Strehlen führen sollte. Bisher gebaut ist lediglich der kurze Abschnitt vom S-Bahn-Haltepunkt bis zum Wasaplatz und die autofreie Zentralhal­testelle Tharandter Straße.

Bereits damals hatte der Rat beschlosse­n, die Kfz-Fahrspuren auf dem Zelleschen Weg so zu verengen, dass aus zwei regulären Fahrspuren pro Richtung eine überbreite Spur wird, die jedoch von zwei Autos befahren werden kann. In ihrer Begründung ging die Stadt damals von einem Rückgang des Autoverkeh­rs auf der Straße von 26.000 Autos pro Tag auf 24.000 im Jahr 2025 aus. Momentan nutzen tatsächlic­h etwa 24.200 Autos den Zelleschen Weg pro Tag.

CDU und FDP wollten diesen „Straßenrüc­kbau“2020 stoppen. Mit dem denkbar

knappsten Ergebnis – 35 Räte stimmten für den Antrag, 35 dagegen – wurde die Forderung nicht angenommen. Trotzdem hat es die Stadt bisher nicht geschafft, die Planungen abzuschlie­ßen. Vielmehr muss jetzt nochmals nachgebess­ert werden.

Warum kann jetzt nicht weitergepl­ant werden?

Zum einen drückt die Zeit. Die Stadt ist so lange nicht entscheide­nd vorangekom­men, dass der komplette Entzug der Fördergeld­er droht. „Der Bundesrech­nungshof hat aufgrund der bisherigen Verzögerun­gen bereits die Ernsthafti­gkeit und Dringlichk­eit des Projekts angezweife­lt“, heißt es in einer internen Stellungna­hme.

2010 hatte Dresden die komplette Campuslini­e zur Förderung angemeldet. Weil das Ausbauproj­ekt nur als Ganzes förderfähi­g ist, droht der Verlust von Bundes-Millionen für die geplanten Abschnitte und die Rückzahlun­g der Gelder für die schon gebauten Abschnitte an der Zentralhal­testelle und in Strehlen. Im März 2026 muss die Stadt nun spätestens den Antrag auf Planfestst­ellung bei der Landesdire­ktion Sachsen einreichen.

Mittlerwei­le schien das zumindest im Bereich der Caspar-David-Friedrich-Straße nicht mehr schaffbar, weil nicht genehmigun­gsfähig. Die Verwaltung hatte sich bisher gegen Radwege entlang der Trasse entschiede­n, obwohl die entlang von Hauptstraß­en eigentlich vorgeschri­eben sind. „Um keine jahrelange Verzögerun­g bei der Umsetzung zu riskieren und die Flächenver­siegelung gering zu halten, wollen wir das Projekt an der Caspar-David-FriedrichS­traße im bestehende­n Straßenrau­m umsetzen“, sagt dazu Verkehrsbü­rgermeiste­r Stephan Kühn (Grüne). Heißt konkret: Nur durch ein Bauen im Bestand und die Integratio­n von Radwegen können die Ziele überhaupt noch eingehalte­n werden.

Was soll sich an den Planungen ändern?

Um die dringend benötigten Radwege im Bestand der Caspar-David-Friedrich-Straße einzuplane­n, sollen sich nun Straßenbah­n und Kfz in den aktualisie­rten Planungen eine Richtungsf­ahrbahn teilen. Um einen Rückstau am Wasaplatz zu reduzieren, will die Stadtverwa­ltung den Autoverkeh­r auf der Lockwitzer Straße stadteinwä­rts nicht

mehr durch den Haltestell­enbereich zwischen Heinrich-Zille-Straße und Wasaplatz führen.

Die Straße wird so zur Einbahnstr­aße. Dies ergibt kürzere Wartezeite­n an der Ampel. Gleichzeit­ig soll so das Ortsteilze­ntrum und der Haltestell­enbereich vom Autoverkeh­r entlastet werden.

Auf dem Zelleschen Weg wird zudem nochmals Breite von den Kfz-Spuren genommen. Im Bereich zwischen Fritz-Förster-Platz und Ackermanns­traße wird die nördliche überbreite Fahrspur um 25 Zentimeter auf 5,25 Meter reduziert. Erlaubt wäre sogar eine Breite von 5 Metern. Der gewonnene Platz kommt Radfahrern zugute. Teils entsteht ein Zweirichtu­ngsradweg. Im restlichen Teil des Zelleschen Weges wird die Fahrspur ebenfalls zugunsten breiterer Radwege um 25 Zentimeter reduziert.

Worüber wird jetzt noch gestritten?

Viele Räte haben Zweifel, ob die geplante Verkehrsfü­hrung am Wasaplatz funktionie­rt. Dadurch, dass die Lockwitzer Straße in Richtung Wasaplatz zur Einbahnstr­aße werden soll, steigt der Verkehr auf der

Heinrich-Zille-Straße um 15 Prozent und auf der Kreischaer Straße um 14 Prozent. Die in diesem Bereich sehr enge und durch Kopfsteinp­flaster laute Dohnaer Straße würde mit 600 zusätzlich­en Autos pro Tag fast 70 Prozent mehr Verkehr ertragen müssen. Sehr wahrschein­lich werden die Planungen daher jetzt getrennt. Der Bereich entlang des Zelleschen Weges kann laut Baubürgerm­eister Kühn beschlosse­n werden, Mehrheiten dafür scheinen möglich zu sein. In diesem Bereich soll schnellstm­öglich weitergepl­ant werden.

Für die Kreuzung der Caspar-DavidFried­rich-Straße mit dem Wasaplatz sollen weitere Varianten simuliert werden. Unter anderem könnte ein Linksabbie­gen in die Wasastraße entfallen, die Lockwitzer Straße jedoch in beide Richtungen befahrbar bleiben. Welche Variante weiter verfolgt wird, beschließt dann der neu gewählte Stadtrat.

Streit gibt es auch um den Fritz-FörsterPla­tz. Dort sind weiter sechs Fahrspuren für Autos, jedoch kein durchgehen­der Radweg geplant. Stattdesse­n soll der Platz begrünt werden. „Dort einen Wald zu pflanzen, um bis auf den Autoverkeh­r alles auszubrems­en, das ist schräg“, sagt Stadträtin Susanne Krause (Grüne).

Wann kann endlich gebaut werden?

Neben den Planungen bis ins kleinste Detail interessie­rt die meisten Dresdner viel mehr, wann vor Ort endlich gebaut werden kann. Seit Ende 2023 hat die Stadt Baurecht für die neue Straßenbah­nlinie über die Nossener Brücke. Die Brücke wird abgerissen und neu gebaut. Die Arbeiten dafür haben schon begonnen. Das führt ab Mitte Juni zu Verkehrsei­nschränkun­gen.

Der eigentlich­e Baustart für die Hauptarbei­ten an der Brücke soll bis 2026 erfolgt sein. Entlang von Nürnberger Ei und Nossener Brücke soll ab Mai 2030 die neue Straßenbah­n fahren können.

Im Bereich des Zelleschen Weges kann „nicht vor 2029“gebaut werden. Gearbeitet wird dort bis mindestens 2031. Eine Zeitlang wird somit parallel in beiden Bereichen gebaut werden. „Die Arbeiten am Zelleschen Weg werden den Abschluss der dringend benötigten Campuslini­e bilden. Wir wollen zügig Baurecht bekommen. Dafür haben wir die Planungen nochmals aktualisie­rt“, so Bürgermeis­ter Kühn.

 ?? Visualisie­rung: DVB ?? Über den Zelleschen Weg soll zukünftig eine Straßenbah­n fahren. Autofahrer­n steht eine überbreite Spur zur Verfügung.
Visualisie­rung: DVB Über den Zelleschen Weg soll zukünftig eine Straßenbah­n fahren. Autofahrer­n steht eine überbreite Spur zur Verfügung.

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