War­um die EZB ei­ne Zeit­bo­me ist

Sach­wer­te blei­ben auch wei­ter­hin die ers­te Wahl

Sachwert Magazin - - Inhalt - Von Tho­mas Schwar­zer

Das ak­tu­el­le Bei­spiel macht wie­der ein­mal deut­lich, wie groß das Pul­ver­fass ist, auf dem Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank EZB sitzt. Seit Jah­ren greift die EZB in das Fi­nanz­sys­tem ein. Zu­erst wur­den Staats­an­lei­hen ge­kauft, ab 2016 dann Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Für vie­le Un­ter­neh­men war es der letz­te Stroh­halm. Als nichts mehr ging oder die Zin­sen für neue Dar­le­hen ein­fach viel zu hoch wa­ren. Die EZB wur­de da­mit für zahl­rei­che Fir­men zum „len­der of last re­sort“.­im­port­fo­lio­der­ezb­be­fin­den­sich­mitt­ler­wei­le An­lei­hen von rund 1.000 Un­ter­neh­men mit ei­nem Wert von 129 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Ein fau­les Ei im Nest der EZB

Zu den Un­ter­neh­men de­nen ge­hol­fen wur­de, ge­hört auch der Skan­dal-mö­bel­rie­se St­ein­hoff. Der süd­afri­ka­nisch-deut­sche Kon­zern steht seit dem ver­gan­ge­nen Jahr mit dem Rü­cken zur Wand. Wird er­schüt­tert von ei­nem Bi­lanz­skan­dal. Das Ma­nage­ment wur­de raus­ge­wor­fen, das Un­ter­neh­men hat Mil­li­ar­den­schul­den und die Ak­tie ist um 95 Pro­zent ein­ge­bro­chen.

We­gen­ der­ Schief­la­ge­ sind­ auch­ die­ An­lei­hen dra­ma­tisch ab­ge­stürzt. Auch die, die im Be­sitz der EZB wa­ren. Weil plötz­lich die An­lei­hen nicht mehr den Min­dest-

an­for­de­run­gen ge­nüg­ten, muss­te die EZB die An­lei­hen mit ho­hen Ver­lus­ten ver­sil­bern. Wie viel Geld die EZB da­bei ver­lo­ren hat, sagt sie nicht. Ex­per­ten ge­hen aber von rund 50 Mil­lio­nen Eu­ro aus. Hät­te St­ein­hoff In­sol­venz an­ge­mel­det, wä­ren die An­lei­hen so­gar kom­plett ver­lo­ren ge­we­sen. Die St­ein­hoff-an­lei­hen sind aber nicht der ein­zi­ge Schrott in den Bü­chern der EZB. Und je­den Mo­nat neh­men die Ri­si­ken dra­ma­tisch zu.

Noch viel mehr fau­le Eier in den Bü­chern

In der Bi­lanz der EZB schlum­mert ein Rie­sen­berg an Schrott­an­lei­hen von Un­ter­neh­men. Fast ein Ach­tel ist be­reits dem Schrott­sta­tus zu­zu­rech­nen oder ste­hen gera­de da­vor, so Ex­per­ten. Sind stark aus­fall­ge­fähr­det oder im Wert mas­siv ge­fal­len. Noch brummt die Wirt­schaft und die Zin­sen sind nied­rig. Doch die Rah­men­be­din­gun­gen än­dern sich gera­de. Die Zin­sen stei­gen. Und das könn­te erst der An­fang sein. Soll­ten die Zin­sen deut­li­cher an­ge­ho­ben wer­den müs­sen, wer­den im­mer mehr Un­ter­neh­men in ei­ne Schief­la­ge­ge­ra­ten.­um­um­fal­len­wieDo­mi­no­stei­ne. Wei­te­re An­lei­hen im Be­stand der EZB müss­ten ab­ge­schrie­ben

wer­den.­rie­si­ge­fi­nan­zi­el­le­lö­cher­wä­ren­das Er­geb­nis.

Im­men­se Ri­si­ken gibt es auch bei Staats­an­lei­hen. Die auf­ge­bläh­te Bi­lanz der EZB hat ein Ge­samt­vo­lu­men von gi­gan­ti­schen 4,4 Bil­lio­nen Eu­ro. Ent­stan­den ist ei­ne Rie­sen­bla­se an Schuld­schei­nen, die je­der­zeit plat­zen kann. Noch im­mer kauft die EZB mo­nat­lich An­lei­hen mit ei­nem Vo­lu­men von 30 Mil­li­ar­den Eu­ro. Das ak­tu­el­le Pro­gramm läuft noch bis Sep­tem­ber.

Sach­wer­te bie­ten ei­nen gu­ten Schutz

Für An­le­ger be­deu­tet das: Sach­wer­te sind und blei­ben ers­te Wahl. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank hat ein An­lei­he­mons­ter ge­schaf­fen, das kaum zu kon­trol­lie­ren ist. Vor der EZB lie­gen fast un­lös­ba­re Auf­ga­ben. Der Ab­bau der Me­ga­bi­lanz er­for­dert ein ex­trem ru­hi­ges Händ­chen und ein sta­bi­les Ka­pi­tal­markt­um­feld. Das könn­te aber der Knack­punkt sein. Der nächs­te Kon­junk­tur­ab­schwung wird kom­men. Die na­he­zu pa­ra­die­si­schen Rah­men­be­din­gun­gen der letz­ten zehn Jah­re sind vor­bei. Und das könn­te das mäch­ti­ge An­lei­he­haus der EZB zum Ein­sturz brin­gen.

Die EZB kauft ak­tu­ell noch im­mer je­den Mo­nat Schuld­schei­ne mit ei­nem Vo­lu­men von 30 Mil­li­ar­den Eu­ro. Fast ein Ach­tel der Un­ter­neh­mens­an­lei­hen im Ezb-port­fo­lio sind Schrott.

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