Mit­tel­maß im Reich der Mit­te?

FVSB-Län­der­mo­ni­tor für die VR Chi­na

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Die Volks­re­pu­blik Chi­na leg­te in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ei­ne wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung an den Tag, die welt­weit ih­res­glei­chen sucht. Die Zei­ten, in de­nen aus Angst vor ei­ner Über­hit­zung brem­send ein­ge­grif­fen wur­de, sind noch gar nicht lan­ge her. Doch das im zwölf­ten Fünf­jah­res­plan (2011 – 2016) an­ge­streb­te „ge­sun­de“Wirt­schafts­wachs­tum von jähr­lich rund sie­ben Pro­zent ließ sich jüngst nicht mehr rea­li­sie­ren.

Das bis­her er­folg­rei­che aus­fuhr- und in­ves­ti­ti­ons­ba­sier­te Wachs­tums­mo­dell hat in Chi­na sei­nen Ze­nit über­schrit­ten. Enor­me Über­ka­pa­zi­tä­ten wur­den auf­ge­baut und be­las­ten nun die Ren­di­te. In­ter­na­tio­na­le Han­dels­part­ner be­kla­gen im­mer of­fe­ner den recht rück­sichts­lo­sen Um­gang mit na­tür­li­chen Res­sour­cen und die Auf­wer­tung der In­lands­wäh­rung Yuan sorg­te für sin­ken­de Nach­fra­ge aus dem Aus­land. Nach ei­nem BIP-Wachs­tum in Hö­he von 6,9 Pro­zent im Vor­jahr ge­hen die na­tio­na­len Pro­gno­sen für 2016 er­neut leicht nach un­ten. In­ter­na­tio­na­le In­sti­tu­tio­nen be­wer­ten die Ent­wick­lungs­chan­cen noch kon­ser­va­ti­ver, so zum Bei­spiel der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fond (IWF) mit 6,5 Pro­zent für 2016 und 6,2 Pro­zent für 2017. Der im März ver­ab­schie­de­te 13. Fünf­jah­res­plan (2016–2021) setzt er­neut auf ei­nen fort­ge­setz­ten Struk­tur­wan­del. Der Pri­mär- und Se­kun­där­sek­tor ha­ben zu­guns­ten des Di­enst­lei­tungs­be­rei­ches in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ste­tig an Be­deu­tung ver­lo­ren. Die Ent­wick­lung des Bin­nen­mark­tes soll wei­ter for­ciert wer­den und die Verste­ti­gung des (re­la­tiv) sin­ken­den Ener­gie­ver­brau­ches zu ei­nem nach­hal­ti­ge­ren Wachs­tums­pfad füh­ren. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren war die Ur­ba- ni­sie­rung der Wachs­tums­trei­ber in der Volks­re­pu­blik Chi­na schlecht­hin. Bis­lang stand meist güns­ti­ger Wohn­raum im Fo­kus. Der Pro­zess hat in den letz­ten Jah­ren al­ler­dings ei­ni­ge Än­de­run­gen er­fah­ren. Es wird nicht mehr vor­nehm­lich in die Me­tro­po­len an der Ost­küs­te in­ves­tiert, son­dern ge­ziel­ter die Ent­wick­lung der Städ­te im In­land be­trie­ben. Da­bei soll die Qua­li­tät der ur­ba­nen Agglo­me­ra­tio­nen ver­bes­sert wer­den, was ne­ben der Schaf­fung hoch­wer­ti­gen Wohn­raums auch den Aus­bau der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur be­inhal­tet. Vor drei Jah­ren sprach man von ei­nem fast un­vor­stell­bar gro­ßen In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men in Hö­he von um­ge­rech­net rund fünf Bil­lio­nen Eu­ro in­ner­halb ei­nes Jahr­zehn­tes. Für die Städ­te­pla­ner dürf­te die da­bei zu er­war­ten­de Um­welt­be­las­tung zu den größ­ten Her­aus­for­de­run­gen bei der Pla­nung der In­fra­struk­tur ge­hö­ren. Auf die zum gro­ßen Teil von Mil­lio­nen Pend­lern in den Me­tro­po­len ver­ur­sach­te Luft­ver­schmut­zung re­agie­ren Lo­kal­re­gie­run­gen zu­neh­mend mit ei­ner Be­gren­zung der Neu­wa­gen­zu­las­sun­gen. Auch ein be­schleu­nig­ter Aus­bau in den U-Bahn-Net­zen so­wie die Er­rich­tung wei­te­rer Bahn­tras­sen für Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­ge kön­nen die­se Ent­wick­lung nicht ver­hin­dern, son­dern bes­ten­falls ver­lang­sa­men. Trotz all die­ser Auf­ga­ben ent­wi­ckelt sich die chi­ne­si­sche Bau­wirt­schaft längst nicht mehr so dy­na­misch wie noch vor we­ni­gen Jah­ren. Nach amt­li­chen An­ga­ben san­ken im Ge­samt­jahr 2015 die Zu­wäch­se der Pro­duk­ti­on (+ 2,3 Pro­zent) und der Ge­win­ne (+ 1,6 Pro­zent) erst­mals seit ih­rer sta­tis­ti­schen Er­fas­sung in den ein­stel­li­gen Be­reich. Das Na­tio­nal Bu­reau of Sta­tis­tics of Chi­na, NBS, ver­mel­de­te 2015 für die Bau- in­dus­trie ei­nen deut­li­chen Rück­gang an der ge­sam­ten Wert­schöp­fung auf nur noch 6,8 Pro­zent, was in­ner­halb von fünf Jah­ren fast ei­ner Hal­bie­rung ent­spricht: Im Jahr 2010 lag der An­teil noch bei 12,6 Pro­zent. So über­rascht es nicht, dass die Aus­sich­ten in Chi­nas Bau­wirt­schaft ge­dämpft sind. Vor al­lem im Woh­nungs­bau, auf den et­wa zwei Drit­tel des Hoch­baus ent­fal­len, sind die Ein­brü­che be­son­ders spür­bar. Die An­zahl der in 2015 be­gon­ne­nen Bau­vor­ha­ben sank deut­lich, die Zahl der Woh­nungs­ver­käu­fe und auch die Ver­kaufs­prei­se stie­gen al­ler­dings wei­ter an. Trotz stei­gen­der Löh­ne ist für vie­le Chi­ne­sen ei­ne neue Woh­nung in­zwi­schen un­er­schwing­lich ge­wor­den. Die Re­gie­rung will des­halb Alt­be­stän­de re­no­vie­ren. Im März 2016 ver­kün­de­te Pre­mier­mi­nis­ter Li Ke­qiang auf dem Na­tio­nal Peop­le s Con­gress, die Re­gie­rung pla­ne da­her die Re­no­vie­rung wei­te­rer sechs Mil­lio­nen Wohn­ein­hei­ten. Eben­so wur­de die Ein­füh­rung ei­ner Ei­gen­tumsteu­er wei­ter ver­scho­ben. Auch für die chi­ne­si­sche Re­gie­rung er­weist sich die Steue­rung des Woh­nungs­mark­tes als schwie­rig. Im Fe­bru­ar 2016 wur­de zur Stüt­zung des Im­mo­bi­li­en­mark­tes die Er­werbs­steu­er für Erst­käu­fer für Woh­nun­gen/Häu­ser mit ei­ner Flä­che von mehr als 90 Qua­drat­me­ter von zwei auf 1,5 Pro­zent re­du­ziert. Auch das vor­ge­schrie-be­ne An­zah­lungs­vo­lu­men wur­de Erst- und Zweit­woh­nungs­käu­fern im meh­re­ren Schrit­ten re­du­ziert, nach­dem die An­zah­lung erst im Ok­to­ber 2015 von 30 auf 25 Pro­zent ge­senkt wor­den war, so­wie für Zweit­woh­nungs­käu­fe von 40 auf 30 Pro­zent. Aus­ge­nom­men sind die so­ge­nann­ten „first tier Ci­ties“wie Bei­jing, Shang­hai, Shen­zhen und Guang­zhou. Da­her dürf­ten ins­be­son­de­re die Woh­nungs­märk­te in klei­ne­ren Städ­ten, die sich na­he den Me­tro­po­len be­fin­den pro­fi­tie­ren. Ins­ge­samt krän­kelt Chi­nas Woh­nungs­bau trotz sta­bil ho­her Prei­se. Nach An­ga­ben des NBS wur­den 2015 flä­chen­mä­ßig um 14 Pro­zent we­ni­ger Bau­pro­jek­te be­gon­nen als im Vor­jahr. Die Ver­kaufs­prei­se für fer­ti­ge Ob­jek­te blie­ben da­bei al­ler­dings er-

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