In gu­ter Ver­fas­sung

Das Ifo In­sti­tut pro­gnos­ti­ziert po­si­ti­ven Ver­lauf

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Im Rah­men der In­for­ma­ti­ons­ge­sprä­che im Vor­feld der BAU in Mün­chen hielt Erich Gluch vom Ifo In­sti­tut im Ok­to­ber ei­nen Vor­trag über die deut­sche und eu­ro­päi­sche Bau­wirt­schaft bis 2018. Der deut­schen Bau­wirt­schaft at­tes­tier­te er da­bei ei­ne „aus­ge­zeich­ne­te Ver­fas­sung“. Die­sen sehr gu­ten Zu­stand si­gna­li­sie­ren für so­wohl die Da­ten zum Ifo-Ge­schäfts­kli­ma für das Bau­haupt­ge­wer­be als auch die Kli­ma­wer­te bei der Ifo-Ar­chi­tek­ten­um­fra­ge. Die Kli­ma­da­ten sei­en mitt­ler­wei­le so­gar noch bes­ser als beim „Wie­der­ver­ei­ni­gungs­boom“An­fang der 90er Jah­re, be­rich­te­te der Markt­for­scher. „Die Bau­nach­fra­ge in Deutsch­land wur­de – und wird – in al­len Bau­s­par­ten ganz we­sent­lich von der gro­ßen Zahl an Flücht­lin­gen ge­prägt, die seit 2014 ver­mehrt nach Deutsch­land strö­men. Die­ser Im­puls wird auch in den kom­men­den Jah­ren an­hal­ten, ob­wohl der Flücht­lings­strom be­reits er­heb­lich ab­ge­ebbt ist“, führ­te Gluch wei­ter aus. Die ge­sam­ten Bau­in­ves­ti­tio­nen wer­den in Deutsch­land in die­sem Jahr um gut drei Pro­zent zu­le­gen. Mit knapp zwei Pro­zent in 2017 so­wie 0,2 Pro­zent in 2018 wird sich der An­stieg dann deut­lich ab­fla­chen. Der größ­te Wachs­tums­bei­trag ent­fällt da­bei in die- sem so­wie im nächs­ten Jahr auf den Woh­nungs­bau, deut­li­che Im­pul­se sind 2018 vom öf­fent­li­chen Bau zu er­war­ten. Die Nach­fra­ge im Woh­nungs­bau wird be­reits seit 2010 von um­fang­rei­chen Zu­zü­gen un­ter­stützt. Seit­dem ist der Au­ßen­wan­de­rungs­sal­do wie­der po­si­tiv, das heißt, es zie­hen mehr Men­schen aus dem Aus­land nach Deutsch­land als um­ge­kehrt. In der Spit­ze stieg die­ser Sal­do auf zu­letzt gut 1,1 Mil­lio­nen Per­so­nen im Jahr 2015. In die­sem Jahr dürf­te der Wan­de­rungs­über­schuss al­ler­dings be­reits auf rund 1,5 Mil­li­on Per­so­nen zu­rück­ge­hen. Die­se Ent­wick­lung hat­te zur Fol­ge, dass – trotz ei­ner wei­ter­hin rück­läu­fi­gen in­län­di­schen Be­völ­ke­rung – seit 2011 die Be­völ­ke­rungs­zahl ins­ge­samt wie­der zu­nimmt. Auf­grund der an­hal­tend star­ken Zu­zü­ge wird sich die Be­völ­ke­rungs­zu­nah­me wei­ter fort­set­zen. Nach der ak­tu­el­len Ge­mein­schafts­dia­gno­se der Wirt­schafts- for­schungs­in­sti­tu­te wird das rea­le Brut­to­in­lands­pro­dukt in Deutsch­land 2016 um rund zwei Pro­zent und 2017 um knapp 11,5 Pro­zent zu­le­gen. Die Be­schäf­ti­gungs­si­tua­ti­on so­wie die Ein­kom­mens­per­spek­ti­ven dürf­ten al­so für die pri­va­ten Haus­hal­te in den nächs­ten Jah­ren güns­tig blei­ben. So wer­den die Ar­beit­neh­me­rent­gel­te in die­sem Jahr mit ei­nem An­stieg um drei Pro­zent deut­lich zu­neh­men, in den bei­den Fol­ge­jah­ren dürf­ten nur mehr 21,5 Pro­zent er­reicht wer­den. Po­ten­ti­el­le Woh­nungs­er­wer­ber pro­fi­tie­ren wei­ter­hin vom aus­ge­spro­chen nied­ri­gen Zins­ni­veau, das so­gar noch ei­ni­ge Jah­re an­hal­ten dürf­te. Hy­po­the­ken­dar­le­hen mit ei­ner Zins­fest­schrei­bung von fünf bis zehn Jah­ren sind heu­te schon für rund 11,5 Pro­zent zu be­kom­men. Pro­ble­me be­rei­ten je­doch viel­fach die Vor­ga­ben, die sich aus der de­sas­trö­sen Um­set­zung der eu­ro­päi­schen Wohn­im­mo­bi­li­en­kre­dit­richt­li­nie in Deutsch­land er­ge­ben. Denn der Wert der Im­mo­bi­lie spielt da­nach nur noch ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le – im Ge­gen­satz zur Ent­wick­lung des zu­künf­ti­gen Ein­kom­mens.

Kei­ne Angst vor ei­ner Im­mo­bi­li­en­bla­se

Die Prei­se für Wohn­im­mo­bi­li­en sind in den letz­ten Jah­ren an­ge­stie­gen; in ei­ni­gen Groß­städ­ten so­gar sehr deut­lich. Den­noch sei die Angst vor ei­ner Im­mo­bi­li­en­preis­bla­se in Deutsch­land un­be­grün­det. Die Prei­se wer­den näm­lich ganz we­sent­lich nicht von Spe­ku­la­ti­on, son­dern von „na­tür­li­chen“Fak­to­ren wie knap­pem Bau­land, Fach­kräf­te­man­gel oder stei­gen­den en­er­ge­ti­schen An­for­de­run­gen ge­trie­ben. Hin­zu kommt, dass die Nach­fra­ge zu­neh­mend auch von Tei­len der Be­völ­ke­rung ge­trie­ben wird, die sich um die Zu­kunft des Eu­ro sor-

FO­TO: MES­SE MÜN­CHEN

Erich Gluch vom Ifo-In­sti­tut be­rich­te­te im Vor­feld der BAU über die Ver­fas­sung der Bau­wirt­schaft.

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