In ei­ner Er­ho­lungs­pha­se

Ös­ter­reich im Vi­sier des Län­der­mo­ni­tors

schloss+beschlagmarkt - - Handel + Dienstleistung -

Nach den Prä­si­dent­schafts­wah­len ist die me­dia­le Auf­merk­sam­keit un­se­rem Nach­bar­land ge­gen­über zu­rück­ge­gan­gen. Ne­ben sprach­li­cher und kul­tu­rel­ler Ver­bun­den­heit ist Ös­ter­reich seit je­her wich­ti­ger Han­dels­part­ner Deutsch­lands und als Brü­cke zwi­schen West- und (Süd-)Ost­eu­ro­pa von gro­ßer Be­deu­tung. Hol­ger Koch blickt in die Al­pen­re­pu­blik.

Nach vier Jah­ren mit ei­nem Wirt­schafts­wachs­tum von un­ter ei­nem Pro­zent konn­te 2016 das Brut­to­in­lands­pro­dukt um re­al 1,5 Pro­zent auf 349,5 Mil­li­ar­den Eu­ro wie­der deut­li­cher ge­stei­gert wer­den. Be­son­de­re Im­pul­se ka­men da­bei durch Aus­rüs­tungs­in­ves­ti­tio­nen und dem In­lands­kon­sum. Die Kauf­kraft der pri­va­ten Haus­hal­te ist durch die An­fang Ja­nu­ar 2016 in Kraft ge­tre­te­ne Ein­kom­men­steu­er­re­form deut­lich ge­stärkt wor­den. Für das lau­fen­de und das nächs­te Jahr wird der ös­ter­rei­chi­schen Wirt­schaft ei­ne ähn­li­che Dy­na­mik zu­ge­traut. Die Pro­gno­sen ge­hen für die­sen Zei­t­raum da­her von ei­nem Wirt­schafts­wachs­tum in ver­gleich­ba­rer Hö­he aus. Am Ar­beits­markt sind eben­falls ers­te Aus­wir­kun­gen der kon­junk­tu­rel­len Er­ho­lung zu ver­zeich­nen. Wenn­gleich die Ar­beits­lo­sen­quo­te auf dem Vor­jah­res­ni­veau ver­harr­te, sind Zu­nah­men bei den Be­schäf­ti­gungs­zah­len und Voll­zeit­stel­len zu re­gis­trie­ren. Der Au­ßen­han­del konn­te im ver­gan­ge­nen Jahr nicht zum Wirt­schafts­wachs­tum bei­tra­gen, die Im­por­te stie­gen mit 1,5 Pro­zent wäh­rend die Ex­por­te mit - 0,2 Pro­zent die Vor­jah­res­er­geb­nis­se nach vor­läu­fi­gen Zah­len von Sta­tis­tik Aus­tria knapp ver­fehl­ten. Ins­ge­samt lässt sich für Ös­ter­reich ei­ne ver­hält­nis­mä­ßig ho­he Ab­hän­gig­keit von der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in den Nach­bar­staa­ten Deutsch­land, Schweiz und Ita­li­en fest­stel­len, aber auch Tsche­chi­en, Un­garn und Russ­land sind tra­di­tio­nell wich­ti­ge Han­dels­part­ner. Die ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schaft konn­te bis­lang an die­ser Schnitt­stel­le zwi­schen West- und (Süd-)Ost­eu­ro­pa trotz vor­han­de­ner Ri­si­ken eher pro­fi­tie­ren. Nach Jah­ren der Seit­wärts­be­we­gung se­hen die Ex­per­ten des Eu­ro­con­struct-Netz­wer­kes für 2016 und die fol­gen­den Jah­re in ih­rer letz­ten Stu­die vom No­vem­ber wie­der leich­te Zu­wäch­se bei den In­ves­ti­tio­nen im Woh­nungs­bau. Für das lau­fen­de und das nächs­te Jahr pro­gnos­ti­zie­ren sie Zu­wäch­se in Hö­he von je­weils 1,6 Pro­zent auf 16,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Der Neu­bau wird mit sei­nem An­teil von knapp 70 Pro­zent in die­sem Jahr ge­ring­fü­gig bes­ser ab­schnei­den, dem Re­no­vie­rungs­be­reich wird hin­ge­gen in 2018 mehr Po­ten­zi­al zu­ge­traut. Auf­fäl­lig ist da­bei, dass die pro­gnos­ti­zier­ten Woh­nungs­fer­tig­stel­lun­gen ähn­lich wie in Deutsch­land aus­ein­an­der­drif­ten. Die An­zahl der jähr­lich fer­tig­ge­stell­ten Woh­nun­gen im Mehr­fa­mi­li­en­haus­bau soll bis 2019 auf 36 800 Ein­hei­ten stei­gen, dies wür­de ei­nen Zu­wachs von 21,9 Pro­zent ge­gen­über dem Wert von 2016 be­deu­ten. Bei den Ei­gen­hei­men wird ein er­heb­lich ge­rin­ge­res Wachs­tums­po­ten­zi­al ge­se­hen: Bis 2019 wird ein An­stieg auf 16 900 fer­tig­ge­stell­te Ein­hei­ten pro­gnos­ti­ziert, was rund 5,9 Pro­zent Zu­wachs ge­gen­über 2016 ent­spre­chen wür­de. Auf­grund die­ser un­ter­schied­li­chen Ent­wick­lun­gen wird auch die Ei­gen­heim­quo­te in Ös­ter­reich in den nächs­ten Jah­ren leicht sin­ken. Mit ei­ner pro­gnos­ti­zier­ten Quo­te von 55,8 Pro­zent für 2019 wird sie im Ver­gleich zu den Nach­bar­län­dern Deutsch­land (45,3 Pro­zent) und der Schweiz (36,9 Pro­zent) wei­ter­hin ver­hält­nis­mä­ßig hoch sein. Bei den ita­lie­ni­schen (76,6 Pro­zent) und un­ga­ri­schen (91,0 Pro­zent) Nach­barn sind die­se An­tei­le je­doch er­heb­lich hö­her – dort kommt Im­mo­bi­li­en ei­ne we­sent­lich stär­ke­re Be­deu­tung im Rah­men der Al­ters­vor­sor­ge zu. Ne­ben den un­ter­schied­li­chen Wachs­tums­ra­ten im Ei­gen­heim- und Ge­schoss­wohn­bau wei­sen die Eu­ro­con­struct-Ex­per­ten auf deut­li­che re­gio­na­le Un­ter­schie­de hin. Über­durch­schnitt­li­che Zu­wäch­se wer­den ne­ben der Haupt­stadt Wi­en auch in Ober­ös­ter­reich, der Steiermark und Vor­arl­berg er­war­tet wäh­rend im Bur­gen­land, in Kärn­ten, Ti­rol, Salz­burg und Nie­der­ös­ter­reich eher mit rück­läu­fi­gen Bau­ak­ti­vi­tä­ten ge­rech­net wird.

Nach­hol­be­darf im Ge­wer­be­bau

Der Markt für Nicht­w­ohn­ge­bäu­de hat in der Al­pen­re­pu­blik in den ver­gan­ge­nen Jah­ren In­ves­ti­ti­ons­rück­gän­ge hin­neh­men müs­sen. Erst in 2016 konn­te von Eu­ro­con­struct wie­der ein Plus in Hö­he von zwei Pro­zent auf cir­ca 11,8 Mil­li­ar­den Eu­ro für die­ses Bau­seg­ment er­mit­telt wer­den. Im lau­fen­den und den fol­gen­den bei­den Jah­ren wer­den die In­ves­ti­ti­ons­stei­ge­run­gen et­was ge­rin­ger aus­fal­len, ins­ge­samt wird dem Nicht­wohn­bau für den Pro­gno­se­zeit­raum bis 2019 aber ein ge­ring­fü­gig bes­se­res Wachs­tums­po­ten­zi­al ein­ge­räumt als dem Wohn­bau. Bü­ro- und Han­dels­ge­bäu­de tra­gen in den nächs­ten Jah­ren zwar über­pro­por­tio­nal zu die­ser Ent­wick­lung bei, ge­tra­gen wird sie je­doch vor­nehm­lich vom Bau von In­dus­trie­ge­bäu­den, de­ren Ent­wick­lung zu­letzt doch recht ver­hal­ten ver­lief: Bis­lang neig­ten die Un­ter­neh­men eher zu wei­te­ren In­ves­ti­tio­nen in Ma­schi­nen und An­la­gen als in Im­mo­bi­li­en. Von öf­fent­li­chen Bau­her­ren er­war­ten die Ana­lys­ten auf mit­tel­fris­ti­ge Sicht hin­ge­gen nur ge­rin­ge Im­pul­se für den Hoch­bau, knap­pe Res­sour­cen wer­den von die­sen vor­ran­gig in In­fra­struk­tur­pro­jek­te in­ves­tiert. Ös­ter­reich konn­te 2016 nach vor­läu­fi­gen An­ga­ben von Sta­tis­tik Aus­tria sei­ne Ex­por­te im Wert von 131,2 Mil­li­ar­den Eu­ro nicht stei­gern (– 0,2 Pro­zent). Die Im­por­te stie-

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