See­ho­fer ver­tei­digt Bamf

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter kon­tert Vor­wür­fe der Op­po­si­ti­on

Schwaebische Zeitung (Bad Saulgau) - - VORDERSEITE - Von Co­rin­na Kon­zett

BER­LIN (dpa) - Die Af­fä­re um Ver­fah­rens­män­gel und Fehl­ent­schei­dun­gen beim Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) ent­wi­ckelt sich für Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) zu ei­nem Pro­blem. Die FDP for­der­te am Don­ners­tag ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss zu den Vor­gän­gen in der Bre­mer Bamf-Au­ßen­stel­le. De­ren frü­he­re Lei­te­rin soll da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben, dass min­des­tens 1200 Asyl­be­wer­ber wo­mög­lich zu Un­recht Schutz er­hiel­ten.

See­ho­fer nahm das Bamf ge­gen den Vor­wurf der Un­fä­hig­keit und Ver­tu­schung in Schutz. „Dort wird heu­te ei­ne gu­te Ar­beit ge­leis­tet für un­ser Land in ei­nem ganz wich­ti­gen Be­reich“, sag­te er. Gleich­zei­tig trat See­ho­fer dem Vor­wurf ent­ge­gen, die Auf­klä­rung in der An­ge­le­gen­heit nicht ent­schie­den ge­nug vor­an­ge­trie­ben zu ha­ben.

BER­LIN - Der Druck auf In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) wächst. Nach dem Skan­dal in der Bre­mer Au­ßen­stel­le des Flücht­lings­bun­des­amts (Bamf), das über 1200 Asyl­ver­fah­ren oh­ne Rechts­grund­la­ge be­wil­lig­te, wird die Kri­tik an See­ho­fers Flücht­lings­po­li­tik und an den Zu­stän­den in den Be­hör­den lau­ter. FDP und Grü­ne droh­ten dem In­nen­mi­nis­ter ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss an. See­ho­fer zeigt sich dem­ge­gen­über jetzt of­fen.

„Für mich ist die Ein­set­zung ei­nes Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses kei­ne Be­dro­hung“, er­klär­te See­ho­fer wäh­rend der De­bat­te zum Etat des In­nen­mi­nis­te­ri­ums am Don­ners­tag im Bun­des­tag. Es sei be­reits vor sei­ner Amts­zeit zu den „Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten“in der Bre­mer Bamf-Au­ßen­stel­le ge­kom­men, ver­tei­dig­te sich See­ho­fer. Auch die Kanz­le­rin hat­te den In­nen­mi­nis­ter ei­nen Tag zu­vor in Schutz ge­nom­men und an­ge­merkt, dass er noch kei­ne 100 Ta­ge im Amt sei.

Die Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft sei­en eben­falls vor sei­ner Amts­zeit auf­ge­nom­men wor­den, so See­ho­fer. Kurz nach An­tritt sei­nes Mi­nis­ter­am­tes ha­be er die Vor­fäl­le dann zum An­lass ge­nom­men, ei­ne Sys­tem­prü­fung durch den Bun­des­rech­nungs­hof zu ver­an­las­sen. Er­geb­nis­se lä­gen noch nicht vor.

Ei­ne frü­he­re Lei­te­rin des Bre­mer Bamf steht im Ver­dacht, über 1200 Asyl­an­trä­ge oh­ne recht­li­che Grund­la­ge be­wil­ligt zu ha­ben. „Ich blei­be da­bei, dass im Bamf gu­te Ar­beit ge­leis­tet wird. Das Fehl­ver­hal­ten an ei­ner Stel­le, darf nicht al­len Be­schäf­tig­ten dort zur Last ge­legt wer­den“, sag­te See­ho­fer.

An­ker-Zen­tren ab Herbst

Über­rascht zeig­te sich See­ho­fer über die Kri­tik der SPD an den ge­plan­ten An­ker-Zen­tren. „Die Leu­te wa­ren bei den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen da­bei und ha­ben im De­tail mit­ver­han­delt und jetzt üben sie Kri­tik“, so der In­nen­mi­nis­ter. Er hält wei­ter an sei­nem Plan fest, im Herbst mit den ers­ten Pi­lo­tein­rich­tun­gen zu star­ten. Die An­ker-Zen­tren sei­en gut durch­dacht und sol­len Asyl­ver­fah­ren in Deutsch­land ver­ein­fa­chen, so See­ho­fer: „Künf­tig wird der Be­ginn des Asyl­ver­fah­rens mit dem Be­ginn des Ab­schie­be­ver­fah­rens zu­sam­men­fal­len.“

Die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en kri­ti­sier­ten See­ho­fer scharf. Ste­fan Rup­pert (FDP) mo­nier­te, in See­ho­fers Re­de hät­ten Aus­füh­run­gen zu den wich­ti­gen The­men Hei­mat und Bau ge­fehlt und Vic­tor Per­li (Lin­ke) stell­te die Fra­ge, wo­mit die­ses Land so ei­nen In­nen­mi­nis­ter ver­dient ha­be. „Mit je­der ih­rer Aus­sa­gen spal­ten Sie das Land und ver­stär­ken das Un­si­cher­heits­ge­fühl“, so Per­li.

Und auch Burk­hard Lisch­ka von der Ko­ali­ti­ons­par­tei SPD griff See­ho­fer fron­tal an: „Sie sind mit ei­nem Bud­get von 14 Mil­li­ar­den Eu­ro der reichs­te In­nen­mi­nis­ter al­ler Zei­ten. Aber sie ver­hal­ten sich wie ein über­rasch­ter Lot­to­ge­win­ner, der nicht weiß, was er mit dem vie­len Geld an­fan­gen soll.“Er for­der­te See­ho­fer auf, sei­nen Wor­ten Ta­ten fol­gen zu las­sen und be­züg­lich des Bamf und der An­ker-Zen­tren Klar­heit zu schaf­fen.

Gott­fried Cu­rio (AfD) setz­te den har­ten Ton, den die AfD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Ali­ce Wei­del am Vor­tag an­ge­schla­gen hat­te, fort. Er warf der GroKo „ter­ro­ris­ti­sche Nach­wuchs­för­de­rung“vor. „Wer die Gren­zen nicht schließt, ist für je­de Mes­ser­at­ta­cke mit­ver­ant­wort­lich“, sag­te er.

Nach Cu­rio trat Mar­tin Gers­ter, SPD-Ab­ge­ord­ne­ter aus Bi­be­rach, ans Red­ner­pult. „Ich könn­te jetzt auf die­se un­glaub­li­che Het­ze ein­ge­hen. Das tue ich aber nicht. Ich will mei­ne Re­de­zeit da­für nicht op­fern“, sag­te Gers­ter. Statt­des­sen sprach er sich für den Haus­halts­ent­wurf aus. „Wäh­rend an­de­re ver­bal auf­rüs­ten und auf Spal­tung, Hass und Het­ze set­zen, in­ves­tie­ren wir in Per­so­nal, in Prä­ven­ti­on und In­te­gra­ti­on“, so Gers­ter.

FO­TO: DPA

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) sah sich im Bun­des­tag An­grif­fen der Op­po­si­ti­on aus­ge­setzt.

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