Land­ge­richt: drei spek­ta­ku­lä­re Pro­zes­se

Mes­ser­an­griff am Ma­ri­en­platz, ver­such­ter Mord und ein Raub­über­fall

Schwaebische Zeitung (Bad Saulgau) - - OBERSCHWABEN - Von Frank Hau­tumm

RA­VENS­BURG - Gleich drei auf­se­hen­er­re­gen­de Pro­zes­se wer­den in den kom­men­den Wo­chen am Ra­vens­bur­ger Land­ge­richt ver­han­delt: Das Ver­fah­ren ge­gen den mut­maß­lich an ei­ner schi­zo­phre­nen Psy­cho­se lei­den­den Af­gha­nen, der mit ei­nem Mes­ser auf dem Ma­ri­en­platz drei Män­ner schwer ver­letzt hat­te, wird am 21. März er­öff­net. Be­reits am 19. Fe­bru­ar steht ein Sy­rer vor Ge­richt, der ver­sucht ha­ben soll, sei­ne Frau in der Flücht­lings­un­ter­kunft in Berg zu tö­ten. Und ab 26. Fe­bru­ar muss sich ein Mann ver­ant­wor­ten, der zu der Räu­ber­ban­de ge­hö­ren soll, die im April 2015 ei­nen Ra­vens­bur­ger Ju­we­lier bru­tal und am hel­lich­ten Tag über­fal­len hat­te.

Der Mes­ser­an­griff

Die Staats­an­walt­schaft Ra­vens­burg wirft dem 21 Jah­re al­ten Mann, der am 28. Sep­tem­ber auf dem Ma­ri­en­platz wahl­los mit ei­nem Mes­ser zu­ge­sto­chen hat­te, zwei­fa­chen ver­such­ten Mord so­wie in ei­nem Fall ver­such­ten Tot­schlag vor. In der An­trags­schrift an die Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­richts hat die Staats­an­walt­schaft aus­ge­führt, dass sie da­von aus­geht, dass der Be­schul­dig­te psy­chisch krank ist und bei der Tat schuld­un­fä­hig ge­we­sen sein könn­te. Sie hält den Af­gha­nen für ei­ne Ge­fahr für die All­ge­mein­heit und hat des­halb sei­ne dau­er­haf­te Un­ter­brin­gung in ei­nem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus be­an­tragt. Wie be­rich­tet, hat­te der Asyl­be­wer­ber am nörd­li­chen Ma­ri­en­platz zu­nächst un­ver­mit­telt auf zwei jun­ge Sy­rer ein­ge­sto­chen und ei­nen von bei­den da­bei le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt. Da­nach hat­te sich vor der Gast­stät­te „En­gel“dem Mann ein 52 Jah­re al­ter Tou­rist aus Hes­sen in den Weg ge­stellt. Auch er wur­de da­bei schwer ver­letzt. Die Fest­nah­me des 21-Jäh­ri­gen ge­lang schließ­lich auch mit Hil­fe des Ra­vens­bur­ger Ober­bür­ger­meis­ters Da­ni­el Rapp, der ihn über­re­den konn­te, das Mes­ser weg­zu­le­gen.

Die Staats­an­walt­schaft wirft dem Be­schul­dig­ten in zwei Fäl­len ver­such­ten Mord in Tatein­heit mit ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung so­wie in ei­nem Fall ver­such­ten Tot­schlags in Tatein­heit mit ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung vor. Weil der Mes­ser­an­griff für die bei­den jun­gen Sy­rer völ­lig über­ra­schend oh­ne jeg­li­che Vor­war­nung kam, geht die Staats­an­walt­schaft hier von dem Mord­merk­mal der Heim­tü­cke aus.

Der Pro­zess be­ginnt vor­aus­sicht­lich am 21. März mit Fort­set­zungs­ter­mi­nen am 22. und 28. März so­wie am 3. April.

Der „Eh­ren­mord­ver­such“

Auf ver­such­ten Mord lau­tet auch die An­kla­ge ge­gen ei­nen 46 Jah­re al­ten Asyl­be­wer­ber aus Sy­ri­en. Der Mann soll ver­sucht ha­ben, am Abend des 19. Sep­tem­ber 2018 in der Flücht­lings­un­ter­kunft in Berg sei­ne nach is­la­mi­schem Recht von ihm ge­schie­de­ne Frau zu tö­ten - heim­tü­ckisch und aus nie­de­ren Be­weg­grün­den. Mo­tiv war nach Auf­fas­sung des Staats­an­wal­tes die „ver­letz­te Eh­re“des An­ge­klag­ten, da sei­ne Ehe­frau nach über 20 Ehe­jah­ren er­neut ge­hei­ra­tet hat­te. Die Frau hat­te den mas­si­ven An­griff mit ei­nem Ham­mer und ei­nem Mes­ser nur dank ei­ner No­tope­ra­ti­on über­lebt.

Die Fa­mi­lie leb­te zum Zeit­punkt der Tat seit zwei Jah­ren in Berg. Der Ehe­mann hat­te of­fen­bar zu­vor schon mehr­fach ge­droht, sei­ne Frau um­zu­brin­gen, weil sie ei­nen neu­en Freund hat­te. An die­sem Abend war er über den Bal­kon in die Woh­nung ge­klet­tert und hat­te so­fort zu­ge­schla­gen und zu­ge­sto­chen.

Ver­han­delt wird am 19. Fe­bru­ar 2019 mit Fort­set­zun­gen am 26. und 28. Fe­bru­ar so­wie am 6. und 8. März .

Der Ju­we­lier­raub

Am 26. Fe­bru­ar mit Fort­set­zun­gen am 12., 14., 19., 20., 29. März und 4. April fin­det am Land­ge­richt ein Straf­ver­fah­ren we­gen be­son­ders schwe­ren Rau­bes ge­gen ei­nen 38jäh­ri­gen Mann statt. Der An­ge­klag­te soll ge­mein­sam mit Kom­pli­zen am 15. April 2015 ein Ju­we­lier­ge­schäft in der Ra­vens­bur­ger Un­ter­stadt über­fal­len und Uh­ren im Wert von über 110 000 Eu­ro er­beu­tet ha­ben. Bei der Tat soll er ei­ne Soft-Air-Pis­to­le und Pfef­fer­spray ein­ge­setzt ha­ben.

Zwei wei­te­re Tä­ter sind in die­sem Zu­sam­men­hang be­reits durch das Land­ge­richt Ra­vens­burg we­gen Bei­hil­fe zum schwe­ren Raub ver­ur­teilt wor­den: Ein in­zwi­schen 24 Jah­re al­ter Mann zu ei­ner Ju­gend­stra­fe von zwei Jah­ren und drei Mo­na­ten und ein in­zwi­schen 38 Jah­re al­ter Mann zu ei­ner Haft­stra­fe von sie­ben Jah­ren und fünf Mo­na­ten. Laut Ober­staats­an­walt Karl-Jo­sef Diehl han­delt es sich bei dem 38 Jah­re al­ten An­ge­klag­ten, der jetzt vor Ge­richt steht, um ei­nen der vier Haupt­tä­ter. Er sei als Ers­ter in das Ge­schäft mit ei­ner Sof­tAir-Pis­to­le ein­ge­drun­gen, ha­be die An­ge­stell­ten mit vor­ge­hal­te­ner Waf­fe be­droht und mit Pfef­fer­spray ver­letzt. Die bei­den An­ge­stell­ten hat­ten mit post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­stö­run­gen zu kämp­fen und wa­ren ei­ne Zeit lang nicht ar­beits­fä­hig.

Waf­fen im Spiel

Der Mann konn­te im Som­mer mit ei­nem Eu­ro­päi­schen Haft­be­fehl in Li­tau­en fest­ge­nom­men wer­den und wur­de nach ei­nem län­ge­rem Ver­fah­ren En­de Ok­to­ber nach Deutsch­land aus­ge­lie­fert, sag­te Diehl der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Seit­dem sitzt er in Un­ter­su­chungs­haft. Der An­ge­klag­te ist in Li­tau­en be­reits mehr­fach zu Haft­stra­fen ver­ur­teilt wor­den. Auch da­bei wa­ren Waf­fen im Spiel. Der Mann strei­tet bis­her al­les ab. Die Staats­an­walt­schaft stützt sich auf ei­ne Zeu­gen­aus­sa­ge und DNA-Spu­ren an der si­cher­ge­stell­ten Pis­to­le.

FO­TO: FE­LIX KÄSTLE/DPA

An der Bus­hal­te­stel­le am Ma­ri­en­platz wa­ren zwei Män­ner durch ei­nen Mes­ser­an­griff schwer ver­letzt wor­den.

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