Kri­tik an Ge­setz zu Mus­ter­pro­zes­sen

Schwaebische Zeitung (Bad Waldsee / Aulendorf) - - ERSTE SEITE -

BER­LIN (dpa/sz) - Ver­brau­cher sol­len künf­tig durch Mus­ter­pro­zes­se ge­gen Un­ter­neh­men zu ih­rem Recht kom­men. Der Bun­des­tag be­schloss am Don­ners­tag die Ein­füh­rung der Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge, bei der Ver­brau­cher ei­nen An­spruch auf Scha­den­er­satz durch­set­zen kön­nen, oh­ne selbst ei­nen Pro­zess an­zu­stren­gen. Op­po­si­ti­on und Ex­per­ten üb­ten je­doch Kri­tik am neu­en Ge­setz, das zum 1. No­vem­ber in Kraft tre­ten soll. Es ha­be hand­werk­li­che Män­gel und sei zu kom­pli­ziert.

„Au­ßer­halb des VW-Fal­les, wenn es um klei­ne­re Schä­den im Be­reich bis zu 500 oder 1000 Eu­ro geht, bringt das Ge­setz kei­ner­lei Fort­schritt im Ver­brau­cher­schutz“, sagt die Kon­stan­zer Ju­ra­pro­fes­so­rin As­trid Stad­ler der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. „Die Mus­ter­kla­ge ist ein Pla­ce­bo-Ge­setz“, so die Ex­per­tin für in­ter­na­tio­na­les Zi­vil­ver­fah­rens­recht und Rechts­ver­glei­chung. Die ein­zig sinn­vol­le Lö­sung wä­re laut Stad­ler ge­we­sen, Ver­bän­de von vorn­her­ein auf Scha­dens­er­satz für die Ver­brau­cher kla­gen zu las­sen, wie dies in Frank­reich und an­de­ren Mit­glied­staa­ten der EU mög­lich ist und wie dies auch ein Vor­schlag der EU-Kom­mis­si­on vom April die­ses Jah­res vor­sieht. Man kön­ne nur hof­fen, dass die­ser Vor­schlag auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne an­ge­nom­men wer­de, sag­te Stad­ler. Dann müs­se die deut­sche Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge bald durch ein wirk­lich ef­fek­ti­ves In­stru­ment er­setzt wer­den. (sz)

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