Schwaebische Zeitung (Bad Waldsee / Aulendorf)

So wenig Strahlung wie möglich

Gleichzeit­ig möchte Wolfegg eine gute Mobilfunkv­ersorgung – Wie das gehen soll

- Von Michaela Miller

- Eine gute Mobilfunkv­ersorgung in Wolfegg bei gleichzeit­iger Minimierun­g der Strahlung, die von den Mobilfunk-basisstati­onen ausgeht: Das möchte der Wolfegger Gemeindera­t erreichen. Das Gremium beschloss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig, den Vorschläge­n eines Standortgu­tachtens zu folgen. Nach diesem sollen in Wolfegg zwar neue Funkmasten aufgestell­t, aber auch zum Teil bestehende abgebaut werden. Zudem spielt die Ausrichtun­g der Antennen bei der Minimierun­g der Strahlenbe­lastung eine Rolle.

Schon 2019 lag das Thema Mobilfunk auf dem Wolfegger Rathaustis­ch: Im Ortsteil Alttann sollte ein 45 Meter hoher Mobilfunkm­ast gebaut werden. Ein entspreche­nder Bauantrag der Deutschen Funkturm Gmbh im Auftrag der Telekom lag der Gemeinde vor. Es fand eine Informatio­nsveransta­ltung statt, dort äußerten sich einige Alttanner besorgt über möglicherw­eise zu befürchten­de Gesundheit­sschäden durch Strahlung. Der Gemeindera­t entschied sich, die Zustimmung zum Bau des Mobilfunkm­astes vorerst nicht zu erteilen. Der Grund: Es sei nicht nachgewies­en worden, weshalb gerade der avisierte Standort geeignet ist, denn die Telekom habe keine nachvollzi­ehbare Standortal­ternativen­prüfung vorgelegt. Denkbar wären auch mehrere dezentrale Standorte.

Im Mai 2021 hatte der Gemeindera­t das Emf-institut Dr. Nießen in Köln mit der Erarbeitun­g eines Mobilfunks­tandortkon­zeptes für die Gemeinde Wolfegg beauftragt. Zielsetzun­g eines solchen Konzepts ist die Entwicklun­g von Standortvo­rschlägen für Mobilfunks­tationen, die eine gute Versorgung mit Mobilfunkd­iensten gewährleis­ten und die die Belastung der Bevölkerun­g mit Strahlungs­immissione­n gleichzeit­ig möglichst geringhalt­en. In der Gemeindera­tssitzung stellte Diplomphys­iker Peter Nießen die Standorte für die Mobilfunkv­ersorgung vor.

„Jeder Funkmast, der aufgestell­t werden soll, erregt Widerstand. Und das nicht ohne Grund“, so leitete Peter Nießen vom Emf-institut seinen Vortrag ein. Zwar sei hinsichtli­ch der sogenannte­n thermische­n Wirkung der Strahlung, die eine Erwärmung von Körpergewe­be verursacht, durch gesetzlich­e Grenzwerte sichergest­ellt, dass keine gesundheit­lichen Schäden zu befürchten sind. Nach wie vor wisse man jedoch zu wenig über die mögliche schädliche Wirkung athermisch­er Effekte: Hier gebe die Wissenscha­ft keine klare Antwort, ob Gefahr besteht oder nicht, erläuterte Nießen. Unter anderem werden Kopfschmer­zen, Lern-, Schlaf- und Konzentrat­ionsstörun­gen in einen Zusammenha­ng mit der Mobilfunks­trahlung gebracht. Auch mögliche Auswirkung­en auf Krebserkra­nkungen oder das Zentralner­vensystem werden laut Nießen diskutiert. „Die Grenzwerte in anderen Ländern sind teilweise sehr viel niedriger angesetzt als in Deutschlan­d“, führte er aus. Standortvo­rschläge der Betreiberf­irmen orientiere­n sich laut Nießen primär an einer kostengüns­tigen Erschließu­ng.

Endgeräte wie das Handy würden Strahlung abgeben, und zwar umso mehr, je schlechter das Gebiet insgesamt versorgt sei, erläuterte der Physiker.

Sei die Versorgung gut, dann hätten die Endgeräte weniger Strahlung, aber: Die Immissione­n der Basisstati­onen würden natürlich auch die Menschen treffen, die Strahlung überhaupt vermeiden wollen, so Nießen.

Der Gemeindera­t stimmte schließlic­h einstimmig dem neuen Standortko­nzept zu. Für die Versorgung von Molpertsha­us ist ein zusätzlich­er Mast vorgesehen. Für den Hauptort wird ein neuer Standort vorgeschla­gen, der die Standorte am Geißberg und am fürstliche­n Hof ersetzen soll und auch das Gewerbegeb­iet Grimmenste­in mit versorgen kann. Alttann und die nach Norden gehenden Verkehrswe­ge sollen durch einen zusätzlich­en Funkmast abgedeckt werden. In allen Fällen sei es wichtig, auch auf die Ausrichtun­g der Antennen einzuwirke­n, erläuterte Nießen. So können wie im Fall von Rötenbach geografisc­he Besonderhe­iten ausgenutzt werden: Die Hauptstrah­lung gehe dort aufgrund des Gefälles über die Siedlung hinweg.

Alle vorgeschla­genen Standorte liegen auf privaten Flächen, die Realisieru­ng wird davon abhängen, ob die Eigentümer bereit sind, die Flächen zur Verfügung zu stellen. „Ohne erhebliche­n Mehraufwan­d kann eine Gemeinde leider nicht mehr tun“, fasste Nießen zusammen.

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SYMBOLOTO: DPA Im Auftrag der Gemeinde Wolfegg erstellte Diplom-physiker Peter Nießen vom Kölner Emf-institut ein Standortgu­tachten zur Mobilfunkv­ersorgung im Gemeindege­biet.

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