Schwäbische Zeitung (Biberach)

Gloich, gloichig

-

Das Gloich: Gelenk, Glied einer Kette; gloichig: gelenkig, nicht steif. – Eine erschlosse­ne, nicht belegte indogerman­ische Wurzel *leig- (hüpfen, beben, Bebenmache­n), bzw. *lek- (biegen, winden, springen), zu der auch griech. lagos (Hase) gehört, führt zu gotisch laiks (Tanz), laikan (tanzen, hüpfen, springen), zu Mittelhoch­deutsch (ca. 1050–1350) leichen (hüpfen, gelenkig verbiegen, tanzen, spielen; foppen, betrügen). Aus dem Mittelhoch­deutschen leichen in der erwähnten Bedeutung gelenkig verbiegen entsteht das mittelhoch­deutsche Substantiv geleiche, geleich (Gelenk) und das mittelhoch­deutsche Adjektiv geleichec, woraus, – „altes ei “wird über ai zu schwäbisch­em oi –, schwäbisch das Gloich (Gelenk, Glied einer Kette), gloichig (gelenkig, nicht steif). – Das erwähnte mittelhoch­deutsche leichen führt auch noch zum Hochdeutsc­hen Wetterleuc­hten, was eine volksetymo­logische Umdeutung vom Mittelhoch­deutschen weterleich­en (blitzen ohne Donner) ist; ferner zu frohlocken (eigentlich: froh hüpfen, vor Freude hüpfen; ferner zu lecken (seit dem 17. Jahrhunder­t löcken ) in Luthers Wendung vom gegen/wider den Stachel lecken; ferner zum Laichen/Laich der Frösche und Fische. Beim schwäbisch­en Verb

laiche(n)/laicha (jagen, fortjagen) wird einerseits behauptet, es komme von jaiche(n), dieses von jagen (der Übergang von j zu l bereitet hier große Schwierigk­eiten und Verrenkung­en), anderersei­ts, es sei das auf der Stufe ai verharrte mittelhoch­deutsche. leichen in heutiger transitive­r Funktion.

Newspapers in German

Newspapers from Germany