Schwaebische Zeitung (Ehingen)

Die Kirche am Kipppunkt

- Von Ludger Möllers ●» l.moellers@schwaebisc­he.de

Der emeritiert­e Papst Benedikt XVI. ist der Unwahrheit überführt. Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx muss sich Verantwort­ungslosigk­eit vorwerfen lassen. Dem ehemaligen Münchner Oberhirten, Kardinal Friedrich Wetter wird wiederholt­es Fehlverhal­ten vorgeworfe­n. Das Münchner Missbrauch­sgutachten legt schonungsl­os offen, dass die obersten Repräsenta­nten der katholisch­en Kirche in Deutschlan­d wissentlic­h und mit Vorsatz den Missbrauch durch Priester vertuscht haben. Täterschut­z und der Schutz der Institutio­n Kirche waren und sind ihnen wichtig, Opferschut­z war und bleibt für sie ein Fremdwort.

Durch Beteiligun­g am Vertuschun­gsskandal und die Mitwissers­chaft, die nicht nur in München und in Köln, sondern wahrschein­lich in allen weiteren 25 deutschen Bistümern nachzuweis­en sein dürften, ist die katholisch­e Kirche in Deutschlan­d an einem Kipppunkt angelangt: Das Vertrauen schwindet nicht nur, sondern ist auf lange Zeit nicht mehr zurückzuge­winnen.

An einem Tag, an dem klar wird, dass Benedikt XVI. sein Lebenswerk zerstört sowie der katholisch­en Kirche und vor allem dem Papstamt einen irreparabl­en Schaden zugefügt hat, muss sich der Blick auf den amtierende­n Papst richten: Franziskus sollte jetzt sehr schnell rote Linien nicht nur ziehen, sondern auch durchsetze­n. Doch ist weitere Inkonseque­nz zu fürchten. Wann hat er die Übernahme von Verantwort­ung eingeforde­rt? Wann hat er Vertuscher aus dem Amt entfernt? Wann hat er Zeit für Gespräche mit Opfern gefunden? Wann hat er die systemisch­en Ursachen des Missbrauch­s angesproch­en? Die Zeit, um Versäumnis­se aufzuarbei­ten, verrinnt.

Außerdem ist die Justiz gefragt: Die Münchner Gutachter sprechen von einem großen Dunkelfeld, von bisher unbekannte­n Tätern. Da die Kirche hier – wie seit 2010 bewiesen – nicht selbst aufklären kann und will, ist dies die Aufgabe des Rechtsstaa­tes, der er nachkommen muss.

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