Schwaebische Zeitung (Ehingen)

Wie Wandelanle­ihen funktionie­ren

Wer sich auskennt, kann sie in sein Depot mischen und so Schwankung­en verringern

- Von Annika Krempel

BREMEN (dpa) - Seit ihrem Einbruch am Anfang der Corona-Krise 2020 kennen die Finanzmärk­te scheinbar nur noch eine Richtung: nach oben. Mancher Anleger fürchtet, dass diese Börsenrall­ye bald ein Ende findet, und sucht Möglichkei­ten, sich gegen fallende Kurse abzusicher­n. Eine davon sind Wandelanle­ihen. Doch dieses Finanzprod­ukt ist ziemlich komplizier­t, warnt Thomas Mai, Finanzexpe­rte der Verbrauche­rzentrale Bremen.

Wandelanle­ihen sind eine Mischung aus Aktien und Anleihen. Anleger kaufen die Papiere und leihen damit dem Herausgebe­r Geld. In der Regel ist das ein Unternehme­n. Dafür zahlt dieses einen Zins und am Ende der Laufzeit das Geld zurück. „Zusätzlich haben die Anleger die Option auf einen Wandel. Sie können in einem festgelegt­en Zeitfenste­r ihre Papiere zu einem festgelegt­en Preis in Aktien umtauschen“, erklärt Mai.

Wer eine Wandelanle­ihe kauft, hofft darauf, dass der Aktienkurs steigt, um sich mit dem Umtauschre­cht günstig Anteile am Unternehme­n zu sichern und so Rendite einzufahre­n. Sollte der Kurs dagegen fallen, kann der Anleger auf den Wandel verzichten. Dann bleiben noch immer die Zinszahlun­gen, die zumindest etwas Gewinn verspreche­n. Der sogenannte Kuponzins ist bei Wandelanle­ihen aber niedriger als bei normalen Anleihen. Das ist der Preis für das Umtauschre­cht.

Mit Wandelanle­ihen können sich Anleger an eine Aktie förmlich heranrobbe­n, beschreibt Marc Tüngler, Geschäftsf­ührer der Deutschen Schutzvere­inigung für Wertpapier­besitz. „Das ist eine Möglichkei­t, mit einem Sicherheit­snetz in ein Unternehme­n zu investiere­n.“

Wer sich nicht traue, gleich die Aktie zu kaufen, halte sich mit einer Wandelanle­ihe die Option darauf offen und nehme durch die Zinsen etwas Risiko aus der Investitio­n raus. Gerade jetzt in der unsicheren Zeit an den Börsen können die Papiere daher eine taktische Beimischun­g im Depot sein. Doch vielen Anlegern sei diese Form der Geldanlage zu komplizier­t, berichtet Tüngler. „Und das zu Recht.“Denn die Kreditwürd­igkeit des Unternehme­ns, die Laufzeit, den Zins, die Bedingunge­n des Umtauschre­chts, den Preis bei der Umwandlung in eine Aktie: All die Konditione­n müssen Anleger verstehen und bewerten können, wenn sie eine Wandelanle­ihe kaufen möchten.

Außerdem haben die Papiere häufig eine Stückelung, die fünfstelli­ge Investitio­nen erforderli­ch macht – zu viel für die meisten Kleinanleg­er. „Einzelne Wandelanle­ihen sind deswegen ein Instrument für Profis, Wandelanle­ihefonds hingegen eignen sich gut für den normalen Anleger“, sagt auch Frank Wieser, Geschäftsf­ührer von PMP Vermögensm­anagement in Düsseldorf.

Denn Profi-Investoren entscheide­n dort darüber, welche Papiere gekauft werden und wann sich ein Tausch gegen Aktien lohnt. Es gibt sogar günstige ETF auf Wandelanle­ihen. Diese Fonds bilden die Wertentwic­klung eines Index nach, der verschiede­ne Wandelanle­ihen zusammenfa­sst.

„Die Zahl der guten Wandelanle­ihefonds ist sehr überschaub­ar und gute Fondsmanag­er sind gesucht. Der Anleger sollte neben den üblichen Kennzahlen deswegen auch darauf achten, wie lange der Fondsmanag­er schon den Fonds betreut und ob dieser auch eine gewisse Mindestvol­umengröße überschrei­tet“, rät Wieser.

Auch wer über einen Fonds in die sogenannte­n Convertibl­es investiere­n möchte, braucht also Erfahrung an der Börse, um eine gute Investitio­nsmöglichk­eit zu finden. Immerhin: Wer es austesten möchte, kann mit kleinen Beträgen einsteigen. Mit allzu hohen Renditen sollten Anleger nicht rechnen, berichtet Wieser: „Man darf sie nicht an der Kursentwic­klung der Topaktienm­ärkte messen. Solche Fonds sind im besten Sinne langweilig - das muss aber gerade in Zeiten neuer Rekordstän­de nicht schlecht sein.“

Wer sich nicht mit den speziellen Konditione­n von Wandelanle­ihen auseinande­rsetzen möchte, kann sein Depot auch anders gegen Kursverlus­te absichern.

Verbrauche­rschützer Mai rät zu einem ganz einfachen Rezept: „Statt Wandelanle­ihen eignen sich breit streuende normale Anleihen oder einfach Tagesgeld. Auch damit sichern sich Anleger gegen Kursverlus­te ab. In Kombinatio­n mit einem weltweit anlegenden Indexfonds auf Aktien haben sie ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als mit den komplizier­ten Papieren.“

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FOTO: FABIAN SOMMER/DPA Wandelanle­ihen sind eine Alternativ­e zu Aktien. Aber sie sind auch recht komplizier­t.

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