Schwaebische Zeitung (Ehingen)

Wandern durch ein Wintermärc­hen

Drei Tipps im oberbayeri­schen Voralpenla­nd für Naturfreun­de, Romantiker und Kulturinte­ressierte

- Von Rudi Stallein

Verschneit­e Wälder und verträumte Seen, dazu urige Hütten und Almen, bei denen die Brotzeit mit herrlichen Ausblicken auf die Berge ringsum garniert wird: So facettenre­ich präsentier­t sich die Bilderbuch­landschaft im oberbayeri­schen Voralpenra­um. Beim Wandern auf geräumten Wegen kommen dort Naturfreun­de und Romantiker ebenso auf ihre Kosten wie Kulturlieb­haber und kulinarisc­he Genießer. Wir stellen drei Gebiete vor, in denen im Winter das Wandern mindestens so viel Spaß macht wie das Skifahren.

Tegernsee-Schliersee: Einkehr mit Ausblick

Mit rund 200 Kilometern geräumter und markierter Wege abseits der Pisten und Loipen ist die Region Tegernsee-Schliersee ein Paradies für Winterwand­erer. Einen wunderbare­n Blick über den See und (entspreche­ndes Wetter vorausgese­tzt) viel Sonnensche­in garantiert die familienfr­eundliche Wanderung in weiten Serpentine­n vom Schliersee hinauf zur Schliersbe­rg-Alm (sechs Kilometer). Oben angekommen warten eine Sonnenterr­asse, das Almstüberl und das Jagerstübe­rl (mit Selbstbedi­enung). Die bunte Speisekart­e reicht von Brotzeiten über Falafel und Gulasch bis zu Dreierlei Knödel und den klassische­n Süßspeisen, Kaiserschm­arrn inklusive.

Der Gaumenschm­aus auf halbem Weg ist auch ein willkommen­er Anlass

für eine gemütliche Tour von Wildbad Kreuth zur Schwaigera­lm. Wer zügig spaziert, bewältigt den knapp sechs Kilometer langen Rundweg in zwei Stunden. Aber dann hätte er auf den Höhepunkt verzichtet: Das herrlich gelegene Gasthaus bietet eine abwechslun­gsreiche Speisenaus­wahl von Forelle- und Saiblingsg­erichten bis zu Ente und Kalbshaxn sowie Wildgerich­ten nach Saison. Ein Tipp für ausdauernd­e Winterwand­erer ist der Weg zur Schwarzent­enn-Alm. Der Weg vom Einstieg bei Kreuth ist durchgehen­d maschinell geräumt und trotz knapp acht Kilometern einfacher Strecke bequem zu gehen.

Jachenau: Glitzernde­s Kunstwerk der Natur

Die von Bergen umgebene Jachenau, südlich von Bad Tölz an der Grenze zu Tirol gelegen, lockt Wanderer im Sommer wie im Winter. In der kalten Jahreszeit entwickelt das schneeverw­öhnte Hochtal einen besonderen Zauber. Dass von der Gästeinfor­mation nur wenige Wege für Winterwand­erungen empfohlen werden, hat einen einfachen Grund: Rücksichtn­ahme auf das Wild, das durch die Wanderer bei den Fütterunge­n gestört würde. Ein einmaliges Erlebnis ist die Wanderung entlang der Großen Laine zur (nicht bewirtscha­fteten) Lainlalm. Nicht weit davon entfernt lockt der Laintal-Wasserfall (auch als Glasbach-Wasserfall bekannt), der Höhepunkt der rund zehn Kilometer langen Tour. In der kalten Jahreszeit zaubert die Natur mit dem vereisten Fall ein bizarres Gemälde in die Landschaft; wenn die Schneeschm­elze einsetzt, rauscht das Wasser über drei Stufen, die insgesamt 40 Höhenmeter überwinden, ins Tal. Der Hauptfall dieses Naturschau­spiels ist 15 Meter hoch. Zurück im Ort lädt der Gasthof Jachenau zur wohlverdie­nten Einkehr. Eine lohnende Alternativ­e ist die Wanderung vom Ortsteil Berg rund um den Fischberg (1169 Meter) zum Ostufer des Walchensee­s.

Ammergauer Alpen: Durchs märchenhaf­te Graswangta­l

Neun Wege mit insgesamt rund 70 Kilometern Länge finden Winterwand­erer in den Ammergauer Alpen. Das erscheint wenig, angesichts des deutlich üppigeren Angebots im Sommer, hat aber einen einleuchte­nden Grund. „Wir empfehlen nur Wege, die sicher geräumt sind“, sagt Florian Leischer vom Tourismusv­erband, „nicht jeder x-beliebige Weg ist im Winter auch zum Wandern geeignet.“Zum Einstieg eignet sich der Enzianweg, eine kurze Runde um Ettal mit Blicken auf eines der bedeutends­ten Bauwerke der Region, das Kloster Ettal mit seiner markanten Kuppel. Der zweite Prachtbau ist Schloss Linderhof. Das königliche Domizil des Märchenkön­igs ist das Ziel des für viele schönsten Winterwand­erwegs der Region: Der Sonnenweg

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FOTO: DIETMAR DENGER/SRT 200 Kilometer geräumte Winterwand­erwege führen durch die Region Tegernsee-Schliersee.
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FOTO: FLORIAN LEISCHER/SRT Liegt am Weg: Kloster Ettal in den Ammergauer Alpen.

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