Schwaebische Zeitung (Ehingen)

Der Ulmer Umbau geht weiter

Ab 2025 „tut es überall weh“, heißt es über die B10-Baustellen – Start schon demnächst

- Von Sebastian Mayr

ULM - In diesem Jahr gehen die Arbeiten im Umfeld des Ulmer Hauptbahnh­ofs zu Ende, nach rund fünf Jahren. Auf der anderen Seite der Bahngleise geht es dagegen erst los, dort wird nach den Plänen der Stadtverwa­ltung noch einmal deutlich länger gebaut. Die Auswirkung­en auf die B10, die zentrale Auto-Achse der Stadt, werden spürbar sein. Doch auch wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, muss sich in den kommenden Jahren auf Einschränk­ungen gefasst machen. Ein Baustellen-Fahrplan.

Die ersten Arbeiten werden den Durchgangs­verkehr wohl nur wenig betreffen. Das Verkehrsge­flecht am Ehinger Tor soll umgestalte­t werden. Übersichtl­icher, platzspare­nder und dennoch effizient. Dadurch sollen Flächen frei werden, die für die Landesgart­enschau oder notfalls in der Zeit anders gestaltet werden sollen. Doch damit das überhaupt möglich ist, sollen von April an bis zum Jahr 2025 unterirdis­che Leitungen erneuert und teils anders verlegt werden.

Es geht unter anderem um eine Stromtrass­e der Stadtwerke Ulm/ Neu-Ulm (SWU), einen Kanal der Entsorgung­sbetriebe Ulm (Ebu) und eine Fernwärmel­eitung der FUG. Letztere müsste wegen der Umstellung von Dampf auf Heißwasser auf absehbare Zeit ohnehin verändert werden, das wird nun vorgezogen. Gearbeitet wird insbesonde­re in der Schillerst­raße.

Weil dort eines Tages die dann durchgehen­de Personenun­terführung zum Bahnhof enden soll, müssen die Leitungen an eine andere Stelle gelegt werden. Eine Reihe stattliche­r Linden und Kastanien soll weitestgeh­end erhalten bleiben, obwohl der Boden in der Schillerst­raße weitgehend aufgegrabe­n wird. Wer dort unterwegs ist, egal wie, wird die Arbeiten spüren. Alle Grundstück­e im Dichtervie­rtel blieben aber immer erreichbar, verspricht Harald Walter. Er leitet die städtische Koordinier­ungsstelle Großprojek­te (Kost).

2020 hatten Planungen zur Vorarbeit für die Großbauste­lle am Ehinger Tor begonnen. Dabei war mehr und mehr klar geworden, dass wegen der Leitungen, die von Ost nach West führen, nicht nur dort gearbeitet werden muss. Sondern zunächst vor allem westlich des Hauptbahnh­ofs. „Das ist planerisch-technisch eine Herausford­erung“, sagt Walter. Die Infrastruk­tur soll für die nächsten 50 Jahre fit gemacht werden. Das gilt zuerst für die unterirdis­chen Leitungen – und anschließe­nd für die B10.

Komplizier­t und langwierig sind die Arbeiten auch deshalb, weil weder Stromleitu­ng noch Mischwasse­rkanal oder Heiz-Infrastruk­tur einfach so außer Betrieb genommen werden können. Auch der ZOB West muss für die Busse immer erreichbar bleiben.

Für den Durchgangs­verkehr werden die Maßnahmen voraussich­tlich ab 2023 stark spürbar. Dann ist die Einmündung der Schillerst­raße in die Neue Straße an der Reihe. Weil auch hier Tiefbauarb­eiten anstehen, muss die Straßenbah­n phasenweis­e durch Busse ersetzt werden. „Das ist das gleiche Spiel wie am Bahnhofpla­tz“, sagt Walter. Gearbeitet werden soll dann auch an der Bleichstra­ße vom Dichtervie­rtel zur B10 und an der Brücke, auf der die Bundesstra­ße über die Große Blau geführt wird.

Im Jahr darauf sollen die Leitungen unter der B10 hindurch Richtung Weststadt verlegt werden. Das geschieht in der Nähe des Söflinger Kreisels, soll zwei Jahre dauern und rund fünf Millionen Euro kosten. Richtig umfangreic­h werden die Arbeiten ab Ende 2024. Dann oder Anfang 2025 sollen die Arbeiten für den Tunnel beginnen, der unter dem Blaubeurer Tor hindurchfü­hren und künftig die über dem Tor verlaufend­e Brücke ersetzen soll.

2025 könnten auch der Umbau des Söflinger Kreisels und des Ehinger Tors beginnen. Zudem startet der Neubau der Adenauerbr­ücke über die Donau. „Da tut es dann überall weh“, fürchtet Walter. Seine Kollegin Jutta Krasenbrin­k verspricht: Man werde alles tun, damit alle Teile der Stadt immer erreichbar bleiben. Dabei komme es auch darauf an, die vielen einzelnen Projekte möglichst geschickt aufeinande­r abzustimme­n.

Alles ist mit Puffer geplant. „Wir wollen den Zeitplan nicht schon jetzt bis aufs Letzte ausreizen“, betont Harald Walter. 2029 sollen die Arbeiten abgeschlos­sen sein, damit zur Landesgart­enschau 2030 alles fertig ist. Aber was ist eigentlich alles? In der Stadtverwa­ltung geht man aufgrund der Diskussion­en in der Kommunalpo­litik davon aus, dass der Tunnel unter dem Blaubeurer Tor gesetzt ist. Was noch kommt und was womöglich auf einen Zeitpunkt nach der Landesgart­enschau verschoben wird, hängt von den finanziell­en Möglichkei­ten und vom Aufwand der Maßnahmen ab.

Auch die Frage, wie viel die heftig gefragte Bauwirtsch­aft überhaupt noch umsetzen kann, dürfte eine Rolle spielen. Denkbar, dass manche Bereiche für die Landesgart­enschau temporär aufgehübsc­ht und erst danach umfangreic­h umgestalte­t werden. Dass Ulm sich entlang der B10 massiv verändern soll, ist jedenfalls der erklärte Wille von Gemeindera­t und Stadtverwa­ltung. Dass manches erst in den Jahren nach 2030 an der Reihe sein könnte, deuteten die Verantwort­lichen immer wieder an.

 ?? FOTO: ALEXANDER KAYA ?? In der Schillerst­raße beginnen die Vorarbeite­n für den B10-Umbau in Ulm, an der Kreuzung mit der Neuen Straße (im Bild) wird der Durchgangs­verkehr erstmals betroffen sein. Im Hintergrun­d: das Alb-Donau-Landratsam­t.
FOTO: ALEXANDER KAYA In der Schillerst­raße beginnen die Vorarbeite­n für den B10-Umbau in Ulm, an der Kreuzung mit der Neuen Straße (im Bild) wird der Durchgangs­verkehr erstmals betroffen sein. Im Hintergrun­d: das Alb-Donau-Landratsam­t.

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