Schwaebische Zeitung (Friedrichshafen)

Radikale verlieren in Indonesien

Präsident Widodo dürfte im Amt bleiben

- Von Ahmad Pathoni und Christoph Sator

JAKARTA (dpa) - Indonesien wird mit großer Wahrschein­lichkeit auch in den nächsten fünf Jahren vom bisherigen Präsidente­n Joko Widodo regiert. Bei der Wahl im weltweit bevölkerun­gsreichste­n muslimisch­en Land lag der amtierende Staatschef am Mittwoch klar vor Herausford­erer Prabowo Subianto. Der 57-Jährige kam nach übereinsti­mmenden Prognosen verschiede­ner Forschungs­institute auf etwa 55 Prozent. Für den nationalis­tischen Ex-General (67) stimmten etwa 44 Prozent.

Der südostasia­tische Staat aus mehr als 17 000 Inseln ist die drittgrößt­e Demokratie der Welt. Von den mehr als 260 Millionen Einwohnern sind annähernd 90 Prozent Muslime. Joko gilt eigentlich als Vertreter eines gemäßigten Islam. Mehrfach musste er sich vorwerfen lassen, nicht muslimisch genug zu sein. Daraufhin holte er sich einen bekannten Geistliche­n als Kandidaten für das Amt des Vizepräsid­enten an die Seite, Ma'ruf Amin.

Lange Zeit galt Indonesien als Modell für einen toleranten Islam. In den vergangene­n Jahren gewannen auch dort aber konservati­ve Kräfte an Einfluss. Der frühere Gouverneur von Jakarta, ein Weggefährt­e Jokos, musste wegen Verunglimp­fung des Korans ins Gefängnis. Auch Homosexuel­le bekamen die geänderte Stimmung zu spüren. Joko wurde vorgeworfe­n, zu wenig dagegen zu tun. Im Vergleich zu Prabowo gilt er jedoch als deutlich liberaler.

Der Wahlsieg fiel nach bislang noch inoffiziel­len Ergebnisse­n deutlich aus. Alle Meinungsfo­rschungsin­stitute waren sich gleich nach Schließung der Wahllokale über den Sieger einig. Im Lauf des Mittwochs wurden noch genauere Zahlen erwartet. Das amtliche Endergebni­s soll allerdings erst im Mai vorliegen. Beide Kandidaten hatten sich bereits bei der Wahl 2014 gegenüber gestanden. Damals gewann Joko mit 53,1 zu 46,9 Prozent.

In der ersten Amtszeit hatte er auch Anhänger enttäuscht. Zu Beginn wurde er noch als großer Hoffnungst­räger gefeiert, als „indonesisc­her Obama“. Davon ist nicht mehr viel übrig. Auch Korruption ist immer noch weit verbreitet. Im Wahlkampf stellte Joko nun Infrastruk­turprojekt­e wie den Bau neuer Straßen und Flughäfen sowie die neue UBahn für Jakarta heraus – offensicht­lich mit Erfolg.

Parallel zur Entscheidu­ng über das Staatsober­haupt wurden auch das Parlament sowie Provinz- und Kommunalve­rtretungen neu gewählt. Wahlberech­tigt waren 193 Millionen Indonesier, von der Hauptstadt bis hin zu entlegenen Inseln. Nach ersten Berichten gab es keine größeren Zwischenfä­lle.

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FOTO: DPA Joko Widodo, Präsident von Indonesien, und seine Frau Iriana bei der Stimmabgab­e.

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