So klappt die Steu­er­er­klä­rung

Wer Geld vom Fi­nanz­amt zu­rück­ho­len will, muss vor al­lem auf prä­zi­se An­ga­ben ach­ten

Schwaebische Zeitung (Friedrichshafen) - - GELD & SERVICE -

Von Alex­an­der Hol­zer

BERLIN (dpa) - En­de Ju­li ist es so weit: Die Steu­er­er­klä­rung für das Jahr 2019 ist spä­tes­tens dann fäl­lig und muss beim Fi­nanz­amt ein­ge­gan­gen sein. „Die Ab­ga­be lohnt sich für die meis­ten Ar­beit­neh­mer, da man so sei­ne Steu­er­last er­heb­lich min­dern und ba­res Geld spa­ren kann“, sagt Hart­mut Schwab, Prä­si­dent der Bun­des­steu­er­be­ra­ter­kam­mer.

Vor al­lem wenn Wer­bungs­kos­ten die Pau­scha­le von 1000 Eu­ro über­schrei­ten, soll­te man die­se steu­er­lich gel­tend ma­chen. Die Sum­me kann durch Aus­ga­ben für Ar­beits­mit­tel, Fach­bü­cher, Fort­bil­dun­gen, Di­enst­rei­sen oder Fahrt­kos­ten zur Ar­beit schnell er­reicht wer­den. Das gilt auch, wenn Kos­ten für die Kin­der­be­treu­ung oder haus­halts­na­he Di­enst­leis­tun­gen, zum Bei­spiel für ei­ne Haus­halts­hil­fe, an­ge­fal­len sind.

Wenn sich per­sön­li­che Le­bens­um­stän­de än­dern, schlägt sich das in der Steu­er­er­klä­rung nie­der: „Wer um­zieht, der kann be­ruf­lich ver­an­lass­te Um­zugs­kos­ten als Wer­bungs­kos­ten gel­tend ma­chen“, sagt Uwe Rau­höft vom Bun­des­ver­band Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne. „Wenn die Kos­ten da­ge­gen rein pri­va­ter Na­tur sind, kann man sie als haus­halts­na­he Di­enst­leis­tung an­ge­ben.“Vor­aus­set­zung ist, dass ei­ne Rech­nung vor­liegt und kei­ne Bar­zah­lung er­folg­te.

Ein häu­fi­ger Feh­ler, der Steu­er­zah­lern in die­sem Zu­sam­men­hang un­ter­läuft, sind pau­scha­le An­ga­ben wie „2000 Eu­ro für Hand­wer­ker­leis­tun­gen“. Die je­wei­li­ge Leis­tung muss kon­kret nach Tä­tig­keit, durch­füh­ren­dem Un­ter­neh­men und Kos­ten auf­ge­schlüs­selt wer­den, sagt Isa­bel Klo­cke vom Bund der Steu­er­zah­ler: „Je eher das Fi­nanz­amt sieht, was ge­macht wur­de, des­to eher wird es auch Aus­ga­ben an­er­ken­nen.“

Am An­fang der Steu­er­er­klä­rung soll­te man bei der Be­rufs­be­zeich­nung prä­zi­se An­ga­ben ma­chen – und bei­spiels­wei­se nicht ein­fach nur den Sta­tus „An­ge­stell­ter“oder „An­ge­stell­te“an­ge­ben. Denn je nach Be­ruf las­sen sich un­ter­schied­li­che Din­ge steu­er­lich ab­set­zen. Lehr­kräf­te kön­nen zum Bei­spiel Kos­ten für Schreib­ma­te­ria­li­en gel­tend ma­chen.

Mie­tern rät Isa­bel Klo­cke zu ei­nem ge­nau­en Blick auf die Be­triebs­kos­ten­ab­rech­nun­gen. Wenn Haus­meis­terser­vice oder Win­ter­dienst vom Ver­mie­ter um­ge­legt wur­den, lie­ßen sich die­se Kos­ten in der Steu­er­er­klä­rung an­ge­ben.

Auch beim Über­gang von Aus­bil­dung zum Be­ruf lohnt sich die Steu­er­er­klä­rung. Denn die Lohn­steu­er wird so be­rech­net, als sei über das ge­sam­te Jahr je­den Mo­nat ein ein­heit­li­ches Ge­halt be­zahlt wor­den. Ist dem nicht so, wird der zu viel ge­zahl­te Be­trag zu­rück­er­stat­tet.

Die Ab­setz­bar­keit der Kos­ten für Stu­di­um oder Aus­bil­dung bleibt hin­ge­gen durch ei­ne im Ja­nu­ar 2020 ver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts

stark ein­ge­schränkt. Auf­wen­dun­gen für die ers­te Be­rufs­aus­bil­dung oder für ein Erst­stu­di­um zäh­len dem­nach nicht zu den Wer­bungs­kos­ten und kön­nen nur als Son­der­aus­ga­ben bis zu ma­xi­mal 6000 Eu­ro im Ka­len­der­jahr gel­tend ge­macht wer­den.

„Erst beim Zweit­stu­di­um wie et­wa dem Mas­ter kann man jeg­li­che stu­di­en­be­zo­ge­ne Kos­ten wie den Se­mes­ter­bei­trag, Lap­top, Fahrt­kos­ten für Ex­kur­sio­nen, Ko­pi­en oder Stu­di­en­bü­cher als Wer­bungs­kos­ten gel­tend ma­chen“, er­klärt Hart­mut Schwab.

Wer ver­hei­ra­tet ist, kann in je­dem Jahr neu ent­schei­den, ob er oder sie mit dem Ehe­part­ner zu­sam­men ver­an­lagt wer­den möch­te. Auf­grund des Ehe­gat­ten­split­tings ist das in der Re­gel sinn­voll. „Der Split­ting­vor­teil ist am höchs­ten, wenn ei­ner der Ehe­part­ner kein Ein­kom­men er­zielt“, sagt Hart­mut Schwab. Ei­ne Ein­zel­ver­an­la­gung kön­ne da­ge­gen vor­teil­haft sein, wenn ein Ehe­gat­te im ver­gan­ge­nen Jahr El­tern­geld be­kom­men ha­be, Ar­beits­lo­sen­geld be­zo­gen ha­be oder sons­ti­ge Be­son­der­hei­ten vor­lä­gen, er­gänzt Isa­bel Klo­cke.

Was die vor­teil­haf­tes­te Ver­an­la­gungs­art ist, kön­nen Lai­en oft nicht ein­schät­zen. Steu­er­be­ra­ter, Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne oder ei­ne Steu­er­soft­ware hel­fen hier wei­ter. Wenn man ne­ben dem Lohn ge­werb­li­che Ein­künf­te oder Ein­nah­men aus selbst­stän­di­ger Ar­beit hat, ist pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung bei der Steu­er­er­klä­rung mög­li­cher­wei­se eben­falls sinn­voll. „Das kann schon der Fall sein, wenn je­mand auf sei­nem Ei­gen­heim ei­ne Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge be­treibt und die Er­trä­ge ins Netz ein­speist“, sagt Isa­bel Klo­cke bei­spiel­haft.

Un­pro­ble­ma­tisch sind in­län­di­sche Ka­pi­tal­er­trä­ge wie Zin­sen oder Di­vi­den­den in der Steu­er­er­klä­rung: Hier­für gibt es den Spa­rer­frei­be­trag von 801 Eu­ro für Al­lein­ste­hen­de. Für Ver­hei­ra­te­te ist der dop­pel­te Er­trag, al­so 1602 Eu­ro, steu­er­frei. Für dar­über lie­gen­de Er­trä­ge gilt ein Steu­er­satz von 25 Pro­zent zu­züg­lich So­li­da­ri­täts­zu­schlag und un­ter Um­stän­den Kir­chen­steu­er.

Ban­ken in Deutsch­land füh­ren die­se so­ge­nann­te Ab­gel­tungs­steu­er ge­ne­rell von sich aus ab, so dass Ar­beit­neh­mer im Nor­mal­fall die nö­ti­ge An­la­ge KAP nicht aus­fül­len müs­sen. Et­was an­de­res gilt für aus­län­di­sche Ka­pi­tal­er­trä­ge, al­so wenn et­wa das De­pot et­wa bei ei­nem Fi­nanz­in­sti­tut im Aus­land be­trie­ben wird: Hier wird die Ab­gel­tungs­steu­er nicht au­to­ma­tisch ab­ge­führt.

Die Steu­er­er­klä­rung kann kom­pli­ziert sein. Wer nicht zur Ab­ga­be ver­pflich­tet und le­dig ist, kei­ne grö­ße­ren Aus­ga­ben für den Job ge­tä­tigt und kei­ne tief­grei­fen­den be­ruf­li­chen Ve­rän­de­run­gen hin­ter sich hat, für den mag sich die Mü­he nicht loh­nen. Al­le an­de­ren ha­ben gu­te Chan­cen, vom Fi­nanz­amt Geld zu­rück­zu­be­kom­men.

FOTO: BEN­JA­MIN NOL­TE/DPA

Bis En­de Ju­li muss die Steu­er­er­klä­rung für 2019 beim Fi­nanz­amt ein­ge­gan­gen sein.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.