„Vie­len An­le­gern wird ein Licht auf­ge­hen“

Wirt­schafts- und Rechts­ex­per­te Hart­wig We­ber­sin­ke er­läu­tert die neue Richt­li­nie Mi­fid II

Schwaebische Zeitung (Laupheim) - - GELD & SERVICE -

MÜN­CHEN - Über die Vor­tei­le der neu­en Re­ge­lun­gen von Mi­fid II spricht Hart­wig We­ber­sin­ke, De­kan für Wirt­schaft und Recht, Hoch­schu­le Aschaf­fen­burg, mit Jür­gen Lutz.

Herr We­ber­sin­ke, ab 2019 greift ei­ne neue Vor­ga­be von Mi­fid II. Ab dann müs­sen al­le Ban­ken, Spar­kas­sen und Ver­mö­gens­ver­wal­ter ih­re An­le­ger im so­ge­nann­ten Ex-pos­tKos­ten­blatt über die Ren­di­te so­wie über al­le Kos­ten der Geld­an­la­ge im Vor­jahr in­for­mie­ren.

Ich kann das nur be­grü­ßen. Im Grun­de muss man sich wun­dern, war­um sol­che Vor­ga­ben nicht schon seit Län­ge­rem gel­ten. Für die Kun­den ist die grö­ße­re Trans­pa­renz, ins­be­son­de­re bei den Kos­ten, von Vor­teil.

Rech­nen Sie da­mit, dass un­zu­frie­de­ne Kun­den ver­stärkt den An­bie­ter wech­seln?

Ich hof­fe es zu­min­dest. Denn jetzt müs­sen min­des­tens ein­mal im Jahr sämt­li­che Kos­ten der Geld­an­la­ge auf­ge­lis­tet wer­den – in Eu­ro-Be­trä­gen so­wie in Pro­zent des in­ves­tier­ten Ver­mö­gens. Wer merkt, dass die Be­ra­tung im Vor­jahr mehr als drei Pro­zent ge­kos­tet hat, aber fünf Pro­zent sei­nes Gel­des weg sind, wird wo­mög­lich nach­denk­lich. Vie­len An­le­gern wird wohl bald ein Licht auf­ge­hen.

Drei Pro­zent an Ge­büh­ren – ist das nicht ein biss­chen viel?

In der Tat, das ist es. Doch lei­der ist es oft die Rea­li­tät. Der Grund da­für ist, dass ins­be­son­de­re Ban­ken und Spar­kas­sen vom Ver­kauf von Fi­nanz­pro­duk­ten le­ben. Bis­lang konn­ten die An­bie­ter hof­fen, dass der Kun­de über­sieht, was ihn die­se Art der Be­ra­tung kos­tet.

Wer­den die Kos­ten künf­tig in der Sum­me auf­ge­führt oder auf­ge­schlüs­selt?

Bei­des. Die Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht ver­langt, dass die Kos­ten in Di­enst­leis­tungs­und Pro­dukt­kos­ten ge­trennt wer­den. Bei­de kön­nen wei­ter un­ter­glie­dert wer­den in ein­ma­li­ge Kos­ten, lau­fen­de Kos­ten, Trans­ak­ti­ons­kos­ten und wei­te­re Ne­ben­kos­ten. Gleich­zei­tig wird ei­ne Über­sicht mit Nen­nung der Ge­samt­kos­ten ge­for­dert.

Wie hoch dür­fen die pro­zen­tua­len Kos­ten für die Fi­nanz­be­ra­tung nach Ih­rer Mei­nung sein?

Das hängt von der Qua­li­tät und In­ten­si­tät der Fi­nanz­be­ra­tung ab. Als Richt­schnur lässt sich sa­gen: Für ein ak­ti­ves Ver­mö­gens­ma­nage­ment ist ei­ne Gr­und­ver­gü­tung zwi­schen ei­nem und 1,5 Pro­zent des Ver­mö­gens­wer­tes ak­zep­ta­bel. Zu­sätz­lich kann ein er­folgs­ab­hän­gi­ges Ho­no­rar an­fal­len, wenn der Ver­mö­gens­wert am Jah­res­en­de ei­nen neu­en Höchst­stand er­reicht hat.

FO­TO: OH

Hart­wig Weber- sin­ke

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