Obo­ist Le­leux be­zirzt das Kon­zert­haus-Pu­bli­kum

Mün­che­ner Kam­mer­or­ches­ter bie­tet im Rah­men des Bo­den­see­fes­ti­vals ein glän­zen­des tsche­chi­sches Pro­gramm

Schwaebische Zeitung (Ravensburg / Weingarten) - - RAVENSBURG - Von Ma­ria An­na Blö­chin­ger

RAVENSBURG – Nach dem So­lo­kon­zert ist das Pu­bli­kum im voll be­setz­ten Ra­vens­bur­ger Kon­zert­haus au­ßer Rand und Band. Das Mün­che­ner Kam­mer­or­ches­ter un­ter Ger­ge­ly Ma­daras und der Obo­ist Fran­cois Le­leux ha­ben die Er­war­tun­gen bei wei­tem über­trof­fen. Wer sich da­nach die „Pra­ger“Mo­zarts­in­fo­nie er­spart, hat et­was ver­passt.

In der See­len­stu­die des 18-jäh­ri­gen Jo­sef Suk (1874-1935), sei­ner Se­re­na­de für Strei­cher Es-Dur op. 6., könn­te man Schiff­bruch er­lei­den. Das Mün­che­ner Kam­mer­or­ches­ter aber meis­ter­te den Ge­fühls­über­schwang mit Iro­nie.

Fein­hei­ten der Strei­cher­kunst In der viel­schich­ti­gen Schwel­ge­rei zeig­te es al­le Fein­hei­ten der Strei­cher­kunst: bass­be­tont und glän­zend das An­dan­te con mo­to, flir­rend schwül das Al­le­gro, ma non trop­po e gra­zio­so, po­chen­de Ach­tel und schluch­zen­de Glis­san­di im Ad­a­gio, aus­ge­las­se­ne, hin­rei­ßen­de Rhyth­men im Al­le­gro gio­co­so, ma non trop­po pres­to. Der Un­gar Ger­ge­ly Ma­daras di­ri­gier­te mit Stab, ex­akt und mit vol­lem Kör­per­ein­satz.

Der ro­te Tep­pich für Fran­cois Le­leux und sei­ne Oboe war da­mit aus­ge­legt. Der in­ter­na­tio­nal ge­fei­er­te Holz­blä­ser, im Jahr 1971 in Nord­frank­reich ge­bo­ren, ist für sei­nen Charme be­kannt. Im Kon­zert­haus lä­chel­te er vor dem Spiel dem Pu­bli­kum aus­gie­big zu.

Das „Kon­zert für Oboe und klei­nes Orches­ter“, H353, kom­po­nier­te Bo­hus­lav Mar­ti­nu (1890-1959) im Jahr 1955. Die Oboe sam­mel­te sich, wieg­te sich laut­los im Mo­de­ra­to, ehe sie – wie ein Wun­der – ih­ren sü­ßen Ge­sang ver­ström­te. Vom Orches­ter an­ge­feu­ert, hüpf­te und lach­te sie. Im Po­co An­dan­te er­weck­te der Ruf des Horns die Oboe zum Le­ben, trat sie mit dem Kla­vier in ei­nen Dia­log.

In über­bor­den­der Freu­de wuch­sen Al­le­gro al­le zu­sam­men, Le­leux und sei­ne Oboe, der jun­ge Di­ri­gent Ger­ge­ly Ma­daras, das En­sem­ble und das Pu­bli­kum. Als Zu­ga­be spiel­te François Le­leux für „das phan­tas­ti­sche Pu­bli­kum“, wie er mit fran­zö­si­schem Zun­gen­schlag kund­gab, den „Rei­gen se­li­ger Geis­ter“aus der Oper „Or­pheus und Eu­ry­di­ke “von Wil­li­bald Gluck.

Un­er­war­tet schnell war die Skiz­ze ei­ner hy­po­chon­dri­schen Kri­se ab­ge­han­delt, die „Hi­po­con­drie à 7 con- cer­t­an­ti“, A-Dur von Jan Dis­mas Ze­len­ka (1679 - 1745). Ei­ne ner­vö­se Un­ru­he, das emp­find­sa­me, krän­keln­de In­di­vi­du­um stört die fei­er­lich ge­ord­ne­te ba­ro­cke Ge­sell­schaft. In um­fang­rei­cher Aus­ein­an­der­set­zung zog sich da­ge­gen die „Sin­fo­nie D-Dur“, KV 504, die „Pra­ger Sin­fo­nie“von Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart (1756 – 1791) hin. Das Hau-auf-die-Pau­ke do­mi­nier­te Ad­a­gio-Al­le­gro.

Erst im An­dan­te kam ei­ne fein zi­se­lier­te schwin­gen­de Har­mo­nie zur Gel­tung. Im Fi­na­le, pres­to, ver­aus­gab­ten sich die Mu­si­ker, um dem Hau-drauf stand­zu­hal­ten. Wer im Kon­zert­haus nicht vor­her ge­gan­gen war, sah die Oboe mit we­hen­den Haa­ren hüp­fen, Blech­blä­ser strah­len, Gei­ger von den Sit­zen hoch­stre­ben und ei­ne blon­de Cel­lis­tin her­vor­ra­gen.

FOTO: MA­RIA AN­NA BLÖ­CHIN­GER

François Le­leux, Oboe, er­ober­te mit dem Mün­che­ner Kam­mer­or­ches­ter un­ter Ger­ge­ly Ma­daras das Ra­vens­bur­ger Kon­zert­haus-Pu­bli­kum im Sturm.

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