Mer­kel si­chert Bau­ern Bei­stand zu

Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel geht nach Pro­tes­ten auf Land­wir­te zu

Schwaebische Zeitung (Ravensburg / Weingarten) - - ERSTE SEITE -

BERLIN (AFP) - Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) will ge­mein­sam mit Land­wir­ten „gu­te neue We­ge fin­den“, um die Zu­kunft der Bran­che zu si­chern und ihr An­se­hen zu stär­ken. Bei ei­nem Gip­fel­tref­fen im Kanz­ler­amt ver­ein­bar­te die Re­gie­rung am Mon­tag mit Bau­ern­ver­bän­den und Bran­chen­ver­tre­tern Tref­fen et­wa zu Bil­lig­an­ge­bo­ten bei Le­bens­mit­teln oder ei­ne „Wert­schät­zungs­kam­pa­gne“für Pro­duk­te und Er­zeu­ger. Op­po­si­ti­on und Um­welt­schüt­zer kri­ti­sier­ten die Zu­sam­men­set­zung des Gip­fels und die Er­geb­nis­se als ma­ger. Ver­gan­ge­ne Wo­che hat­ten in Berlin 15 000 Bau­ern ge­gen die Agrar­po­li­tik der Re­gie­rung pro­tes­tiert.

BERLIN (dpa) - Bei den Bau­ern bro­delt es seit Wo­chen. Nun setzt die Kanz­le­rin ein Zei­chen und spricht drei St­un­den mit der Bran­che. Im neu­en Jahr soll auch ein Dia­log mit Ver­brau­chern kom­men – mehr als Sym­bo­lik?

Wenn die Kanz­le­rin die Wirtschaft emp­fängt, ging es zu­letzt oft um die Au­to­in­dus­trie. Nach Trak­to­ren-Pro­tes­ten quer durch Deutsch­land lud An­ge­la Mer­kel (CDU) am Mon­tag aber zum „Agrar­gip­fel“– und ver­si­cher­te den Bau­ern, sie bei wei­te­ren Vor­ga­ben zum Na­tur- und Kli­ma­schutz ein­zu­be­zie­hen. Da­zu si­gna­li­sier­te sie gleich mehr­fach An­er­ken­nung für die auf­ge­brach­ten Land­wir­te, die „ein ganz wich­ti­ger Teil der Ge­sell­schaft“sei­en. Im neu­en Jahr soll ein gro­ßer Dia­log über ge­sell­schaft­li­che Er­war­tun­gen an die Bau­ern fol­gen. Um­strit­te­ne Bil­lig­An­ge­bo­te für Le­bens­mit­tel sol­len eben­falls stär­ker ins Vi­sier rü­cken.

Knapp ei­ne Wo­che nach dem Pro­test Tau­sen­der Bau­ern mit ei­ner lan­gen Trak­to­ren-Ko­lon­ne am Bran­den­bur­ger Tor be­ton­te die Kanz­le­rin gleich zu Be­ginn: „Gro­ßer Re­spekt für ih­re Ar­beit, die schwie­rig ist.“Es müss­ten in vie­len Be­rei­chen neue Ant­wor­ten ge­fun­den wer­den. „Aber das wol­len wir mit Ih­nen ma­chen, und das wol­len wir nicht ge­gen Sie ma­chen“, sag­te Mer­kel in die Run­de. Da­bei wa­ren Ver­tre­ter meh­re­rer Land­wirt­schafts­ver­bän­de von Bau­ern und der Öko­bran­che über Im­ker und Land­frau­en bis zur Bio-Ener­gie – und auch die Initia­ti­ve „Land schafft Ver­bin­dung“, die für die jüngs­ten De­mons­tra­tio­nen mo­bi­li­siert hat­te.

Aku­ten Är­ger aus­ge­löst hat vor al­lem ein „Agrar­pa­ket“, das das Ka­bi­nett im Sep­tem­ber auf den Weg ge­bracht hat­te. Un­ter an­de­rem zum In­sek­ten­schutz soll der Ein­satz von Un­kraut- und Schäd­lings­gif­ten stark ein­ge­schränkt wer­den. Für ei­nen bes­se­ren Grund­was­ser­schutz müs­sen auf Druck der EU auch Dün­ge­re­geln er­neut ver­schärft wer­den. Aus den wich­ti­gen EU-Agrar­zah­lun­gen an die Hö­fe wird im neu­en Jahr mehr Geld für Um­welt­maß­nah­men re­ser­viert. Vie­le Bau­ern sind auch frus­triert über Be­schul­di­gun­gen und for­dern mehr Wert­schät­zung.

Mer­kel spar­te denn auch nicht mit Zu­spruch. Land­wirt­schaft­li­che Tä­tig­keit sei „Teil un­se­rer Kul­tur“. Und: „Wenn an­de­re schon fröh­lich ih­ren Fei­er­abend ge­nie­ßen oder im Som­mer am Ba­de­see sind, dann sit­zen Sie auf dem Mäh­dre­scher oder ste­hen im Stall und ar­bei­ten, und zwar rund um die Uhr und 365 Ta­ge im Jahr.“Die Kanz­le­rin rück­te aber nicht da­von ab, dass Hand­lungs­be­darf beim Um­welt­schutz be­ste­he.

Es ge­be „ein dra­ma­ti­sches Pro­blem bei der Ar­ten­viel­falt“. Da sei­en Land­wir­te „nicht die ein­zi­gen Ver­ur­sa­cher“, aber na­tür­lich Teil des Ge­samt­sys­tems. Auch den Kli­ma­schutz nann­te Mer­kel als „ge­mein­sa­mes An­lie­gen“. Die Land­wirt­schaft sei aber auch ein Wirt­schafts­zweig, der ren­ta­bel wirt­schaf­ten müs­se. Bei­des müs­se zu­sam­men­ge­bracht wer­den – part­ner­schaft­lich und be­re­chen­bar. „Wir wol­len re­gio­na­le Pro­duk­te und zu Hau­se Land­wirt­schaft ha­ben. Das be­deu­tet, dass Sie ei­ne Zu­kunft ha­ben müs­sen“, ar­gu­men­tier­te die Kanz­le­rin.

Agrar­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner (CDU) kün­dig­te un­ter an­de­rem meh­re­re Fo­ren fürs kom­men­de Jahr an. Dar­un­ter ein Tref­fen mit dem Han­del zu Lock­an­ge­bo­ten mit Bil­lig­prei­sen für Fleisch, Wurst und Milch im Su­per­markt so­wie ei­ne „Wert­schät­zungs­kam­pa­gne“für Le­bens­mit­tel. An­lau­fen sol­len auch „Dia­log­fo­ren“mit Ver­brau­cher- und Um­welt­schüt­zern am Tisch.

Bau­ern­prä­si­dent Joa­chim Ruk­wied sprach von ei­nem „gu­ten Auf­takt für ei­nen not­wen­di­gen Dia­log, den wir jetzt in­ten­si­vie­ren und fort­set­zen müs­sen“. Kon­kret be­deu­te das, das Ak­ti­ons­pro­gramm In­sek­ten­schutz neu zu dis­ku­tie­ren.

Von der Op­po­si­ti­on kam Kri­tik. FDP-Agrar­ex­per­te Ge­ro Ho­cker ver­lang­te ei­ne „Kurs­kor­rek­tur“. Maß­nah­men müss­ten wis­sen­schaft­lich be­legt sein und wirt­schaft­li­che Fol­gen­ab­schät­zun­gen ha­ben. Grü­nen­Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter for­der­te, Agrar­sub­ven­tio­nen an ge­sell­schaft­li­che Leis­tun­gen für Um­welt­und Tier­schutz zu bin­den.

FO­TO: KAY NIET­FELD/DPA

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Ju­lia Klöck­ner (rechts), Bun­des­mi­nis­te­rin für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft, tra­fen sich am Mon­tag mit rund 40 Land­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen. Hin­ter­grund sind an­hal­ten­de Pro­tes­te von Bau­ern ge­gen ge­plan­te schär­fe­re Um­welt- und Tier­schutz­vor­ga­ben.

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