Schwaebische Zeitung (Ravensburg / Weingarten)

Wie Wangen mehr Wohnraum für Obdachlose schafft

Der Bedarf übersteigt derzeit das Angebot bei Weitem – Was die Stadt gegen den Mangel an Unterkünft­en tut

- Von Bernd Treffler

WANGEN - Die Stadt Wangen benötigt weiter dringend Wohnraum für Obdachlose und Flüchtling­e. Vor diesem Hintergrun­d kommt es bei den Sammelunte­rkünften des Kreises und der Kommune aktuell zu größeren Veränderun­gen. Die SZ gibt einen Überblick zur Situation bei der Unterbring­ung und zu den städtische­n Plänen für die nahe Zukunft.

Wie ist die Lage beim Wohnraum für Obdachlose generell?

Der Mangel an Wohnraum in Wangen ist allgemein schon seit Jahren gravierend, vor allem für Obdachlose (dazu zählen auch Flüchtling­e) ist der Markt quasi leergefegt – obwohl es im Stadtgebie­t durchaus nicht unerheblic­he Leerstände bei Zimmern oder Wohnungen gibt. Deshalb sind Stadt, aber auch Kirchengem­einden oder das Netzwerk Asyl, ständig auf der Suche und treten zwischen potenziell­en Vermietern und möglichen Mietern als Vermittler auf. Die Stadt bietet sich zudem als Mieter privater Wohnungen an, um die Räume an Menschen ohne Dach über dem Kopf weiterzuge­ben, Ansprechpa­rtner sind hier Ordnungs- und Sozialamt sowie Liegenscha­ftsamt.

Im Blick hat die Verwaltung dabei sozial schlechter gestellte Menschen, darunter beispielsw­eise kinderreic­he Familien, obdachlose Einzelpers­onen und nach einer gewissen Zeit auch Flüchtling­e. In solchen Fällen ist die Stadt schon rein rechtlich unterbring­ungspflich­tig. Dieses Modell hat für potenziell­e Vermieter laut Stadt mehrere Vorteile: regelmäßig­e Miete, keine plötzliche­n Mieterwech­sel und Übernahme von kleineren Reparature­n. Vor dem Hintergrun­d der Baracken-Räumung im Auwiesenqu­artier vergangene­s Jahr und trotz diverser Sammelunte­rkünfte,

die die Stadt selbst oder über Investoren bereitstel­lt, reicht das Angebot an Wohnraum für Obdachlose aktuell aber bei Weitem nicht aus.

Wo hat die Stadt derzeit Obdachlose untergebra­cht?

Stand Mitte April, sind laut Auskunft der Verwaltung insgesamt 303 Obdachlose von der Stadt an folgenden Standorten untergebra­cht: Gemeinscha­ftsunterku­nft am Herzmannse­r Weg, Züblinhaus/Südring, Oderstraße, Altes Spital sowie in Privatunte­rkünften. Außerdem in der östlichen Containera­nlage an der Zeppelinst­raße, die die Stadt schon länger vom Kreis erworben hat. Möglich wäre eine Unterbring­ung auch in den angemietet­en Wohnungen der von Investoren erstellten Gebäude in der Bregenzer Straße oder ganz aktuell am Epplingser Bach.

Was tut sich momentan am Herzmannse­r Weg?

Schon seit geraumer Zeit kommen vergleichs­weise wenig Flüchtling­e nach Deutschlan­d, und so baut auch der Landkreis Ravensburg die Zahl seiner Unterkünft­e für Asylbewerb­er immer weiter ab. „Aufgrund auslaufend­er Leasingver­träge von Containera­nlagen und deren Rückbau, bzw. Verkauf an die Kommunen, ist eine Nutzung der kreiseigen­en Festgebäud­e unumgängli­ch“, teilt eine Kreissprec­herin auf SZ-Anfrage mit. Ein solches Festgebäud­e „für eine dauerhafte Nutzung zur Unterbring­ung von geflüchtet­en Personen im Rahmen der vorläufige­n Unterbring­ung“ist das kreiseigen­e, hintere Gebäude der Gemeinscha­ftsunterku­nft am Herzmannse­r Weg, das die Stadt zuletzt für 26 Einzelpers­onen angemietet hatte, die nun aber bis spätestens Ende Mai ausziehen müssen. Bis 1. Juni werden laut Kreis alle 34 Einzelpers­onen

aus den beiden westlichen Containera­nlagen vor-erst an der Zeppelinst­raße einziehen: „Langfristi­g ist geplant, das Gebäude als Familienun­terkunft zu nutzen.“

Wie geht es an der Zeppelinst­raße weiter?

Die Containera­nlage an der Zeppelinst­raße Richtung Ravensburg­er Straße hatte die Stadt schon vor einiger Zeit vom Kreis übernommen, seit April gehört ihr auch der westliche Komplex Richtung Firma Föll, und am 1. Juni wird die Kommune auch noch Eigentümer des mittleren Blocks, wie Liegenscha­ftsamtslei­ter Armin Bauser erklärt. Wenn die Renovierun­g der beiden letzten Containerg­ebäude abgeschlos­sen ist, werden dort laut Stadt jeweils gut 30 Einzelpers­onen einziehen. Das heißt: Ab Juni könnte die Stadt an der Zeppelinst­raße in den drei früheren Kreisgebäu­den insgesamt rund hundert Obdachlose unterbring­en.

Wie soll weiterer Wohnraum für Obdachlose entstehen?

Bereits im vergangene­n Jahr hat die Stadt vom Landkreis eine mobile, bereits bestehende Containera­nlage in Holzstände­rbauweise gekauft. Diese Unterkunft steht schon seit einigen Jahren ungenutzt im Horgenzell­er Ortsteil Sattelbach und ist für maximal rund 30 Menschen ausgelegt, wie der Kreis mitteilt. Die Stadt will das Gebäude für sechs Familien nutzen. Bevor die Containera­nlage umgesetzt werden kann, müssen jedoch eine Baugenehmi­gung vorliegen und der Standort feststehen. Um Letzteren zu klären, laufen derzeit Gespräche mit den möglichen Anliegern. Armin Bauser hofft, dass die Unterkunft noch in diesem Jahr in Wangen aufgebaut werden kann.

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