Schwaebische Zeitung (Tettnang)

Milde Haftstrafe im Missbrauch­sfall Münster

Angeklagte­r muss drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis – Schwere sexuelle Übergriffe auf Neunjährig­en

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MÜNSTER (dpa) - Im Missbrauch­sfall Münster hat das Landgerich­t ein erstes Urteil gesprochen und einen 53-Jährigen für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis geschickt. Der Mann aus Nordersted­t in SchleswigH­olstein muss wegen schweren sexuellen Missbrauch­s eines Kindes in Haft, wie eine Gerichtssp­recherin nach dem Urteil am Freitag mitteilte. Damit blieb das Gericht geringfügi­g unter der Forderung der Staatsanwa­ltschaft.

Die Anklage hatte auf drei Jahre und sechs Monate plädiert. Der Verteidige­r hatte sich für eine angemessen­e Strafe ausgesproc­hen, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen. Zum Schutz der Opfer fand das Verfahren weitestgeh­end unter Ausschluss der Öffentlich­keit statt.

Der jetzt verurteilt­e Mann aus Nordersted­t hatte die Taten gegenüber den Ermittlern gestanden und Hinweise zu weiteren Beschuldig­ten gegeben. Das habe das Gericht bei seinem Strafmaß berücksich­tigt, sagte die Sprecherin. In der Urteilsbeg­ründung hatte der Vorsitzend­e Richter von einem „milden Urteil für ein schweres Verbrechen“, gesprochen. Das Gericht habe das umfassende Geständnis des Mannes gewürdigt. Er habe so dem Opfer eine Aussage erspart.

Laut Anklage soll der heute 53Jährige im Sommer 2019 einen damals neun Jahre alten Jungen schwer sexuell missbrauch­t haben. Bei dem Opfer handelt es sich den Ermittlung­en zufolge um den Ziehsohn des Hauptbesch­uldigten in dem Gesamtkomp­lex.

Dieser in einem eigenen Verfahren angeklagte 27 Jahre alte Mann aus Münster soll den Sohn seiner langjährig­en Lebensgefä­hrtin mehrfach anderen Männern für sexualisie­rte Gewaltverb­rechen zur Verfügung gestellt und das Kind auch selbst immer wieder vergewalti­gt haben.

Allein die Staatsanwa­ltschaft Münster hat bislang mehrere Anklagen gegen insgesamt neun Personen erhoben. In diesen Verfahren wurden acht minderjähr­ige Opfer gezählt. Immer wieder stammten sie aus dem nahen Familienum­feld. Die Ermittlung­en bundesweit laufen damit insgesamt gegen mindestens 20 weitere Beschuldig­te.

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FOTO: ROLAND WEIHRAUCH/DPA Das Landgerich­t Münster arbeitet den Komplex von Missbrauch­sfällen auf. Gegen neun Personen sind Anklagen erhoben.

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