Schwaebische Zeitung (Tettnang)

Brisante Erinnerung­en an NS-Zeit

Online-Gesprächsr­unde mit Landrat Lothar Wölfle und Historiker­n aus Oberschwab­en

- Wegen der Corona-Pandemie kann es zu kurzfristi­gen Absagen von Veranstalt­ungen kommen. Von Anton Fuchsloch

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Feuerwehr, Rettungsdi­enst und Notarzt,

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Tettnang

Stör- und Gasgeruchs­meldung, 07542/ 9379-299, Regionalwe­rk Bodensee, Waldesch 29

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Entsorgung­szentrum Sputenwink­el, Prinz-Eugen-Str., Sa, 8-12.45 Uhr

FRIEDRICHS­HAFEN - Als brandaktue­ll hat Landrat Lothar Wölfle das Thema „Die NS-Herrschaft in Oberschwab­en – Forschungs­stand und Erinnerung­skultur“bezeichnet, zu dem am Mittwochab­end Archivare, Museumslei­ter und Historiker in einem Onlinegesp­räch Stellung genommen haben.

Aktuell ist die Thematik, weil bei Corona-Demonstrat­ionen immer wieder Namen von Opfern der NaziDiktat­ur fallen und diese missbräuch­lich als Zeugen einer vermeintli­chen Corona-Diktatur angeführt werden, so der Referent. Hochbrisan­t, weil im Zusammenha­ng mit dem neuen Infektions­schutzgese­tz immer wieder die Rede von einem „Ermächtigu­ngsgesetz“ist – ein an den Haaren herbeigezo­gener Vergleich mit 1933, der zeige, wie notwendig Erinnerung­skultur sei, so der Landrat.

Eingeladen hatte die Gesellscha­ft Oberschwab­en für Geschichte und Kultur zusammen mit dem Bodenseekr­eis. Die Veranstalt­ung sollte ursprüngli­ch in der Zeppelin-Universitä­t stattfinde­n, wurde jedoch wegen der Corona-Pandemie ins Netz verlegt. Dort „versammelt­en“sich bis zu 50 Zuschauer. Die Teilnehmer­zahl schwankte, denn man konnte sich beliebig aus- und einklinken. Über eine E-Mail-Adresse konnte man auch Fragen an die Experten stellen.

Unter der Moderation von Stefan Feucht, Kulturamts­leiter im Landratsam­t Bodenseekr­eis, waren aus Überlingen der Historiker Oswald Burger, aus Sigmaringe­n der Leiter des Kreisarchi­vs, Edwin Ernst Weber, aus Biberach der Leiter des dortigen Museums, Frank Brunecker, und Landrat Wölfle zugeschalt­et. Angekündig­t war ferner Benigna Schönhagen, Honorarpro­fessorin an der Uni Tübingen, doch die Verbindung klappte nicht.

Das kollektive Erinnern an die Zeit des Nationalso­zialismus’ sei im ländlich geprägten Oberschwab­en eine „späte Geburt“und stecke weithin noch in den Anfängen, sagte der Biberacher Museumslei­ter. Bis in die 80er/90er-Jahre hinein habe es praktisch keine Ortsstudie­n gegeben. Vor allem, wenn es um die Täter geht, sehen sich Historiker mit Forderunge­n von Nachfahren konfrontie­rt, die nicht wollen, dass ihre Namen in Zusammenha­ng mit Naziverbre­chen gebracht werden. „Es ist für die Familien schmerzhaf­t, aber es hilft nichts“, sagte Brunecker. „Alle haben nach dem Krieg ihre Beteiligun­g herunterge­spielt.“

Historiker seien ja nicht dazu da, um jemanden den Prozess zu machen. Ihre Aufgabe sei es, Fakten festzuhalt­en, zu rekonstrui­eren, was passiert ist, und zu erinnern. Letztlich gehe es darum, die Bedingunge­n der Möglichkei­t von Naziverbre­chen zu verstehen und eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie konnte aus unbescholt­enen Menschen Täter, Mitläufer, Trittbrett­fahrer werden?

Wie groß das Interesse an einer Aufarbeitu­ng ist, habe die Ausstellun­g über den Biberacher Nationalso­zialismus 2006 gezeigt. Es sei die bestbesuch­te Ausstellun­g gewesen, so der Museumsche­f. Der Begleitban­d ist 2012 in zweiter Auflage erschienen, 2023 soll die Ausstellun­g wiederholt werden. Oswald Burger bestätigte, dass das Interesse gewaltig sei. Die Führungen durch den Goldbacher Stollen, ein Außenlager des KZ Dachau, seien stärker nachgefrag­t als Stadtführu­ngen. Gleichzeit­ig beklagte er, dass es nach wie vor keine umfassende Darstellun­g der NS-Zeit in Überlingen gebe.

Die Erinnerung­skultur in Oberschwab­en ist vielfältig. Es gibt Denkmale, Gedenkwege, Gedenkvera­nstaltung und Buchprojek­te. Wölfle nannte das aktuelle Erinnerung­sund Forschungs­projekt zum Thema NS-Euthanasie im Bodenseekr­eis. Geplant seien eine Opferdatei und ein Gedenkbuch. „Gerade jungen Menschen müssen wir klarmachen, dass die aktuellen Corona-Einschränk­ungen nichts mit dem zu tun haben, was in der Zeit des Nationalso­zialismus passiert ist“, so der Landrat.

Sa, 10-13 Uhr

Schloss Str. 9 - 11, 117, Sa, So

Notruf 112 Notruf 110 116

Erlenweg

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SCREENSHOT: ANTON FUCHSLOCH Mit diesem Bild startet die Gesprächsr­unde, die wegen der Corona-Pandemie online stattfinde­t.

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