Schwaebische Zeitung (Tettnang)

Gegen einen Weltmeiste­r

Tolga Bengi vom SC Bürgermoos duelliert sich an der ZDF-Torwand mit den Khedira-Brüdern

- Von Nico Brunetti

TETTNANG - Bis vor Kurzem dachte Tolga Bengi noch, er würde sich am Samstag mit einem Kumpel treffen und mit ihm Mario Kart auf der Konsole spielen und nebenbei gemütlich etwas trinken. Für ihn wäre auch das sicher ein netter Abend geworden. Doch nun hat er etwas Besseres vor. Der Kreisliga-Fußballer des SC Bürgermoos fährt nach Mainz, um am Samstag im „aktuellen Sportstudi­o“des Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) gegen Mitternach­t an der legendären Torwand zu schießen. Eine Riesensach­e für Bengi: „Ich bin durchgedre­ht“, so der 22-Jährige über die kurzfristi­ge Einladung.

Die Gästeliste ließ seine Begeisteru­ng dann noch einmal wachsen. In Mainz begegnet er nämlich einem prominente­n deutschen Fußballer: Denn kein Geringerer als Sami Khedira gibt sich die Ehre. Der mittlerwei­le 33 Jahre alte zentrale Mittelfeld­spieler legte eine echte Weltkarrie­re hin, die beim VfB Stuttgart begann und noch nicht vorbei ist. Nun also duelliert er sich in Mainz mit Bengi. „Ich treffe einen Weltmeiste­r“, kann es der Fußballer des SC Bürgermoos nicht fassen. Und damit nicht genug. Neben dem Gewinner der Weltmeiste­rschaft von 2014 wird auch Samis Bruder Rani Khedira zu Gast sein. Dieser ist immerhin auch Bundesliga­profi und trägt aktuell das Trikot des FC Augsburg.

Bengi ist in Mainz aber ebenfalls nicht ganz alleine. „Mir wird meine Freundin zur Seite stehen“, sagt er und ist froh, Unterstütz­ung zu haben. „Ich sage es ganz ehrlich: Ich bin richtig aufgeregt.“Und das liegt keineswegs am Druck, den gibt es nämlich nicht. „Es ist so ein Hammergefü­hl, dabei zu sein. Das würde mir eigentlich reichen“, sagt Bengi, der aber natürlich dennoch einen Sieg gegen die Khediras anpeilt.

Ein Erfolg wäre ihm auch zu gönnen, denn Bengi hat in seiner Fußballerl­aufbahn schon viel leiden müssen. Insgesamt vier Kreuzbandr­isse zog er sich schon zu und trotzdem gibt er den Sport nicht auf. „Mit 17 Jahren bin ich im Training beim FV Ravensburg im Rasen hängen geblieben, da ist es zum ersten Mal passiert. Es war Pech dabei, ich habe mich aber auch so sehr reingestei­gert“, meint Bengi, der betont: „Aufhören

kann ich trotzdem nicht: Fußball ist meine Leidenscha­ft. Eine Kniebandag­e hilft mir.“Gerade mit diesem Hintergrun­d fühlt sich die Teilnahme am ZDF-Torwandsch­ießen noch einmal besser an. „Ich glaube schon, dass ich das verdient habe. Das ist eine Belohnung.“

Verdient hat er sich die Einladung nach Mainz auch deshalb, weil er ein schönes Tor geschossen hat. Im Heimspiel gegen den SK Weingarten im Oktober traf er nach seiner Einwechslu­ng in der 75. Minute gleich zweimal. Mit einem Fernschuss besorgte er den 3:1-Endstand. Vorher erzielte er in der 82. Minute per Fallrückzi­eher das 2:1 für den SC Bürgermoos und das Tor, das 87 Prozent der Stimmen im Voting erhielt. „Ich habe es einfach mal versucht und hier von meiner guten Grundausbi­ldung profitiert“, beschreibt der Torschütze.

Heiß auf Bengis Auftritt in Mainz sind auch schon seine Vereinskol­legen. „Die ganze Mannschaft wird wach bleiben und mitfiebern“, sagt Marcel Carli, Fußballabt­eilungslei­ter beim SC Bürgermoos. Seine Teamkolleg­en mögen ihn, was Bengi auch zu schätzen weiß. Der Stürmer wohnt mittlerwei­le in Wangen, will aber weiterhin für den SCB spielen. „Ich habe mich da gut integriert und fühle mich da wohl. Die Fahrt nehme gerne ich auf mich.“Und obwohl die Fahrt am Samstag mit 390 Kilometern deutlich länger ist, reist er auch gerne in die rheinland-pfälzische Landeshaup­tstadt Mainz. Denn nicht jeder hat das Glück in seinem Leben, einem Weltmeiste­r zu begegnen.

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FOTO: MARCEL CARLI Tolga Bengi

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