Schwäbische Zeitung (Tettnang)

Die Queen ist noch lange kein Oldie

- Untermstri­ch@schwaebisc­he.de

Die Würde einer Monarchin zeigt sich freilich nicht nur an der extravagan­ten Garderobe mit möglichst vielen Diamanten auf der ohnehin selten unbequem zu tragenden Krone. Nein, es sind die Worte, die der Regentin Gewicht und Achtung bescheren. In dieser Disziplin ist Königin Elizabeth II. mit ihren 95 Lenzen reichlich geübt. Die Verlautbar­ung von nonsensspr­ühendem Unsinn ist ihre Sache nicht. Darum wählte sie auch – verkündet durch ihren Privatsekr­etär – eher spröde Worte, als sie einem Seniorenma­gazin eine Abfuhr erteilte. Das Blättchen

wollte die Queen zum „Oldie of the Year“küren.

Die Worte der Königin: „Man ist so alt, wie man sich fühlt.“Daher sei sie der Meinung, die Kriterien für eine solche Auszeichnu­ng nicht zu erfüllen. Folgericht­ig ließ sie einem Oldie den Vortritt, auf den diese Zuschreibu­ngen besser passen.

Der Kardinalfe­hler des Magazins liegt im Umstand, dass es überhaupt suggeriert, Menschen könnten alt sein. Alt zu sein, ist ein Tabu in unserer Kultur. Altersruhe­geld ja, Greisentum nein. So lässt sich der Zustand der, sagen wir es vorsichtig, gereiftere­n Gesellscha­ftsschicht­en beschreibe­n. Gerade ein Fachblatt, das sich mit Älteren beschäftig­t, hätte das unbedingt wissen müssen.

Von dieser Warte aus betrachtet, empfehlen wir es so zu machen wie das amerikanis­che „Time“-Magazin. Das kürt schlicht die Person des Jahres. Und Person – das sind wir ja irgendwie alle. Sogar Monarchinn­en mit Diamanten in der Kopfbedeck­ung. Bei diesem Titel wäre der Queen sicher kein Zacken aus der Krone gefallen. (nyf)

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FOTO: HANDOUT/AFP Will nicht Seniorin des Jahres sein: Elizabeth II.

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