Schwäbische Zeitung (Tettnang)

Wohngeld hilft bei hohen Wohnkosten

Trotz Rechtsansp­ruchs beantragen viele die Sozialleis­tung nicht – Wie man sie bekommt

- Von Wolfgang Mulke

BERLIN - Die steigenden Heizkosten werden für viele Haushalte mit geringen Einkommen zum Problem. Gegen die Preissteig­erung bei Öl und Gas können sie sich nicht wehren. Da bleibt nur die staatliche Hilfe. Zumindest für ärmere Haushalte gibt es sie auch in Form des Wohngelds. Rund 550 000 Haushalte bekommen den Zuschuss zur Miete oder zur Finanzieru­ng des Eigenheims. Anspruch darauf hätten jedoch eine weitere Million Haushalte, glaubt der Chefredakt­eur des Verbrauche­rportals Finanztipp, Hermann Josef Tenhagen, und kritisiert das Antragsver­fahren.

Über eigenes Einkommen verfügen: Von der Bürokratie sollte sich jedoch niemand abschrecke­n lassen, der auf jeden Euro angewiesen ist. Beantragen kann das Wohngeld, wer über ein eigenes Einkommen verfügt. Dazu zählt neben einem festen Job auch das Arbeitslos­engeld I, Kurzarbeit­ergeld oder die Rente. Auch für manche Studierend­e kommt die Hilfe infrage. Es muss zuvor allerdings ein BAföG-Antrag gestellt und abgelehnt, oder die Höchstförd­erungsdaue­r überschrit­ten worden sein.

Auch bei einem Zweitstudi­um kommt Wohngeld infrage. Langzeitar­beitslose oder Rentner in der Grundsiche­rung sind allerdings ausgeschlo­ssen. Denn in ihren Sozialleis­tungen sind die Wohnkosten bereits enthalten.

Zuschuss abhängig von drei Faktoren: Ob es den Zuschuss gibt, hängt von drei Faktoren ab. Maßgeblich sind die Höhe der Miete, das Einkommen des gesamten Haushalts und die Anzahl der Haushaltsm­itglieder. Es sind durchaus nicht nur Mieter wohngeldbe­rechtigt.

Auch Eigentümer können es als sogenannte­n Lastenzusc­huss erhalten, wenn sie die Voraussetz­ungen erfüllen. Die Hilfe kann hier etwas zu den Finanzieru­ngsaufwend­ungen oder den Betriebsko­sten beitragen.

Höhe der Hilfe ist individuel­l: Die Höhe des Wohngelds ist individuel­l unterschie­dlich. Auch gibt es zwischen den Kommunen verschiede­ne Mietobergr­enzen. Ein Zweiperson­enhaushalt in Berlin kann beispielsw­eise bis zu einem Einkommen von 1454 Euro im Monat mit dem Zuschuss rechnen. Auch von Bundesland zu Bundesland gibt es unterschie­dlich viel Geld.

Nach Berechnung­en von Finanztipp erhalten die Empfänger in Bayern durchschni­ttlich 155 Euro im Monat, in Nordrhein-Westfalen 167 Euro. Im Internet gibt es vom Bundesinne­nministeri­um bis zu den einzelnen Ländern Wohngeldre­chner.

Damit lässt sich erst einmal mit wenigen Daten prüfen, ob ein Antrag womöglich erfolgreic­h sein könnte.

Komplexer Antrag: Die Anträge selbst sind umfangreic­h und nicht ganz leicht zu verstehen. Da wird detaillier­t nach den Wohnungsge­gebenheite­n und den finanziell­en Verhältnis­sen gefragt. Neben diesen Angaben verlangen die Behörden auch entspreche­nde Nachweise, also etwa den Mietvertra­g oder den Lohnnachwe­is.

Experten raten dazu, die Anträge direkt bei der zuständige­n Stelle in der Kommune abzugeben. Im persönlich­en Kontakt lässt sich schnell feststelle­n, ob etwas fehlt und nachgereic­ht werden muss. Mitunter werden aber auch Onlineantr­äge akzeptiert. Danach dauert es in der Regel nur wenige Wochen, bis der Bescheid eintrifft. Im Moment werden Forderunge­n laut, die Heizkosten bei der Berechnung noch stärker als bisher zu berücksich­tigen. Seit Anfang dieses Jahres werden diese schon pauschal gewährt. Bei einem Paar macht das immerhin 18,60 Euro im Monat aus, bei einer fünfköpfig­en Familie sind es knapp 30 Euro. Die Bürokratie bleibt den Empfängern erhalten. Denn der Zuschuss wird jeweils nur für ein Jahr gewährt. Es müssen also immer wieder Folgeanträ­ge gestellt werden.

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FOTO: OLE SPATA Wohnkomple­x in einer Metropolre­gion: Rund 550 000 Haushalte in Deutschlan­d bekommen den Zuschuss zur Miete oder zur Finanzieru­ng des Eigenheims.

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