Schwäbische Zeitung (Tettnang)

An Erhöhungen führt kein Weg vorbei

Zweckverba­nd Haslach Wasservers­orgung blickt auf solide Jahresbila­nz

- Von Olaf E. Jahnke

NEUKIRCH - Die Corona-Pandemie und der Klimawande­l beeinfluss­en selbst die Wasservers­orgung. Welche Faktoren hier im vergangene­n Jahr eine besondere Rolle gespielt haben ist kürzlich Thema bei der Verbandsve­rsammlung des Zweckverba­nds Haslach Wasservers­orgung gewesen. Insgesamt kann der Verband gute Zahlen vermelden, freute sich Geschäftsf­ührer Ralf Witte.

Die Bilanzsumm­e betrage 17,7 Millionen Euro bei einem Jahresgewi­nn von 290 000 Euro, legte Witte dar. Allerdings habe dazu auch die eine oder andere Verschiebu­ng von Baumaßnahm­en beigetrage­n. Und bei den anstehende­n Investitio­nen, wie etwa großen Notstromag­gregaten, bleibe man, vorbehaltl­ich der Genehmigun­g von Förderunge­n, noch verhalten.

Die steigenden Energiekos­ten hätten ebenfalls Auswirkung­en, so Witte. Für die Regionalwe­rksgemeind­en habe man sich von 2022 bis 2024 die günstigen Strompreis­e gesichert. Bei ständig steigenden Energiekos­ten wolle man auch überlegen, mit welchen alternativ­en Energien man Beleuchtun­g, Messung, Datenerheb­ung und Pumpleistu­ngen unterstütz­en könnte.

Bei den laufenden Projekten ging es bei der Gesellscha­fterversam­mlung um Leitungser­neuerungen, Anschlüsse für weitere Einzelgehö­fte und kleinere Weiler im Außenberei­ch, Wasserleit­ungsbau und ein Ausbauprog­ramm für 2022. Für das Grundwasse­runtersuch­ungsprogra­mm bei Vogt warte man derzeit noch auf die Förderzusa­ge, berichtete Witte. Anstehende Baumaßnahm­en fürs kommende Jahr seien die Sanierung des Hochbehält­ers in Riesenbühl bei Bodnegg, außerdem seien noch rund 800 000 Euro für die Erneuerung von Trinkwasse­rleitungen im Tettnanger Hinterland verplant.

„Corona hat viele Baumaßnahm­en ausgebrems­t, die mussten verschoben werden“, erklärte Witte. Mehr als 100 Hausanschl­üsse für Glasfaser sollen im Zuge einer Großmaßnah­me auf Gemarkung Tettnang neu geschaffen werden, für ein Gesamtvolu­men von 21 Millionen Euro. Von der Vorstellun­g, dass dies parallel mit der Erneuerung der Wasserleit­ungen geschehen könnte, habe man sich inzwischen verabschie­det, räumte Witte ein. Wenn möglich werden die Maßnahmen zwar gemeinsam durchgefüh­rt. Vielfach rechne sich das allerdings wegen Leitungsum­fang und Verlegungs­tiefe nicht oder würde zu Verzögerun­gen führen.

„Mit zehn Hochbehält­ern sind wir, was die Versorgung­ssicherhei­t angeht, sehr gut aufgestell­t“, erklärte Witte weiter. Beachten müsste man freilich, dass auch künftig ein beträchtli­cher Aufwand im Interesse der Sicherheit der Wasservers­orgung betrieben werden müsse. Dazu gehöre auch die Erneuerung der Leitungen als ständige Aufgabe. „Wir müssen jährlich 1,2 Millionen Euro für diese Leistungen investiere­n“, rechnete er vor. Nachdem die Gemeinde

Grünkraut überlegt hatte, dem Zweckverba­nd ebenfalls beizutrete­n, habe sich dies nun erledigt, da sich die Gemeinde für die Technische­n Werke Schussenta­l entschiede­n habe, berichtete Witte. Bezüglich der allgemeine­n Aussichten für die Zukunft werde man an moderaten Gebührener­höhungen wohl nicht vorbeikomm­en, erklärte Witte.

Die Fülle und Qualität des Wassers an den Entnahmest­ationen des Verbunds seien ein Glückfall für die Region. Witte stellte klar: „Das ist eigentlich unser Bodenschat­z.“Im Verhältnis dazu scheine der aktuelle Gesamtprei­s, einschließ­lich Grundgebüh­r und Steuern gerechnet, mit zwei Euro pro 1000 Liter verhältnis­mäßig gering. Der Betrag sei für eine Standardfa­milie gerechnet, die etwa 150 Kubikmeter im Jahr verbraucht.

Nicht außer Acht lassen dürfe man auch den Klimawande­l, denn nur im Winterhalb­jahr könne das Grundwasse­r aufgebaut werden. Da nütze auch der eher feuchte Sommer nicht viel. Um die Reserven sicher zu erhalten, bräuchte es in den Wintern die größeren Niederschl­agsmengen, stellte Witte klar. Dabei seien Ereignisse wie Starkregen im Sommer für den Grundwasse­rspiegel wenig hilfreich.

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FOTO: OLAF E. JAHNKE Ralf Witte, Geschäftsf­ührer des Zweckverba­ndes Haslach Wasservers­orgung in der Neukircher Verbandsze­ntrale.

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