Schwäbische Zeitung (Tettnang)

Messermord in Gymnasium

18-Jähriger bringt an der Schule in St. Leon-Rot gleichaltr­ige Mitschüler­in um

- Von Nico Pointner und Martin Oversohl

ST. LEON-ROT (dpa) - Sankt Leon-Rot ist ein kleiner Ort, wohl einer von denen, in denen es sich ganz gut leben lässt, aber die kaum einer kennt. Rund 14.000 Einwohner, ein Golfclub, ein See, es gibt drei Fußballver­eine und ein großes Straßenfes­t. Am Donnerstag rauscht der Name der Gemeinde nahe Heidelberg auf tragische Weise bundesweit durch die Schlagzeil­en. Überall blinkt Blaulicht in dem Örtchen. Die Feuerwehr ist da, Rettungskr­äfte, die Polizei. Beamte sperren die Straßen ab, Einsatzlei­ter rufen nervös durch die Gegend. Verunsiche­rte Bürger versammeln sich vor dem Rathaus. Sirenengeh­eul. Vermummte, schwer bewaffnete Einsatzkrä­fte begeben sich durch die Glasfront in das LöwenrotGy­mnasium.

Eine Gewalttat in dem modernen Schulgebäu­de erschütter­t die kleine Gemeinde. Um 10.19 Uhr geht ein Notruf bei der Polizei ein. Zunächst ist die Rede von einer Frau, die in dem örtlichen Gymnasium schwer verletzt wurde. Bald ist klar: Es handelt sich um eine 18-jährige Schülerin. Und es wird bekannt, dass sie den Angriff nicht überlebt hat. Reanimatio­nsversuche noch am Tatort scheitern. Sie wurde niedergest­ochen mit einem Messer.

Wer für ihren Tod verantwort­lich ist, bleibt zunächst unklar. Doch schon früh sprechen die Einsatzkrä­fte davon, dass es sich wohl um eine Beziehungs­tat handelt. Der Verdächtig­e ist auf der Flucht. Ein Polizeihub­schrauber f liegt über den Ort, fahndet nach ihm. Zwar gehen die Beamten nicht von einer Gefahr für die Bevölkerun­g aus, aber ein Sprecher räumt ein: „Ich kann nicht in den Kopf der Person reinschaue­n, vieles ist möglich.“

Der Täter ist indes bereits weit weg. Er f lieht mit dem Auto. Erst in Seesen in Niedersach­sen, rund 312 Kilometer Luftlinie vom Tatort,

wird er schließlic­h festgenomm­en – nachdem er einen Unfall baut und dabei verletzt wird. Die Staatsanwa­ltschaft will am Freitag beim Amtsgerich­t in Heidelberg einen Haftbefehl gegen ihn beantragen.

Es handelt sich um einen 18jährigen Schüler. Er ist bei der Polizei offenbar kein Unbekannte­r. Bereits im November 2023 habe die Schülerin Strafanzei­ge gegen ihn wegen körperlich­er Gewalt gestellt, teilten Staatsanwa­ltschaft und Polizei mit. Abgesehen davon sei der Verdächtig­e strafrecht­lich bislang nicht in Erscheinun­g getreten.

Aus welchen konkreten Gründen der junge Mann die Schülerin tötete, das bleibt weiter offen. Die Polizei nennt keine Einzelheit­en. Das betroffene Gymnasium wurde 1998 als Privatgymn­asium Leimen mit einer Elterninit­iative gegründet. Derzeit werden nach Angaben der Schule dort 685 Schüler von 85 Lehrkräfte­n unterricht­et. „Besucher melden sich bitte immer im Sekretaria­t an“, steht auf einem großen Schild vor dem Gebäude. Die Homepage der Schule zeigt am Donnerstag eine Fehlermeld­ung an. Rund 650 Schüler werden am Vormittag evakuiert und an eine Sammelstel­le gebracht, laut Polizei in eine Sporthalle. Eltern holen sie nach und nach ab. Nach der Festnahme kehrt wieder etwas mehr Ruhe ein in St. Leon-Rot. Im Obergescho­ss der Schule sind Kriminalte­chniker der Polizei unterwegs.

Die Tat erinnert an eine andere Gewalttat im vergangene­n November in Offenburg. Damals hatte ein 15 Jahre alter Schüler einen Gleichaltr­igen in einer sonderpäda­gogischen Schule erschossen. Der Angriff des Deutschen hatte sich nach Polizeiang­aben in der 9. Klasse des Tatverdäch­tigen abgespielt. Der 15-jährige Schüler war demnach in sein Klassenzim­mer gekommen und hatte seinem Mitschüler mit einer Handfeuerw­affe in den Hinterkopf geschossen.

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