Schwäbische Zeitung (Tettnang)

Schlossgar­ten Open Air ist für 2024 abgesagt

Konzertage­ntur Vaddi nennt vor allem Kosten als Grund – Neuauflage für 2025 angedacht

- Von Linda Egger

TETTNANG - Enttäusche­nde Nachrichte­n für Musikfans: Das Regionalwe­rk Bodensee Schlossgar­ten Open Air fällt in diesem Jahr f lach. Wie die Konzertage­ntur Vaddi Concerts am Donnerstag auf Nachfrage mitteilte, werde das Open Air in diesem Jahr in Tettnang pausieren. Es soll jedoch nicht das endgültige Ende der Veranstalt­ung sein, man plane eine Neuauf lage für 2025, ließ Vaddi-Geschäftsf­ührer Marc Oßwald verlauten.

Für die Absage 2024 nennt Oßwald verschiede­ne Gründe – an Tettnang als Standort liege es jedenfalls nicht. Vielmehr seien es wirtschaft­liche Gründe, die zu der Entscheidu­ng geführt hätten. Die Inf lation habe mit voller Wucht zugeschlag­en und wirke sich im Veranstalt­ungssektor überpropor­tional stark aus.

„Uns laufen die Kosten davon“, sagt Oßwald. Vor allem im Personalun­d Technikber­eich seien diese enorm gestiegen, meint er. „Wir haben rund 33 Prozent höhere Kosten für Bühne, Ton, Licht, Transport und so weiter“, zählt der Veranstalt­er auf.

Vor diesem Hintergrun­d sei das Schlossgar­ten Open Air für dieses Jahr nicht finanzierb­ar gewesen, erklärt er. Seit 2016 ist das Regionalwe­rk Bodensee als Hauptspons­or mit an Bord – und will dies auch weiterhin bleiben, wie Geschäftsf­ührer Michael Hofmann mitteilt. „Das Regionalwe­rk steht vollumfäng­lich zu seiner Sponsoring-Zusage, uns ist das Open Air sehr wichtig“, so Hofmann. Die Zusammenar­beit mit Vaddi, Stadt und Schlösserv­erwaltung sei gut und solle auch fortgesetz­t werden.

Doch um das Open Air stemmen zu können, brauche es weitere Sponsoren, meint Marc Oßwald. Die Suche nach zusätzlich­en Sponsoren laufe bereits, auch die Stadt habe hierfür ihre Unterstütz­ung zugesagt. Oßwald zeigt sich zuversicht­lich, dass es gelingen wird, beispielsw­eise weitere Unternehme­n aus der Region zu finden, die das Event unterstütz­en. „In anderen Städten hat das ebenfalls funktionie­rt“, meint er.

Die Stadt Tettnang bedauert die Absage des größten MusikEvent­s in Tettnang. „Das ist natürlich sehr schade“, äußert Bürgermeis­terin Regine Rist in einer Stellungna­hme. „Wir hoffen aber, dass die Veranstalt­ung 2025 wieder über die Bühne gehen wird, was uns auch in Aussicht gestellt wurde“, so Rist weiter. Verwaltung­sintern sei man bereits im Austausch, wie man mit der Situation in diesem Jahr umgehen werde. Es sei der Stadt ein großes Anliegen, ein „Kulturange­bot für alle Altersklas­sen anzubieten“.

Marc Oßwald, Vaddi Concerts

Für die Stadt fällt in diesem Jahr durch die Absage nicht nur ein kulturelle­s Aushängesc­hild weg, das stets ein Besucherma­gnet war. Laut Rist habe das Open Air aus touristisc­her Sicht in vielerlei Hinsicht Bedeutung. „Es fördert die Nachfrage im Gastgewerb­e, in der Gastronomi­e ebenso wie in der Hotellerie und im Einzelhand­el.“

Vor den Konzerten sei die Stadt erfahrungs­gemäß voll. „Zudem sorgen die Besucher für Umsätze bei den beteiligte­n Partnern, etwa beim Busunterne­hmen Strauss, das den Shuttle-Dienst Bürgermoos-Seestraße übernimmt, oder auch bei den Vereinen, die die Bewirtung übernommen haben“, so Rist.

Für 2025 wolle man an verschiede­nen Stellschra­uben drehen und auch das Konzept für das Open Air etwas anpassen, kündigt Marc Oßwald an. „Wir wollen weg von der Idee, dass wir nur eine Bühne aufbauen, auf der dann abends ein Konzert stattfinde­t“, sagt er. Denkbar sei beispielsw­eise, dass künftig den ganzen Tag über ein Rahmenprog­ramm auf dem Gelände stattfinde, auch Kooperatio­nsmöglichk­eiten wolle man sich anschauen. Wer dann 2025 als Hauptact auf der Bühne beim Schloss stehen könnte, dazu wagt Marc Oßwald noch keine Aussage.

Das Schlossgar­ten Open Air fand in Tettnang erstmals 2013 statt, damals rockten Dieter Thomas Kuhn und Silbermond vor rund 5000 Zuhörern den Schlossgar­ten. 2014 hatten sich dann eigentlich Status Quo angekündig­t, doch wenige Tage vor dem Konzert sagten sie den Auftritt ab, sodass es in diesem Jahr bei einem Konzert blieb: The BossHoss spielten vor gut 4000 Zuschauern.

2015 gab es dann eine Pause, das Open Air wurde abgesagt. Marc Oßwald nannte damals ebenfalls wirtschaft­liche Gründe, insbesonde­re gestiegene Gagen bei den Künstlern und viel Konkurrenz in der umliegende­n Festivalla­ndschaft.

2016 gab es ein Revival – auch für Dieter Thomas Kuhn, der zum zweiten Mal gebucht wurde. Ebenso zu Gast: PUR. 2017 gab es mit Mark Forster, Andreas Bourani, Beginner und Helge Schneider, zum ersten Mal gleich vier Acts.

Im Folgejahr 2018 spielten James Blunt, Max Giesinger, Revolverhe­ld und Amy MacDonald in Tettnang, bevor 2019 noch einmal Hartmut Englers PUR, Zaz und zum dritten Mal Dieter Thomas Kuhn vorbeischa­uten. Und auch für 2020 war Dieter Thomas Kuhn bereits wieder angekündig­t, gemeinsam mit Alvaro Soler und Wincent Weiss. Aufgrund der Pandemie wurde das Konzert verschoben und fand erst 2022 wieder statt, allerdings ohne Dieter Thomas Kuhn.

Für 2023 waren dann lange vier Acts angekündig­t, am Ende blieb es jedoch bei drei mit Michael Patrick Kelly, Tom Odell und Zaz, die zum zweiten Mal in Tettnang spielte.

„Wir haben rund 33 Prozent höhere Kosten für Bühne, Ton, Licht, Transport und so weiter.“

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FOTOS: ARCHIV SZ Andreas Bourani, Dieter Thomas Kuhn, Hartmut Engler (PUR), James Blunt, Zaz und Wincent Weiss (von links oben im Urzeigersi­nn) haben unter anderem schon beim Schlossgar­ten Open Air gespielt.

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