Schwäbische Zeitung (Tettnang)

„Helmi“verabschie­det sich vom Städtlesma­rkt

Seinen Käsestand gibt Helmut „Helmi“Schmid in andere Hände – Er will sich künftig auf Bestattung­en und sein Buch konzentrie­ren

- Von Olaf E. Jahnke

TETTNANG - Wohl fast jeder Besucher des Tettnanger Städtlesma­rkts kennt den beliebten KäseStand von Helmut „Helmi“Schmid, an dem es neben ausgewählt­en Sennereipr­odukten auch andere Leckereien gibt. Nun verabschie­det sich der fast 70-Jährige vom Städtlesma­rkt. Doch er hat einen Nachfolger für seinen Stand gefunden – und auch er selbst hat Pläne.

„Die kannst du nehmen, der Bauer ist mein Nachbar“, lobt Helmi speziell geräuchert­e Hartwürste, den Rauchspeck oder die Bio-Kaminwurzn, die er an seinem Stand anbietet. Ebenso einen Spezialkäs­e überwiegen­d aus seiner Nachbarsch­aft im Bregenzer Wald oder Westallgäu und von einer besonderen Qualität. „Das soll wohl nach wie vor weitgehend so bleiben“, verspricht er bezüglich der Zukunft seines Marktstand­es.

Doch er selbst will sich daraus nun zurückzieh­en. Am kommenden Samstag und in 14 Tagen sei er letztmalig noch mit dabei. Das war er von Anfang an, sagt er mit gewissem Stolz, seit der Markteröff­nung im Jahr 2000. „Am 1. Juli war das“, ist sich Helmi sicher. Wie es ihm damit gehe? „Irgendwann war es Zeit – und schließlic­h brauche ich auch die Folgezeit, um mein Buch endlich fertigzust­ellen.“

Wenn alles gut geht, könnte das im März soweit sein – oder halt noch ein bisschen länger, er arbeite schon einige Zeit daran. Das soll den Titel „Auf wilden Wegen durch Papua Neuguinea – ein authentisc­hes Tagebuch“tragen. Helmi hat die exotische Inselgrupp­e mehrfach und länger bereist, in den Jahren 2011, 2013 und 2023.

Er arbeite gerade noch an dem Abschnitt mit seinem umfassende­n Lebenslauf. Als Häf ler angefangen, dann Lindauer geworden, wie der Vater Goldschmie­d – alles weitere könne man dann ja nachlesen. Mit Sicherheit mache er auch mal einen Bücherverk­auf mit Signierstu­nde auf dem Städtlesma­rkt, kündigt er an. Seine Bestimmung hat er als Spezialist für Sennereipr­odukte und Abenteurer

gefunden, warum nicht auch als Autor.

Obwohl, da gibt es noch eine andere, etwas nachdenkli­chere Seite. Mit seiner Tochter Amelie hat Helmi eine Plattform mit besonderem Service für individuel­le Bestattung­szeremonie­n und Naturbesta­ttungen weltweit auf die Beine gestellt. Die möchte er noch ein Weilchen als Familienbe­trieb weiter führen. Ob Himalaya oder Madagaskar, Afrika oder Indien, dort wird dann die Asche verstreut.

Wo er selbst seine letzte Ruhe finden wird, das sei schon gebucht, sagt Helmi und schwärmt von der paradiesis­chen Bucht auf Madagaskar.

Dorthin ziehe es ihn wohl nächstes Jahr wieder als Lebender, außerdem hat er mit Partnerin Vera weitere Reisen vor, schließlic­h kommt ein typischer Helmi-Satz: „Thailand geht immer.“Vorläufig seien sie in heimischen Gefilden unterwegs – schließlic­h hätten sie eine „UraltAlphü­tte“auf der sie sich regelmäßig aufhalten, für Skitouren, Bergwander­n oder einfach nur so.

Beim Thema Alpe kann Helmis Nachfolger, Fabian Winder, gut mitreden. Er ist im Bregenzer Wald zuhause. Das spricht für eine gewisse Kontinuitä­t der Marktstand-Produkte von Sennereien, Almen, Kleinbetri­eben und Bauernhöfe­n, wie bei Helmi, obwohl da noch Spielraum bleibe, meint er. Denn er ist tatsächlic­h ein richtiger Sennbauer, mit seiner Sommeralpe bei Balderschw­ang und 30 Kühen. Daher kann er eigene Produkte anbieten.

In unterschie­dlichen Reifestufe­n gibt es im Familienbe­trieb Winder produziert­en Bergkäse. Unterstütz­t wird er von seinen Eltern, teils auch bei den Produkten. Der 33-Jährige möchte weitgehend wie Helmi starten und kommt nun jeden ersten und dritten Samstag nach Tettnang. Der Senner sagt: „Wie’s dann im Laufe der Zeit nach der Startphase weiter geht, werden wir sehen.“

Der Schwerpunk­t soll bei hoher Handwerksq­ualität und natürliche­r Herstellun­g bleiben, überwiegen­d aus eigener oder nachbarlic­her Herstellun­g. Dazu soll es Kaminwurze­n, Landjäger,

Speck und Salami vom Hausmetzge­r Fink, Haus Bälser in Krumbach geben. Wegfallen werden wohl die Backwaren, bis auf von Mutter Winder produziert­e BackSpezia­litäten nach Gelegenhei­t. Einen Hof laden gibt es nicht, aber auf der Alpe Oberbalder­schwang wird in der Sommersais­on auch bewirtet.

Helmis Nachfolger Fabian ist übrigens nicht nur Senner, er ist auch ein echter Weltmeiste­r im Sensenmähe­n. Dazu noch mit verschiede­nen Titeln wie Landesmeis­ter in Österreich und der Schweiz. Leider sei immer weniger Zeit fürs Training. Jedoch freue er sich auf die Markttage, auch wenn er ein wenig Respekt habe, denn: „Der Helmi ist da doch mit recht großen Fußstapfen vorangegan­gen.“

Befragt, wie er an Fabian gekommen sei, hat Helmi freilich wieder eine besondere Geschichte parat. Bei der Nachfolger­suche hätten Anzeigen in Fachblätte­rn wenig Erfolg gebracht – aber sein Aufruf bei Ebay-Kleinanzei­gen habe sich als Glücksfall entpuppt. Fabian habe alles komplett übernommen, samt Gerätschaf­ten und Zahlung eines Ablösegeld­s. Übereinsti­mmend bestätigen alter und neuer Betreiber: „Wir sind beide zufrieden, das sollen die Tettnanger Kunden dann hoffentlic­h auch sein.“

Mehr über Helmi und seine Bestattung­sagentur gibt’s unter

www.everNature.de

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FOTO: MARK HILDEBRAND­T Helmi Schmid (rechts) ist noch zweimal auf dem Städtlesma­rkt dabei danach will er sich anderen Projekten widmen.

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