„Flag­ge zei­gen“für die Mit­te

FDP will in den Ge­mein­de­rat und dis­ku­tiert kom­mu­na­le The­men

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN - Von Jan Pe­ter Steppat

WAN­GEN - Nach ih­rer An­kün­di­gung, bei den Kom­mu­nal­wah­len im kom­men­den Jahr mit ei­ner ei­ge­nen Lis­te für den Wan­ge­ner Ge­mein­de­rat zu kan­di­die­ren, hat die hie­si­ge FDP am Don­ners­tag­abend in öf­fent­li­cher Run­de erst­mals The­men ge­sam­melt und dis­ku­tiert. Da­bei gab es zwei Kern­the­sen: Wan­gen ge­he es zwar gut und Ver­wal­tung so­wie ak­tu­el­le Ge­mein­de­rats­frak­tio­nen leis­te­ten grund­sätz­lich ver­nünf­ti­ge Ar­beit. Al­ler­dings feh­le es manch­mal am Mut – auch The­men an­ders oder neu zu den­ken. Zu­dem feh­le es in der Stadt an Vi­sio­nen über das Lan­des­gar­ten­schau­jahr 2024 hin­aus.

„Die Mit­te muss Flag­ge zei­gen. Und wir wol­len ge­stal­ten und nicht et­was ka­putt ma­chen“, fass­te Frank Scharr am En­de die gut ein­stün­di­ge und von rund zehn An­we­sen­den be­such­te Run­de im Gast­haus Schwar­zer Ha­sen zu­sam­men. Scharr, nach ei­ge­nem Be­kennt­nis erst seit kur­zem Mit­glied der Frei­en De­mo­kra­ten, kün­dig­te da­bei auch sei­ne ei­ge­ne Kan­di­da­tur für den Ge­mein­de­rat an. Glei­ches gilt für den Orts­ver­bands­vor­sit­zen­den Se­bas­ti­an Sche­rer und Klaus Sch­liz, die den Abend als Trio lei­te­ten. Fer­ner sind auf ei­nem Fly­er be­reits Klaus Da­di­scheck, Wolf­ram Bü­cking und Pe­ter Nes­sen­sohn als po­ten­zi­el­le Stadt­rä­te ver­merkt.

Am Don­ners­tag ging es aber nicht um Per­so­nen, son­dern um In­hal­te. Da stell­te Sche­rer zu­nächst das Feh­len be­zahl­ba­ren Wohn­raums, den The­men­kom­plex Par­ken/Ver­kehr/ In­nen­stadt so­wie ei­nen ab­seh­ba­ren Man­gel an Kurz­zeit­pfle­ge­plät­zen in den Mit­tel­punkt. Scharr er­gänz­te die Lis­te um die Breit­band­ver­sor­gung so­wie die For­de­rung nach bes­se­rem WLan in der In­nen­stadt.

Es be­wegt sich „al­les so zäh“

Als es um Ver­kehrsthe­men ging, stand zu­nächst vor al­lem die nach wie vor auf sich war­ten las­sen­de Bahn­un­ter­füh­rung an der B32 im Mit­tel­punkt – und die Furcht, dass die­se bis 2024 nicht fer­tig wer­den könn­te. Klaus Da­di­scheck be­merk­te da­zu: Es be­we­ge sich zwar Vie­les, „aber al­les so zäh“. Auf­ge­hängt an die­sem Bei­spiel stell­te sich auch her­aus, dass es der Run­de in Wan­gen an „Vi­sio­nen“man­ge­le: Wo die Stadt nach 2024 hin wol­le, sei nicht klar, we­der bei der wirt­schaft­li­chen und tou­ris­ti­schen Ent­wick­lung noch bei In­no­va­ti­ons­fra­gen. Frank Scharr er­klär­te mit Blick auf die Jah­re 2030 bis 2040: „Die­se Fra­gen sind bei kei­ner Frak­ti­on auf dem Zet­tel.“Klaus Sch­liz for­der­te aber ge­nau dies: „Der Bür­ger lebt nicht in der Vi­si­on. Das ist Auf­ga­be des Ra­tes.“

Bei­spiel­haft mach­te er das an der Woh­nungs­bau­po­li­tik deut­lich: Bau­ge­bie­te sei­en bis­lang im­mer nur dann aus­ge­wie­sen wor­den, wenn der Be­darf da sei. In Sa­chen Pfle­ge feh­le es an­ge­sichts ei­ner al­tern­den Be­völ­ke­rung vor al­lem an Kon­zep­ten für die Ort­schaf­ten: „Wenn wir da jetzt nicht in die Zu­kunft den­ken, dann ha­ben wir die die In­fra­struk­tur 2030 oder 2035 nicht fer­tig.“Frank Scharr er­wei­ter­te die FDP-Kri­tik an den Per­spek­ti­ven zu­dem um die lang­fris­ti­ge Flä­chen­nut­zung und be­nann­te die Kauf­land­bra­che, das ehe­ma­li­ge Dach­ser­ge­län­de und das im FDP-Fly­er als „Ar­gen­bo­gen“be­zeich­ne­te frü­he­re NTW-Are­al.

Un­term Strich wa­ren dies kri­ti­sche Wor­te in Rich­tung Stadt­po­li­tik. Al­ler­dings wol­len die Frei­en De­mo­kra­ten de­ren Ar­beit nicht in Bausch und Bo­gen ver­dam­men: „Uns geht es in Wan­gen re­la­tiv gut und Ver­wal­tung und Rat ha­ben kei­ne schlech­te Ar­beit ab­ge­lie­fert“, sag­te zum Bei­spiel Scharr. Al­ler­dings ha­be sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren und Jahr­zehn­ten die Blick­rich­tung nie ver­än­dert. Dies zu än­dern, „da­für wer­den wir Ohr­fei­gen krie­gen oh­ne En­de. Aber das hal­ten wir aus“, so Scharr. Se­bas­ti­an Sche­rer sah das Ver­las­sen von „Tram­pel­pfa­den“gar als not­wen­dig, der Po­li­tik­ver­dros­sen­heit zu be­geg­nen: Vie­le Men­schen hät­ten das Ge­fühl, „dass sich gar nichts mehr be­wegt“.

Zur Be­we­gung will hin­ge­gen die FDP bei­tra­gen, soll­te sie 2019 den Ein­zug in den Ge­mein­de­rat schaf­fen. Ein bis zwei Ver­tre­ter gab Se­bas­ti­an Sche­rer als Ziel aus. Bis da­hin soll wei­ter an den In­hal­ten ge­ar­bei­tet wer­den – al­ler­dings „oh­ne vor­ge­fass­te Kon­zep­te“, wie Frank Scharr be­ton­te. Viel­mehr wol­le man auf die Wün­sche der Bür­ger ein­ge­hen. Und Klaus Sch­liz kün­dig­te für den Fall ei­nes Wah­l­er­folgs den ent­spre­chen­den Dia­log auch wäh­rend der lau­fen­den Le­gis­la­tur­pe­ri­ode an.

Wei­te­re Bür­ger­ge­sprä­che plant die FDP in Wan­gen am 10. Ja­nu­ar und am 14. Fe­bru­ar. Am 6. Fe­bru­ar sol­len die Kan­di­da­ten für die Ge­mein­de­rats­wahl of­fi­zi­ell no­mi­niert wer­den.

FO­TO: STEPPAT

Pe­ter Nes­sen­sohn, Frank Scharr, Klaus Sch­liz, Se­bas­ti­an Sche­rer und Klaus Da­di­schek wol­len für den Ge­mein­de­rat kan­di­die­ren.

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