Haus­halts­ge­rä­te be­stellt und nicht be­zahlt

Amts­ge­richt ver­ur­teilt Mann zu zwei­ein­halb Jah­ren Frei­heits­stra­fe we­gen Be­trugs

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN -

WAN­GEN (ni­ky) - Vor dem Amts­ge­richt Wan­gen muss­te sich ein Mann we­gen mehr­fa­chen Be­trugs ver­ant­wor­ten. Di­rekt zu An­fang mach­te der Ver­tei­di­ger klar, sein Man­dant räu­me al­le An­kla­gen voll und ganz ein. Die Staats­an­walt­schaft warf ihm den Kauf von Haus­halts­ge­rä­ten und Au­to­tei­len un­ter Vor­täu­schung von Zah­lungs­fä­hig­keit vor.

Staub­sau­ger­r­o­bo­ter und Kaf­fee­voll­au­to­ma­ten

Der An­ge­klag­te hat­te in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren teils hoch­wer­ti­ge Haus­halts­wa­ren und Au­to­tei­le im Gesamtwert von knapp 17 000 Eu­ro er­wor­ben, dar­un­ter ne­ben Din­gen wie Staub­sau­ger­r­o­bo­ter und Kaf­fee­voll­au­to­ma­ten auch ei­nen Dampf­ga­rer, der auf der Rich­ter­bank zu ei­ner kur­zen De­bat­te über Zu­be­rei­tungs­me­tho­den per Dampf­ga­rer führ­te. Mit den Ge­rät­schaf­ten deck­te er sich selbst, sei­ne Freun­din und auch sei­ne El­tern ein, bei de­nen er ak­tu­ell in ei­ner Ein­lie­ger­woh­nung wohnt.

Ne­ben Au­to­tei­len für sein Au­to, das er spä­ter aus Geld­grün­den verkaufen muss­te, ließ es sich der An­ge­klag­te auch nicht neh­men, sich ei­ne Tas­se und ei­ne Geld­bör­se von BMW auf die Rech­nung zu schrei­ben. Auch die Haus­halts­ge­rä­te er­warb er auf Rech­nung, zahl­te die­se je­doch nicht. So­mit hat er den be­trof­fe­nen Fir­men, bei de­nen er be­stell­te, fi­nan­zi­el­len Scha­den zu­ge­fügt. Auf die Fra­ge, wie er sich vor­ge­stellt ha­be, die Ein­käu­fe zu be­zah­len, gab der An­ge­klag­te an, er ha­be ge­hofft, bald wie­der ei­nen Job zu be­kom­men. Der An­ge­klag­te war ver­let­zungs­be­dingt das gan­ze Jahr 2017 auf Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­wie­sen. Zu­dem war er be­reits ver­schul­det. Des­we­gen un­ter­stell­te der Rich­ter ihm Vor­satz im dem Sin­ne, dass er sel­ber wuss­te, er kön­ne die Rech­nun­gen nicht be­zah­len.

Ver­tei­di­ger bleibt nur, um mil­des Ur­teil zu bit­ten

Zu Guns­ten des An­ge­klag­ten sprach laut Staats­an­wäl­tin das um­fäng­li­che Ge­ständ­nis so­wie der Ein­druck, er ha­be sein Han­deln re­flek­tiert. Ge­gen ihn sprach zu zu­nächst, dass er seit 2008 im­mer wie­der we­gen klei­ne­ren Dieb­stahls- und Be­trugs­de­lik­ten auf­fiel. Un­ter an­de­rem we­gen Be­trugs­fäl­len bei „Ebay Klein­an­zei­gen“stand er noch un­ter Be­wäh­rung. Des­halb sei der An­ge­klag­te ein „gro­ßes Ri­si­ko ein­ge­gan­gen, noch ein­mal Be­trug zu be­ge­hen“, so der Rich­ter. Die Staats­an­wäl­tin for­der­te zu­sätz­lich ein Er­set­zen des noch im Raum ste­hen­den Scha­dens an die Fir­men. Der Ver­tei­di­ger sah die Si­tua­ti­on rea­lis­tisch: „Er wird ei­ne Vor­stra­fe be­kom­men, die nicht zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wird. Mir bleibt nur üb­rig, um ein mil­des Ur­teil zu bit­ten.“Die­ses Ur­teil be­rief sich am En­de auf zwei Jah­re und sechs Mo­na­te Haft. Oben­drauf kom­men für den An­ge­klag­ten, der noch nie im Ge­fäng­nis war, un­ter Um­stän­den noch zwei Jah­re der noch aus­ste­hen­den Be­wäh­rungs­zeit, so der Rich­ter.

Mit den Wor­ten „wo nichts ist, hat der Kai­ser sein Recht ver­lo­ren“mach­te der Rich­ter deut­lich, es ma­che kei­nen Sinn, die ent­stan­de­nen Kos­ten jetzt vom ver­schul­de­ten An­ge­klag­ten noch ein­zu­for­dern. Die­ser sei so­wie­so ver­schul­det. Die letz­ten Wor­te des An­ge­klag­ten und Va­ters ei­nes klei­nen Kin­des lau­te­ten mit schluch­zen­der Stim­me: „Ich kann nur sa­gen, dass es mir leid tut und ich ger­ne für mei­nen Soh­ne­mann da wä­re.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.