Ski­aus­flug en­det töd­lich

Män­ner aus Ober­schwa­ben ster­ben nach La­wi­nen­ab­gang in den Al­pen

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WIR IM SÜDEN -

LECH (sz/dpa) - Seit Ta­gen schneit es fast oh­ne Pau­se in den Al­pen. Ei­ne kur­ze Wet­ter­be­ru­hi­gung am Sams­tag wol­len vier Freun­de aus Ober­schwa­ben nut­zen. Sie trau­en sich auf ei­ne ex­trem stei­le Ab­fahrt im ös­ter­rei­chi­schen Lech. Die sonst prä­pa­rier­te Pis­te ist aber ge­sperrt. Der Aus­flug wird min­des­tens drei der Män­ner zum Ver­häng­nis. Die Su­che nach dem vier­ten Ver­schüt­te­ten (28) ist we­gen star­ken Schnee­falls am Sonn­tag nicht mög­lich. Fra­gen und Ant­wor­ten zu ei­nem der schwers­ten La­wi­nen­un­glü­cke die­ses Win­ters:

Wer sind die Op­fer des La­wi­nen­ab­gangs?

Es sind vier Män­ner aus Ober­schwa­ben. Bei den drei ge­tö­te­ten Ski­fah­rern han­delt es sich laut Po­li­zei­an­ga­ben um 57, 36 und 32 Jah­re al­te Män­ner. Un­ter den Op­fern ist Ste­fan Schef­fold, Vor­stands­mit­glied der Volks­bank All­gäu-Ober­schwa­ben mit Sitz in Leut­kirch. Das be­stä­tig­te des­sen Vor­stands­kol­le­ge Jo­sef Ho­drus auf Nach­fra­ge der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Zu der Grup­pe ge­hör­ten nach In­for­ma­tio­nen der Zei­tung auch Mit­glie­der der Turn­ge­mein­de Bi­be­rach. Ein 28-Jäh­ri­ger wird noch ver­misst.

Wo ist das Un­glück pas­siert?

Die Ski­fah­rer wa­ren of­fen­kun­dig auf der Rou­te „Lan­ger Zug“am Rüfi­kopf un­ter­wegs. Die Ab­fahrt gilt als ei­ne der zehn steils­ten der Welt. Am Start geht es auf rund 850 Me­tern Stre­cke 400 Hö­hen­me­ter berg­ab. Schon un­ter bes­ten Be­din­gun­gen ist das nur Kön­nern zu emp­feh­len.

Wie wur­den die Op­fer ge­fun­den?

Die Ehe­frau ei­nes Ski­fah­rers hat­te am Sams­tag­abend ge­gen 19.50 Uhr ei­ne Ver­miss­ten­an­zei­ge auf­ge­ge­ben, wie die Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Vor­arl­berg mit­teilt. Drei der vier Ski­fah­rer wur­den schließ­lich ge­gen 23 Uhr mit­tels Han­dy­or­tung ge­fun­den – und tot ge­bor­gen.

Wa­ren die Ski­fah­rer vor­be­rei­tet?

Al­le vier hat­ten laut Be­hör­den ei­ne kom­plet­te Not­fall­aus­rüs­tung da­bei. Da­zu ge­hört ein Peil­sen­der für Ver­schüt­te­te, ei­ne Son­de zur et­wai­gen Su­che im tie­fen Schnee, ei­ne Schau­fel und vor al­lem ein Ruck­sack mit La­wi­ne­n­air­bag. Der Air­bag soll da­für sor­gen, dass bei ei­nem La­wi­nen­ab­gang Ski­fah­rer nicht all­zu tief ver­schüt­tet wer­den, son­dern an der Ober­flä­che prak­tisch mit den Schnee­mas­sen mit­schwim­men kön­nen. In die­sem Fall war der Air­bag je­weils auf­ge­gan­gen – aber oh­ne ret­ten­de Wir­kung.

Sind die­se Op­fer mit ih­rer Ri­si­ko­be­reit­schaft ei­ne Aus­nah­me?

Nein. Im­mer wie­der wer­den die Ap­pel­le igno­riert, an­ge­sichts der La­wi­nen­ge­fahr auf prä­pa­rier­ten Pis­ten zu blei­ben. Nach Ein­schät­zung des Bür­ger­meis­ters von Lech, Lud­wig Mu­xel, trägt das Ver­trau­en in die Aus­rüs­tung da­zu bei. Aber auch die bes­te Aus­rüs­tung ist bei die­sen Na­tur­ge­wal­ten nicht im­mer in der La­ge, Men­schen­le­ben zu ret­ten. Un­ter­schätzt wird vor al­lem La­wi­nen­warn­stu­fe 3 (er­heb­li­che Gefahr) auf der fünf­stu­fi­gen Ska­la. Stu­fe 3 herrsch­te am Sams­tag am Arl­berg.

Wie lan­ge kann man in ei­ner La­wi­ne über­le­ben?

In den ers­ten 15 Mi­nu­ten sind die Über­le­bens­chan­cen noch recht groß – vor­aus­ge­setzt, der Ski­fah­rer ist von den Schnee­mas­sen nicht schon ge- gen Bäu­me oder Fel­sen ge­schleu­dert wor­den. Je­de Mi­nu­te spä­ter sinkt die Wahr­schein­lich­keit für ein gu­tes En­de. Vie­le Op­fer er­sti­cken un­ter den ex­trem ver­dich­te­ten Schnee­mas­sen, die wie Be­ton auf den Ver­un­glück­ten las­ten.

Wie soll man sich bei ei­nem La­wi­nen­ab­gang ver­hal­ten?

So­fort die Stö­cke weg­wer­fen und um je­den Preis ver­su­chen, mit Schwimm­be­we­gun­gen na­he der Ober­flä­che zu blei­ben. Schließ­lich mit den Händen um Mund und Na­se ei­nen zu­min­dest klei­nen Atem­raum bil­den.

Sind La­wi­nen in den Al­pen die töd­lichs­te Gefahr?

Definitiv nicht, zu­min­dest wenn man das ge­sam­te Jahr be­trach­tet. Nach ak­tu­el­len Zahlen des Ku­ra­to­ri­ums für al­pi­ne Si­cher­heit sind in den ös­ter­rei­chi­schen Al­pen im ver­gan­ge­nen Jahr 268 Men­schen töd­lich ver­un­glückt. Beim Wan­dern und Berg­stei­gen star­ben 88 Men­schen, auf Ski­rou­ten und Pis­ten – al­so im ge­si­cher­ten Ski­raum – ka­men 30 Sport­ler ums Le­ben. Im Som­mer star­ben auf den Ber­gen dop­pelt so vie­le Men­schen (128) wie im Win­ter (63).

Gab es auch prominente La­wi­nen­op­fer?

Die nie­der­län­di­sche Kö­nigs­fa­mi­lie ver­bringt ih­ren Win­ter­ur­laub seit Jahr­zehn­ten in Lech. 2012 wur­de Prinz Friso, der Bru­der des jet­zi­gen Kö­nigs Wil­lem-Alex­an­der, von ei­ner La­wi­ne ver­schüt­tet und er­lang­te nie wie­der das Be­wusst­sein. Friso starb im August 2013 im Pa­last sei­ner Mut­ter in Den Haag.

FO­TO: DPA

Trotz La­wi­nen­ge­fahr zieht es im­mer wie­der Ski­fah­rer auf nicht prä­pa­rier­te Pis­ten. Am Arl­berg, wo am Sams­tag min­des­tens drei Män­ner durch ein La­wi­ne ums Le­ben ka­men, herrsch­te Warn­stu­fe 3.

GRA­FIK: AFP

Hier sind die Ski­fah­rer ums Le­ben ge­kom­men.

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