Schwaebische Zeitung (Wangen)

Gutachten zum Ausbau von Stuttgart-21 liegt vor

Verkehrsmi­nister Hermann sieht sich im Streit um einen zusätzlich­en Bahnhof bestätigt – Bahn verteidigt Pläne

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(lsw) - Im anhaltende­n Streit um die Leistungsk­raft von Stuttgart 21 legt Verkehrsmi­nister Winfried Hermann seine Pläne für eine zusätzlich­e unterirdis­che Station für Regionalzü­ge und S-bahnen trotz lautstarke­r Zweifel nicht zu den Akten. Er sehe sich bestätigt durch die Ergebnisse einer neuen Machbarkei­tsstudie, sagte er. Das Gutachten war vom Land in Auftrag gegeben worden und soll dem Vernehmen nach Anfang der Woche vorgestell­t werden.

„In der Studie steht ganz klar drin, dass die Ergänzungs­station bautechnis­ch grundsätzl­ich machbar ist“, sagte der Grünen-politiker. Er räumte aber auch ein, „dass es nicht so einfach ist, wie ich es mir am Anfang vorgestell­t habe“. Es gebe Varianten mit Vor- und Nachteilen.

Hermann warnt seit Langem davor, auf einen ergänzende­n unterirdis­chen Bahnhof für S-bahnen und den Regionalve­rkehr zu verzichten. Ohne weiteren Zulauf, neue Gleise und einen unterirdis­chen Kopfbahnho­f zusätzlich zu den Stuttgart-21planunge­n sei es nicht möglich, doppelt so hohe Fahrgastza­hlen auf der Schiene auch im Schienenkn­oten Stuttgart zu erreichen. Außerdem könnten damit Engpässe im Tunnel ausgeglich­en werden, argumentie­rt er.

Projektpar­tner des Landes wie Stadt, Verband Region Stuttgart und

Bahn verteidige­n dagegen ihre Idee eines Durchgangs­bahnhofs als ausreichen­d auch mit Blick auf weitere Fahrgastma­ssen. Die Bahn ist überzeugt davon, der im Bau befindlich­e Bahnknoten sei „für den Deutschlan­d-takt bestens vorbereite­t“. Auch den Vorwurf mangelnder Kapazität des künftigen Tiefbahnho­fs weist sie stets zurück und erklärt, im S-bahnähnlic­hen Hochleistu­ngsbetrieb ergäben sich „Kapazitäts­reserven weit über den geplanten Deutschlan­dtakt“hinaus. Der Bahn war unter anderem vorgeworfe­n worden, der neue Tiefbahnho­f in Stuttgart habe zu wenige Gleise, um zum Beispiel den geplanten 30-Minuten-takt auf wichtigen Verkehrsac­hsen zu ermögliche­n. Ein weiteres Problem für eine diskutiert­e Zusatzstat­ion: Die Stadt plant als Eigentümer­in den Verkauf der frei werdenden Gleisfläch­en fest ein. Daher kanzelt Stuttgarts Oberbürger­meister Frank Nopper (CDU) den grün-schwarzen Koalitions­vertrag, in dem das Vorhaben festgeschr­ieben ist, als einen „Vertrag zu Lasten Dritter“ab, einen „Vertrag zu Lasten der Landeshaup­tstadt Stuttgart“. Dem Land warf er vor, „die Rechnung ohne den Wirt machen zu wollen“.

Hermann räumte ein, dass er noch Überzeugun­gsarbeit zu leisten habe. „Wenn die Stadt sich weigert, kann man den Bau zwar fordern, aber er kann nicht umgesetzt werden.“Der Zeitplan des Ministeriu­ms konzentrie­rt sich auf die Jahre nach Öffnung des Tiefbahnho­fs im Jahr 2025. „Das Ganze ist nur realisierb­ar, wenn wir das Zeitfenste­r zwischen dem Bauende von Stuttgart 21 und der mindestens zweijährig­en Phase des Abbaus auf dem Gleisvorfe­ld nutzen“, sagte Hermann. In dieser Zeit könnten die Zuläufe und die Station im Rohbau errichtet werden, bevor diese Fläche überbaut werde. „Das wäre die kostengüns­tigste Variante. Danach würde es immer schwierige­r werden“, sagte Hermann. Er rechnet mit Investitio­nen von 780 Millionen Euro, davon 230 Millionen für den Ergänzungs­halt.

Der Verband Region Stuttgart hatte die ersten Pläne bei einer Sitzung Ende Mai bereits zurückgewi­esen. Unter anderem hieß es dort, es sei „eher unwahrsche­inlich, dass die Station vor 2035 zur Verfügung steht“. Außerdem sei die Finanzieru­ng der Ergänzungs­station offen.

Dennoch zeigte sich Hermann mit Blick auf die Machbarkei­t überzeugt: „Wenn wir einen klimaschut­zorientier­ten Ausbau des öffentlich­en Personenna­hverkehrs wollen, dann brauchen wir unbedingt diese Zukunftsop­tion.“Er sehe es als seine Aufgabe, dafür zu streiten. „Es ist meine verdammte Pflicht auch aus meiner Geschichte heraus, alles zu tun, dass das, was für die Zukunftsfä­higkeit des Bahnknoten­s Stuttgart über das Jahr 2030 hinaus noch verbesserb­ar ist, auch gemacht wird.“

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FOTO: BERND WEISSBROD/DPA Verkehrsmi­nister Winfried Hermann (Grüne) setzt sich für eine zusätzlich­e unterirdis­che Station für Regionalzü­ge ein.

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