Nicht ein­fach ein Start-up: Col­loq

SCREENGUIDE - - Inneres - TExT: An­selm Han­ne­mann

Hin­ter den Ku­lis­sen der Event-Platt­form

Es gibt viel über neue Start-ups zu le­sen, aber meist sind es doch we­nig prak­ti­sche Er­fah­run­gen oder Tipps. Die Grün­der der neu­en Event-Platt­form Col­loq ge­hen an vie­len Stel­len an­de­re We­ge als das, was als „Best Prac­tice” gilt. Statt­des­sen spie­len per­sön­li­che Über­zeu­gun­gen ei­ne un­ge­wohnt gro­ße Rol­le.

Für vie­le Web­de­si­gner und Selb­stän­di­ge ist es nicht gera­de ein­fach, sich mit ih­rer Ar­beit zu iden­ti­fi­zie­ren und den schma­len Grat zwi­schen Kun­den­wün­schen und ei­ge­nen An­sprü­chen zu er­fül­len. Im Lau­fe ei­ner Kar­rie­re kann sich so Frus­tra­ti­on auf­stau­en, ei­ni­ge Web­de­si­gner re­si­gnie­ren und las­sen die Qua­li­tät lei­den – was mit der Zeit auch an der Mo­ti­va­ti­on frisst. Nur we­ni­ge schaf­fen es, Kun­den­ar­beit mit den ei­ge­nen An­sprü­che zu ver­ei­nen. Doch wie kommt es über­haupt zu die­sen Pro­ble­men? Die­se Fra­gen stel­le ich mir seit ei­ni­ger Zeit – und ge­be nun, da ich viel dar­über ge­lernt ha­be, ei­nen per­sön­li­chen Ein­blick.

Mit der Platt­form Col­loq ha­be ich im Herbst letz­ten Jah­res mei­nen ers­ten Schritt ge­tan, um un­ab­hän­gi­ger von Kun­den­ar­beit zu wer­den [col­loq.io]. Aber auch um mei­ne ei­ge­nen Traum­vors­tel- lun­gen von Ar­beits­be­din­gun­gen über Zu­sam­men­ar­beit im Team bis hin zu Aus­zah­lungs­mo­del­len und ei­ner tech­ni­schen Um­set­zung nach ei­ge­nen An­sprü­chen zu ver­wirk­li­chen.

WAS IST COL­LOQ?

Col­loq ist ei­ne On­li­ne-Platt­form, die sich rund um Events und Kon­fe­ren­zen dreht. Sie soll Or­ga­ni­sa­to­ren von Events ei­ne ein­fa­che Mög­lich­keit ge­ben, Events zu pro­mo­ten, aber auch Hil­fe­stel­lung bei der Spre­cher-Su­che oder Zeit­pla­nung ge­ben. Auch Teil­neh­mer und Nicht-Teil­neh­mer sol­len pro­fi­tie­ren kön­nen: So möch­ten wir es ein­fach ma­chen, pas­sen­de Events zu den ei­ge­nen In­ter­es­sen zu fin­den und die In­hal­te, die auf Events er­stellt wer­den, in ei­nem Ar­chiv zu sam­meln. So kann der ein oder an­de­re Abend mit Kon­fe­renz­vi­de­os und Sli­de­decks ver­bracht wer­den,

oh­ne sich die­se müh­sam selbst her­aus­su­chen zu müs­sen. Das Ziel ist hier­bei nicht, ein­fach nur ei­ne Lis­te an Events zu bie­ten, son­dern ei­ne Platt­form be­reit­zu­stel­len, die auch als Aus- und Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­keit ge­nutzt wer­den kann.

Hin­ter Col­loq steht ein Team von drei Leu­ten: An­selm Han­ne­mann aus der Nä­he von Mün­chen, To­bi­as Tom aus Lis­s­a­bon und Hol­ger Bar­tel aus Hong Kong. Al­le sind seit vie­len Jah­ren selbst­stän­di­ge Webent­wick­ler, ha­ben vie­le Tech­no­lo­gie­wech­sel mit­ge­macht, ei­ne Viel­zahl an ver­schie­de­nen Pro­jek­ten je­der Grö­ßen­ord­nung ge­se­hen und möch­ten nun aus­pro­bie­ren, ein ei­ge­nes Un­ter­neh­men um­zu­set­zen.

MO­DER­NE ETHIK UND ARBEITSKONZEPTE

Mit Col­loq ha­ben wir nicht nur ein di­gi­ta­les Pro­jekt an­ge­fan­gen, son­dern ei­nen Pro­zess ins Rol­len ge­bracht, der uns al­le drei seit lan­ger Zeit be­schäf­tigt. So stör­ten uns vie­le Ar­beits­mo­del­le, die ei­ne Ar­beit von über­all auf der Welt nicht zu­las­sen. Auch ein „9–5 Job” ist nicht das, was wir uns vor­stell­ten. Die Be­zah­lung soll­te fair und leis­tungs­ab­hän­gig sein, aber mit ei­ner Art so­zia­ler Gr­und­ab­si­che­rung. Die Ar­beit soll Spaß ma­chen, ethisch ver­tret­bar sein, und best­mög­lich um­ge­setzt wer­den kön­nen.

Die meis­ten On­li­ne-Ser­vices wer­den heut­zu­ta­ge als Start-ups, mit­hil­fe von In­ves­to­ren- oder Ven­ture-Ka­pi­tal um­ge­setzt. Da­bei bin­det man sich nicht nur stark an Drit­te, man räumt Ih­nen auch weit­räu­mi­ges Mit­spra­che- und Ent­schei­dungs­recht ein und ver­sucht, in mög­lichst kur­zer Zeit er­folg­reich zu sein. Vie­le wol­len da­mit schnell viel Geld ver­die­nen und das Start-up dann an ei­nen der Big Play­er auf dem Markt ver­kau­fen.

Als Selb­stän­di­ge ist un­ser Ziel mit Col­loq je­doch, et­was auf­zu­bau­en, woran wir im Ide­al­fall bis zu un­se­rem Ru­he­stand ar­bei­ten kön­nen. Wir möch­ten auch nicht in ir­gend­ei­ne Rich­tung ge­drängt wer­den, die der Markt oder die Wirt­schaft vor­gibt, son­dern un­se­re ei­ge­nen Ide­en um­set­zen – auch wenn es nicht der ein­fachs­te und schnells­te Weg ist, um Geld zu ver­die­nen. Im Grun­de ge­nom­men exis­tiert die­ses Kon­zept be­reits seit Jahr­hun­der­ten – es ist nur in der Web-Sze­ne aus der Mo­de ge­kom­men, ein nor­ma­les Un­ter­neh­men mit Ei­gen­ka­pi­tal, über Zeit und da­mit nach­hal­tig auf­zu­bau­en. Das ist aber genau das, was wir er­rei­chen möch­ten – ein ehr­li­ches, nach­hal­ti­ges er­folg­rei­ches Pro­jekt auf­zu­bau­en, das es uns er­mög­licht, ei­ne Platt­form an­zu­bie­ten, die lan­ge ih­ren Zweck er­füllt, bei der die User nicht nach ein oder zwei Jah­ren leer da­ste­hen, weil der Ser­vice ver­kauft wur­de. Hof­fent­lich sind die­se User auch in zehn Jah­ren noch un­se­re User und kön­nen pas­sen­de Events fin­den und von de­ren In­hal­ten ler­nen.

VON DER IDEE ZUR WIRK­LICH­KEIT – WAR­UM VIE­LE SI­DE-PRO­JECTS SCHEI­TERN

2011 war To­bi­as Tom mit mir in ei­nem Irish Pub in Düs­sel­dorf. Mit ei­ner klei­nen Grup­pe, die sich im Jahr zu­vor auf der bey­ond­tel­ler­rand-Kon­fe­renz ge­fun­den hat­te, sa­ßen wir am letz­ten Abend zu­sam­men und dis­ku­tier­ten über di­ver­se The­men. Mit da­bei auch vie­le ei­ge­ne Ide­en. Die Idee von To­bi­as, ei­ne Platt­form zu bau­en, die Kon­fe­renz-Teil­neh­mer ver­bin­det, ih­nen ei­nen ech­ten Mehr­wert bie­tet, stieß bei mir auf of­fe­ne Oh­ren, denn ich hat­te ei­ne ähn­li­che Idee schon seit Län­ge­rem im Kopf. Und so hat­ten wir ei­ne Ver­bin­dung ge­schaf­fen, die uns, oh­ne es zu wis­sen, Jah­re spä­ter wie­der zu­sam­men­brach­te. Zu­nächst ein­mal ge­schah recht we­nig, wir hat­ten ge­nug mit Kun­den­pro­jek­ten zu tun und zu we­nig Ehr­geiz, ein so gro­ßes Pro­jekt in An­griff zu neh­men.

Erst fünf Jah­re spä­ter, nach vie­len Ge­sprä­chen über so­zia­le, ethi­sche Grund­sät­ze und auch wie wir als Webent­wick­ler Pro­jek­te fin­den kön­nen, die un­se­ren Wer­ten ent­spre­chen, fan­den wir zu­sam­men. Mit da­bei war nun auch Hol­ger Bar­tel, mit dem wir ge­mein­sam das Be­stre­ben hat­ten, Pro­jek­te zu fin­den, die wir mit un­se­ren Vor­stel­lun­gen um­set­zen könn­ten. Lei­der fruch­te­te die Idee nie wirk­lich. Ein Jahr spä­ter al­ler­dings, An­fang 2016, fass­ten wir den Ent­schluss, un­se­re Idee ei­ner Event-Platt­form aus al­ten Zei­ten wie­der auf­zu­grei­fen.

Es ist die ge­mein­sa­me Idee, un­se­re Vor­stel­lun­gen zur Zu­sam­men­ar­beit in der Ge­sell­schaft um­zu­set­zen und un­se­re ethi­schen Grund­sät­ze zu be­her­zi­gen, fi­nan­zi­ell un­ab­hän­gig und mit klei­nen Mit­teln oh­ne die Hil­fe von In­ves­to­ren, die ei­ne Fir­men­vi­si­on stark be­ein­flus­sen kön­nen. Gleich­zei­tig bie­tet sich uns mit Col­loq auch

ei­ne Mög­lich­keit, ge­lern­te Din­ge um­zu­set­zen. So kann man sehr vie­le Best Prac­tices im In­ter­net le­sen, hat aber oft kei­ne Zeit zu hin­ter­fra­gen, ob dies das rich­ti­ge für ein Pro­jekt ist oder ob es so­gar an­de­re Me­tho­den gibt, die bes­ser pas­sen. Dass gera­de ei­ne Event-Platt­form das Pro­jekt ist, bei dem wir am meis­ten Po­ten­zi­al se­hen, liegt wohl dar­an, dass wir al­le ei­ni­ges an Er­fah­rung mit­brin­gen. Je­der von uns hat be­reits an Dut­zen­den Events teil­ge­nom­men, wir or­ga­ni­sie­ren Meet-ups und Kon­fe­ren­zen und wa­ren be­reits als Spre­cher un­ter­wegs. Na­tür­lich ist Col­loq nicht die ers­te Event-Platt­form, vie­le un­se­rer Ide­en, was wir uns un­ter ei­nem sol­chen Ser­vice vor­stel­len, exis­tie­ren je­doch bis­her nicht. Denn die Platt­form soll nicht nur ei­ne mög­lichst voll­stän­di­ge Lis­te an Events sein, son­dern auch ei­ne Platt­form, auf der sich Or­ga­ni­sa­to­ren prä­sen­tie­ren und mit Teil­neh­mern kom­mu­ni­zie­ren so­wie auf der in­ter­es­sier­te Teil­neh­mer pas­sen­de Events fin­den und die­sen fol­gen kön­nen. Vor al­lem wol­len wir je­doch, dass Men­schen von dem enor­men Wis­sen, das auf Events pro­du­ziert wird, ler­nen und pro­fi­tie­ren kön­nen. Wir möch­ten, dass Men­schen, die es sich nicht leis­ten kön­nen, an ei­nem Event teil­zu­neh­men, sich spä­ter die Auf­zeich­nun­gen an­se­hen kön­nen. Col­loq soll ei­ne ganz­heit­li­che Platt­form rund um Events sein, die Leu­ten hel­fen kann, Neu­es zu ent­de­cken, zu ler­nen und Spaß dar­an zu fin­den, an Events teil­zu­neh­men.

EIN GLO­BA­LES, 100 %-RE­MO­TE DREI­ER-TEAM

Als klei­nes Drei­er-Team, ver­teilt über Hong Kong, Lis­s­a­bon und If­fel­dorf bei Mün­chen, muss­ten wir von An­fang an kom­plett re­mo­te ar­bei­ten. Da­mit das funk­tio­niert, ha­ben wir viel über Vi­deo- und Au­dio-Kon­fe­ren­zen te­le­fo­niert, ein so­ge­nann­tes Vir­tu­al Of­fice ein­ge­rich­tet und viel ler­nen müs­sen. Ge­paart mit der Zeit­ver­schie­bung und Kun­den­ar­beit, die je­der von uns ne­ben­her auch er­le­di­gen muss, war und ist dies nicht im­mer ei­ne ein­fa­che Auf­ga­be. Zu vie­le Vi­deo-Kon­fe­ren­zen oder Te­le­fon­ge­sprä­che über den gan­zen Tag ver­teilt füh­ren meist da­zu, dass die ei­gent­li­che Pro­gram­mier­ar­beit lie­gen bleibt. Ar­bei­tet man al­ler­dings statt­des­sen oh­ne Ge­sprä­che und nur asyn­chron mit Chats, blei­ben wie­der­um wich­ti­ge struk­tu­rel­le The­men und Ent­schei­dun­gen auf der Stre­cke, aber auch die Men­sch­lich­keit lei­det dar­un­ter. Da­her ist es uns sehr wich­tig, ei­ne Ab­wechs­lung aus asyn­chro­ner Ar­beit und Vi­deo-Kon­fe­ren­zen zu fin­den, in de­nen man sich ganz lo­cker und frei un­ter­hal­ten kann.

Na­tür­lich müs­sen wir vie­le Ent­schei­dun­gen tref­fen. Da wir drei Ge­schäfts­füh­rer sind, ist die Si­tua­ti­on hier re­la­tiv be­quem, da wir im­mer ei­ne Mehr­heit bil­den kön­nen. Den­noch las­sen wir je­den sei­ne Ar­gu­men­te vor­brin­gen, auch wenn er be­reits in der Min­der­heit ist, und über­den­ken un­se­re Po­si­tio­nen noch mal. Wich­tig für ei­ne Ent­schei­dung ist ja, dass man erst mal ver­sucht, das Pro­blem und die ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen zu ver­ste­hen und dann ei­ne ra­tio­na­le Ent­schei­dung zu fäl­len.

CONTINUOUS IMPROVEMENT UND DIE BERÜCHTIGTE WORK-LI­FE-BA­LAN­CE

Da­mit wir von An­fang an si­cher­stel­len konn­ten, dass wir uns nicht nur aus tech­ni­scher Sicht, son­dern auch aus per­sön­li­cher, aus Team-Sicht ver­bes­sern, ent­schie­den wir uns für kur­ze, ein­wö­chi­ge Sprints nach Scrum-Me­tho­de. Auch hier muss­ten wir viel ler­nen, und wir ver­än­dern kon­ti­nu­ier­lich un­ser „Re­zept”. Die Re­tro­spek­ti­ven, die bei uns ger­ne auch mal et­was län­ger dau­ern, zei­gen aber auch, wie wich­tig es ist, dass sich je­der im Team wohl­fühlt, Pro­ble­me an­ge­spro­chen und ge­mein­sam Ver­su­che un­ter­nom­men wer­den, Pro­ble­me zu eli­mi­nie­ren und Work­flows zu ver­bes­sern. Wich­tig ist hier­bei, auch un­be­lieb­te The­men mit ein­zu­be­zie­hen – wenn im Team zu viel ge­ar­bei­tet wird, wol­len wir ver­su­chen, dass das nicht dau­er­haft so bleibt.

Ein Team, das noch lan­ge Zeit zu­sam­men­ar­bei­ten möch­te und ge­sund blei­ben will, muss zu­se­hen, dass auch pri­vat al­les im Lot bleibt. Zu viel Ar­beit ist meist ein An­zei­chen da­für, dass pri­va­te Din­ge auf der Stre­cke blei­ben – sei es Be­we­gung, Sport, Hob­bys, die Be­zie­hung oder all­täg­li­che Din­ge wie z.B. Ein­kau­fen. Ef­fek­tiv ar­bei­ten kann nur der, der auf Dau­er für all dies Zeit hat, denn nur dann kann man sich voll auf die Ar­beit kon­zen­trie­ren. Gera­de als Selb­stän­di­ger kennt man das Pro­blem: Ein Kun­den­auf­trag be­nö­tigt 40 St­un­den die Wo­che, ne­ben­her lau­fen Din­ge wie Kom­mu­ni­ka­ti­on, Buch­hal­tung und al­les an­de­re. Mit ei­nem Pro­jekt wie Col­loq ist „nicht zu viel zu ar­bei­ten” manch­mal ein schwie­ri­ges Ziel. Seit dem Li­ve­gang im No­vem­ber 2017 je­doch, nach­dem wir die Aus­wir­kun­gen von zu lan­gen Ar­beits­zei­ten di­rekt ge­merkt ha­ben, ver­su­chen wir kon­ti­nu­ier­lich dar­auf zu ach­ten, un­se­re Work-Li­fe-Ba­lan­ce in ein bes­se­res Ver­hält­nis zu brin­gen. Dank wö­chent­li­chen Re­flek­tio­nen und dem stän­di­gen Fin­den von Ver­bes­se­rungs­stra­te­gi­en ist das bis­her er­folg­reich. Mitt­ler­wei­le klappt es so­gar recht gut, dass wir die Ar­beit an Col­loq und un­se­re Kun­den­auf­trä­ge gut un­ter ei­nen Hut brin­gen, oh­ne mas­siv vie­le Über­stun­den zu leis­ten. Zwar lie­gen wir meist im­mer noch eher bei ca. 50 St­un­den pro Wo­che, und da­mit über ei­ner nor­ma­len Ar­beit­neh­mer­ar­beits­zeit, schaf­fen aber ei­ne bes­se­re Ba­lan­ce und kön­nen die Hälf­te der Zeit auch wie­der für Kun­den­ar­beit ver­bu­chen. Sub­jek­tiv ha­ben wir den­noch nicht we­ni­ger er­reicht seit­dem – zahl­rei­che Bug­fi­xes und auch gro­ße Fea­tu­res wie die er­wei­ter­te Su­che oder die Call-for-Pa­pers-Funk­ti­on konn­ten wir in sehr kur­zer Zeit fer­tig­stel­len. Die rich­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­on ist ex­trem wich­tig, kos­tet aber auch Zeit und be­nö­tigt die ak­ti­ve Mit­hil­fe al­ler im Team, um bes­ser zu wer­den.

„KLEIN SEIN” BIRGT SEI­NE EI­GE­NEN RI­SI­KEN UND BE­NÖ­TIGT MANCH­MAL KREA­TI­VI­TÄT

Wie funk­tio­niert ein Un­ter­neh­men mit le­dig­lich drei Pro­gram­mie­rern ei­gent­lich in der Pra­xis? Und war­um ha­ben wir nicht ein­fach un­ser Team er­wei­tert? Vie­le Start-ups ver­su­chen mit mög­lichst viel Ar­beits­kraft das Pro­jekt schnel­ler um­zu­set­zen und stel­len da­für in kur­zer Zeit gro­ße Teams auf. Aus Er­fah­rung zeigt sich je­doch, dass dar­un­ter oft die Qua­li­tät lei­det und ein grö­ße­res Team auch ein deut­lich auf­wen­di­ge­res Ma­nage­ment be­deu­tet. Zu dritt kön­nen wir als Ge­schäfts­füh­rer gleich­zei­tig auch Ent­wick­ler und Pro­jek­tma­na­ger sein – Kom­pe­ten­zen, die wir selbst ha­ben. Wenn wir nun zu­sätz­li­che Leu­te ein­stel­len wür­den, kos­tet uns das al­so nicht nur viel Geld, das wir nicht ha­ben, son­dern be­deu­tet auch, dass wir ei­ne ganz an­de­re Ver­ant­wor­tung ge­gen­über Drit­ten ha­ben und selbst in ei­ne rein ad­mi­nis­tra­ti­ve Rol­le schlüp­fen. Als Fol­ge dar­aus müs­sen wir nun durch un­se­re Kon­stel­la­ti­on zum Bei­spiel den feh­len­den De­si­gner selbst er­set­zen. Durch klei­ne Ite­ra­tio­nen schaf­fen wir es, ein gu­tes De­sign schritt­wei­se im­mer wie­der zu ver­bes­sern. Auch das Mar­ke­ting müs­sen wir aus ei­ge­ner Kraft stem­men – ein Be­reich, in dem sich kei­ner von uns bis­her so gut aus­kann­te.

Bis heute ist es ein gro­ßer Lern­pro­zess, der mit ei­nem so klei­nen Team ein­her­geht. Je­der Ein­zel­ne muss sein Wis­sen über ver­schie­de­ne The­men im­mer wie­der ex­trem er­wei­tern. Je­der soll­te an al­lem ar­bei­ten kön­nen, und so müs­sen wir uns ge­gen­sei­tig auch un­se­re Pro­gram­mier­kennt­nis­se wei­ter­ver­mit­teln. Denn es hilft uns als klei­nem 3-Per­so­nen-Team nicht wei­ter, wenn sich nur ei­ne Per­son in un­se­rem PHP-Code aus­kennt, wenn nur ei­ne Per­son Ja­vaS­cript schrei­ben oder nur ei­ne Per­son die Ser­ver war­ten kann. Un­se­re je­wei­li­ge His­to­rie als Fre­e­lan­cer hin­ge­gen hat uns al­le zu Spe­zia­lis­ten ge­macht. Die letz­ten Jah­re ha­be ich so gut wie nie mehr mit PHP zu tun ge­habt und erst jetzt wie­der durch das ge­mein­sa­me Pro­jekt da­zu­ge­lernt. Mit dem Wis­sen, das mir jetzt zur Ver­fü­gung steht, kann ich nun al­ler­dings al­lei­ne fast je­des Pro­blem be­he­ben – ein gra­vie­ren­der Un­ter­schied, wenn ei­ner von uns im Ur­laub ist oder aus ir­gend­wel­chen Grün­den gera­de nicht zur Ver­fü­gung ste­hen soll­te, wenn ein Pro­blem ent­steht. Das Schö­ne da­bei ist, dass wir nicht nur von­ein­an­der viel ler­nen kön­nen, son­dern auch ganz un­be­kann­te The­men plötz­lich auf dem Tisch lie­gen. Mit je­dem Fea­tu­re, das wir bau­en, ler­nen wir nicht nur die Um­set­zung, wir ler­nen auch, es an­spre­chend und in­tui­tiv zu ge­stal­ten und dann zu ver­mark­ten. Bei ei­nem Call-for-Pa­pers-Fea­tu­re muss man sich Ge­dan­ken ma­chen, wie man mit den ein­ge­ge­be­nen Da­ten um­geht, wel­che Da­ten zu wel­chem Zeit­punkt ei­nem Or­ga­ni­sa­tor zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Auch muss man sich oft­mals ent­schei­den, ob ein Fea­tu­re al­le Wün­sche und Op­tio­nen ei­nes Or­ga­ni­sa­tors ab­de­cken kann oder aber ei­ne Richt­li­nie mit­ge­ge­ben wer­den soll. Aus letz­te­rem Grund ha­ben wir uns zum Bei­spiel da­zu ent­schie­den, Call for Pa­pers zu­nächst im­mer an­onym zu be­han­deln, da wir der Über­zeu­gung sind, dass die Aus­wahl ei­nes Talks nicht an­hand von per­sön­li­chen Da­ten ge­trof­fen wer­den soll.

Es gibt selbst­ver­ständ­lich Zei­ten, in de­nen man über­wäl­tigt wird von Din­gen, die nicht funk­tio­nie­ren. Dann ist es wich­tig, ei­ne Mög­lich­keit zu fin­den, über Pro­ble­me zu spre­chen und die bes­ten We­ge zu fin­den, sie aus dem Weg zu räu­men. Ein Team, das prin­zi­pi­ell zu­sam­men­hält und lern­be­reit ist, kann aber ein Pro­jekt in solch ei­nem Rah­men pro­blem­los um­set­zen.

TECH­NI­SCHE IDEA­LE UND DIE FAS­ZI­NIE­REN­DE SU­CHE NACH UN­GE­WOHN­TEN LÖ­SUN­GEN

Mit Col­loq wol­len wir aber nicht nur ei­ne Exis­tenz­grund­la­ge schaf­fen und so­zia­le Wer­te in­te­grie­ren, son­dern auch un­se­re tech­ni­schen Idea­le um­set­zen. In Zei­ten, in de­nen so­zia­le Netz­wer­ke au­to­ma­tisch mit Pri­vat­sphä­re-Pro­ble­men in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den, wol­len wir zei­gen, dass es auch an­ders geht. Heute, wo un­nö­tig gro­ße, kom­ple­xe Ja­vaS­cript-Web-Ap­pli­ka­tio­nen und un­se­man­ti­sches Mark­up do­mi­nie­ren, Bar­rie­re­frei­heit oft­mals ein un­be­kann­tes Ter­rain ist und Web-Per­for­mance ein viel dis­ku­tier­ter, aber we­nig prak­ti­zier­ter Be­reich ist, ge­hen wir ei­nen recht un­kon­ven­ti­el­len Weg. Der Er­folg gibt je­doch recht: Zum Li­ve­gang wa­ren un­se­re klei­nen, re­la­tiv güns­ti­gen Ser­ver, die wir bei Di­gi­tal Oce­an an­mie­ten, trotz re­gen In­ter­es­ses recht un­be­ein­druckt von den vie­len Be­su­chern, und die User staun­ten über un­se­re Per­for­mance.

Auch für uns Ent­wick­ler ist es ein­fach, Än­de­run­gen an ein­zel­nen Mo­du­len vor­zu­neh­men. Wir ha­ben kei­ne Sing­le Pa­ge Ap­p­li­ca­ti­on oder ei­nen MVC-Frame­work im Front­end im Ein­satz und mit PHP ei­ne eher klas­si­sche, bei vie­len un­be­lieb­te Ba­ckend-Spra­che ge­wählt. Da wir uns nicht auf Tem­pla­te Lan­gua­ges wie JSX fest­ge­legt ha­ben, ist es für uns ein­fach, se­man­ti­sches Mark­up zu schrei­ben. Wir be­nut­zen nur ei­ne Hand­voll Third-Par­ty-Li­bra­ries im Front­end und Ba­ckend, die uns bei der Pro­gram­mie­rung das Le­ben ein­fa­cher ma­chen. So set­zen wir die Stri­pe PHP Li­bra­ry ein so­wie ei­nen Mark­down Par­ser und Swift­mai­ler für E-Mails. Im Front­end ha­ben wir a11y-dia­log für Mo­dals auf der Sei­te, Leaf­let für Kar­ten­in­te­gra­tio­nen und zwei wei­te­re klei­ne Ja­vaS­cript Po­ly­fills im Ein­satz. Es gibt we­ni­ge Pro­jek­te, in de­nen ich mit nur so we­ni­gen De­pen­den­cies ge­ar­bei­tet ha­be in den letz­ten Jah­ren. Das ist an man­chen Stel­len si­cher auch auf­wen­di­ger, aber un­ter dem Strich ein­fa­cher zu war­ten und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Aber auch Pro­gres­si­ve En­han­ce­ment ist ein­fa­cher um­zu­set­zen: Soll-

Abb. 3: Bei­spiel ei­ner Event-Über­sichts­sei­te ei­ner Kon­fe­renz mit den wich­tigs­ten In­for­ma­tio­nen wie Be­schrei­bung, Spre­cher, Talks, Up­dates des Events, Spon­so­ren und ge­ge­be­nen­falls Ti­ckets.

Abb 2: Die Über­sichts­sei­te zeigt be­vor­ste­hen­de Kon­fe­ren­zen, Meet-ups und an­de­re Events.

Abb. 1: Auf der Home­page von Col­loq kön­nen User ak­tu­ell statt­fin­den­de und die nächs­ten Events fin­den oder nach In­hal­ten su­chen.

Abb. 4: Bei­spiel von ge­sam­mel­ter Event-Be­richt­er­stat­tung wie den Vi­de­os der Talks. User kön­nen so die Kon­fe­renz re­ka­pi­tu­lie­ren und Sli­des oder Vi­de­os an­se­hen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.