PA­NIK!

SCREENGUIDE - - Impressum - TEXT: Ni­co­lai Schwarz Ni­co­lai Schwarz, Au­to­ren­in­fo auf Sei­te 3 Kom­men­tie­ren: screen­gui.de/39/pa­nik

In den Wo­chen vor In­kraft­tre­ten der neu­en Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung pre­dig­te Jan-Phil­ipp Al­brecht, der „Va­ter der DSGVO”, zu­sam­men mit an­de­ren Fach­leu­ten noch: Kei­ne Pa­nik! Bei klei­nen Un­ter­neh­men, Ver­ei­nen und man­chem Blog­ger herrsch­te in die­ser Zeit aber vor al­lem eben­dies: Pa­nik! Es war schon er­staun­lich, zu se­hen, was Kun­den in den letz­ten Jah­ren in Auf­ruhr ver­setzt hat. Ei­ne kri­ti­sche Si­cher­heits­lü­cke in ei­nem der gro­ßen CMS? Nun ja, nicht ide­al, aber muss so ein dum­mes Up­date denn nun wirk­lich sein? Ein neu­es Da­ten­schutz­ge­setz hin­ge­gen? Hui, da muss man nun aber mal ran! Alarm­stu­fe Rot! End­zeit­stim­mung! Ein Kol­le­ge er­zähl­te neu­lich, er ha­be ei­nen sei­ner Kun­den dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nor­ma­le DSGVO-Maß­nah­men nichts nütz­ten, da das CMS der Web­site hoff­nungs­los ver­al­tet sei und die User-Da­ten auf­grund der be­kann­ten Si­cher­heits­lü­cken schlicht nicht si­cher sein könn­ten. Ant­wort des Kun­den: „Wir neh­men Ih­re Be­den­ken zu Kennt­nis, wür­den auf­grund des zu er­war­ten­den er­heb­li­chen Mehr­auf­wands trotz­dem auf das Up­date ver­zich­ten.” Haupt­sa­che es steht Da­ten­schutz drauf. Weil aber nie­mand so ge­nau weiß, was denn nun ge­nau auf der Sei­te für den Da­ten­schutz ste­hen soll­te, führ­te das zu ei­ni­gen ku­rio­sen Hand­lun­gen. Kun­den lie­ßen sich von An­wäl­ten be­ra­ten und prä­sen­tier­ten plötz­lich ei­nen Text für den Da­ten­schutz. Doch wie woll­te der An­walt wis­sen, wel­che Da­ten über­haupt er­ho­ben wur­den – wel­che IP-Adres­sen ge­spei­chert, wel­che Coo­kies ge­setzt wur­den und was mit den Da­ten pas­sier­te, die Nut­zer per For­mu­lar ab­schick­ten? Statt ein­mal bei den Ent­wick­lern nach­zu­fra­gen, wur­den dann eben lan­ge Tex­te ver­fasst, die sich ge­gen al­les ab­si­cher­ten, was viel­leicht auf der Web­site pas­sie­ren könn­te. An­de­re Leu­te ko­pier­ten ein­fach wild Text­bau­stei­ne von an­de­ren Sei­ten. So ver­irr­ten sich Hin­wei­se über Goog­le Ana­ly­tics und So­ci­al-Me­dia-Plug­ins auf die Web­site, die dort gar nicht im Ein­satz wa­ren. Zwei­fels­oh­ne gibt es auch po­si­ti­ve Aspek­te. Al­le Web­siteBe­trei­ber müs­sen sich nun Ge­dan­ken dar­über ma­chen, wel­che Da­ten sie von an­de­ren sam­meln und wie sie da­mit um­ge­hen. Ich be­kam jah­re­lang ei­nen Newsletter, den ich nie abon­niert hat­te und der auch kei­nen üb­li­chen Ab­mel­de-Link ent­hielt. Ich hat­te es ewig vor mir her­ge­scho­ben, mich dar­über zu be­schwe­ren, schließ­lich ist es viel ein­fa­cher, die Mails ein­fach zu lö­schen. Doch DSGVO sei Dank flat­ter­te plötz­lich ei­ne Mail ins Post­fach, die dar­um bit­tet, den Newsletter doch wei­ter­hin ver­sen­den zu dür­fen, an­dern­falls müs­se man mich lei­der aus dem Ver­tei­ler strei­chen. Geht doch. Zwi­schen all der Pa­nik, den ge­nerv­ten Web­wor­kern, den Las­tMi­nu­te-Än­de­run­gen an Web­sites gab es al­ler­dings ei­ni­ge we­ni­ge Licht­bli­cke: ein paar Men­schen, die tat­säch­lich ru­hig ge­blie­ben sind. Da be­steht der Text zum Da­ten­schutz mal nicht aus Text-Baustei­nen von ei­nem Da­ten­schutz-Ge­ne­ra­tor, der viel zu lang und kom­pli­ziert ge­schrie­ben ist, als dass ihn sich ir­gend­ein nor­ma­ler Be­su­cher durch­le­sen wür­de. Statt­des­sen wird in kur­zen, kla­ren Sät­zen er­klärt, wel­che Da­ten zu wel­chen Zwe­cken er­ho­ben wer­den. Oder die we­ni­gen lo­cker ge­tex­te­ten Newsletter, die ein­fach auf den neu­en Sach­ver­halt hin­wei­sen – oh­ne we­nig über­zeu­gend zu be­haup­ten: „Ihr Da­ten lie­gen uns am Her­zen. Wir wa­ren schon im­mer nur um Ih­re Da­ten­si­cher­heit be­müht.” Die­se leich­ten Tex­te muss man lei­der mit der Lu­pe su­chen. Den­noch wür­de der Da­ten­schutz da­von pro­fi­tie­ren, wenn mehr Tex­te lo­cker und ver­ständ­lich ge­schrie­ben wä­ren. Ganz un­ab­hän­gig von ju­ris­ti­schen Zwän­gen und Ab­mahn­grün­den.

Abb. 1: Wer un­ter „Good Fucking De­sign Ad­vice” im Web un­ter­wegs ist, kann es sich na­tür­lich leis­ten, auch in Sa­chen DSGVO lo­cker zu for­mu­lie­ren.

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