Kick it!

Shei­la Wolf, be­kannt von den ro­ten Tep­pi­chen die­ser Stadt, prä­sen­tiert ge­mein­sam mit Ma­ria Psy­cho vom Queer Ri­ot Club zum drit­ten Mal das „Queer Bur­les­que Fest“. Wir tra­fen die Drag­queen zum In­ter­view

Siegessaeule - - Party -

Shei­la, gibt es in Ber­lin ne­ben der Bur­les­que- auch

so et­was wie ei­ne Queer­les­que-Sze­ne? In der Bur­les­que-Sze­ne sind quee­re Per­for­mer ge­ra­de im Kom­men. Man kann das Ge­wohn­te ein­fach nicht mehr se­hen. Nach­ein­an­der zehn hüb­sche Da­men, die sich dann meist auch noch zum sel­ben Lied aus­zie­hen, das ist ir­gend­wann lang­wei­lig. Oft fehlt die Ge­schich­te da­hin­ter. Die quee­ren Per­for­mer prä­sen­tie­ren meist ei­ne lus­ti­ge, in­ter­es­san­te und krea­ti­ve Show auf der Büh­ne. Das ist mitt­ler­wei­le ei­ne will­kom­me­ne Ab­wechs­lung.

Was vie­le si­cher im ers­ten Mo­ment nicht glau­ben wol­len, ist die Tat­sa­che, dass du he­te­ro­se­xu­ell bist, ei­ne Frau und ei­ne Toch­ter hast. Wie bist du zu Shei­la

Wolf ge­wor­den? Ich ha­be seit 20 Jah­ren ei­ne Wer­be­agen­tur. Ir­gend­wann war mein Ar­beits­be­reich aber nicht mehr son­der­lich krea­tiv und ich ha­be nur noch ad­mi­nis­tra­tiv ge­ar­bei­tet. Ich brauch­te ei­nen Aus­gleich und den Ad­re­na­lin­kick, den man spürt, wenn man für et­was Ap­plaus be­kommt. Ich hab es da­vor ei­ne Zeit lang mit Wel­len­rei­ten ver­sucht, was in Deutsch­land lei­der re­la­tiv schlecht geht. Als ich dann Wer­be­pro­spek­te für ei­ne Tra­ves­tie­show ent­warf, merk­te ich, dass mich das Thema fas­zi­nier­te. Ich war frü­her schon als Ro­cka­bil­ly un­ter­wegs, und auch dort moch­te ich den Aspekt, dass das Sty­ling im wei­tes­ten Sin­ne et­was mit Ver­klei­den zu tun hat. Im In­ter­net hab ich nach Men­schen ge­sucht, die ein ähn­li­ches In­ter­es­se ha­ben. Dann bin ich ge­mein­sam mit ei­ner Be­kann­ten zum ers­ten Mal im Kleid aus­ge­gan­gen, und der Kick an die­sem Abend war so groß, dass mir klar wur­de, dass ich nicht mehr ir­gend­wo­hin fah­ren muss, um Wel­len zu rei­ten.

Wie re­agie­ren die Men­schen auf dich? Vie­le kön­nen nicht glau­ben, dass ich he­te­ro­se­xu­ell bin. Selbst mei­ne Frau hat da­mals ge­dacht, dass nun al­les in die Brü­che geht mit uns. Na­tür­lich gab es ge­ra­de am An­fang vor al­lem in mei­nem engs­ten Be­kann­ten­kreis ne­ga­ti­ve Re­ak­tio­nen. Mein Ge­schäfts­part­ner in der Wer­be­agen­tur hat sich von mir ge­trennt. Auch im Um­feld mei­ner Toch­ter gab es El­tern­tei­le, die den Kon­takt dann lie­ber re­du­ziert ha­ben. In letz­ter Zeit ist mir al­ler­dings auf­ge­fal­len, dass die Ak­zep­tanz auch in an­de­ren Be­rei­chen ge­ne­rell stark zu wün­schen üb­rig lässt. Es kommt schon mal vor, dass die Ver­an­stal­ter auf ei­nem ro­ten Tep­pich oder VIP-Emp­fang di­rekt auf mich zu­kom­men und fra­gen, wer denn sol­che Leu­te rein­ge­las­sen hat. Oft sind sie dann ir­ri­tiert, dass ich ei­ne of­fi­zi­el­le Ein­la­dung ha­be. Wie viel Pri­vat­per­son steckt in der Büh­nen­fi­gur Shei­la Wolf? Na­tür­lich ver­hal­te, be­we­ge und lau­fe ich an­ders, wenn ich als Shei­la Wolf un­ter­wegs bin. Doch der Cha­rak­ter ist der­sel­be. Ich ha­be da­mals für mich fest­ge­legt, dass die Stra­ße die Büh­ne ist. Aus­ge­hen im Fum­mel und sich an­ma­len ist für mich ei­ne Kunst­form. Man­che Leu­te in der „gro­ßen“Kul­tur se­hen das an­ders, für sie bin ich ein­fach nur ein Mann im Kleid. Ist das der Grund, wes­halb du das Fest ge­mein­sam mit Ma­ria vom Queer Ri­ot Club ver­an­stal­test? Ich kämp­fe schon da­für, dass Men­schen, die sich an­ders füh­len oder dar­stel­len, auch ge­nau so ak­zep­tiert wer­den. Mir per­sön­lich ist es mitt­ler­wei­le scheiß­egal, wie ei­ne Per­son vor mir steht. Ob nackt mit Pe­nis und Tit­ten oder sonst wie, es ist mir wurscht. Und wenn ich auf die Main­strea­mevents ge­he, hof­fe ich schon, dass mein Auf­tre­ten die Men­schen et­was of­fe­ner wer­den lässt.

Was er­war­tet uns beim „3. Queer Bur­les­que Fest“? Es wird ei­ne bun­te Mi­schung mei­ner ge­lieb­ten All Stars aus der quee­ren Bur­les­que-Sze­ne ge­ben. Mit da­bei sind die Briefs, die ge­ra­de im Ti­pi gas­tie­ren, Tim Li­en­hard, der Re­gis­seur von „One Ze­ro One“, der auch tol­le Per­for­man­ces macht, vie­le in­ter­na­tio­na­le Bur­les­que-Stars, die Sän­ge­rin Nat­ha­lie Ti­neo von den Sin­de­rel­las und Scot­ty the Blue Bun­ny. In­ter­view: Ka­ey

Queer Bur­les­que Fest, 15.03., 21:00, Freu­den­zim­mer No 2 (ehe­ma­li­ge Räu­me des Schwu­len Mu­se­ums*) „Die Stra­ße ist die Büh­ne“: Shei­la Wolf

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.