Im Gleich­schritt

Ei­ne Ko­lum­ne von Frau­ke Op­pen­berg

Siegessaeule - - Editorial/Inhalt -

Ho­mos sind übe­r­all. So­gar in der noch jun­gen Par­tei „Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land“, die bis­her nicht un­be­dingt für ih­re ho­mo­freund­li­che Ein­stel­lung be­kannt ge­wor­den ist. Vor ein paar Wo­chen hat sich der Ar­beits­kreis Ho­mo­se­xu­el­le und Freun­de in der AfD ge­grün­det. Die Face­book-Sei­te zählt be­reits über 100 Mit­glie­der. Grund­sätz­lich bin ich ja da­für, wenn sich Min­der­hei­ten auch in schein­bar aus­sichts­lo­sen Po­si­tio­nen en­ga­gie­ren. Ich wür­de auch die Ve­ge­ta­ri­er in der Flei­scher­innung un­ter­stüt­zen oder die Tier­schüt­zer in der Pel­z­in­dus­trie. Trotz­dem fra­ge ich mich, was Men­schen an­treibt, sich aus­ge­rech­net zu de­nen zu ge­sel­len, von de­nen sie of­fen­sicht­lich ab­ge­lehnt wer­den. Die Grün­dung des Ho­mo-Ar­beits­krei­ses in der AfD wur­de je­den­falls von den meis­ten an­de­ren Par­tei­mit­glie­dern nicht wirk­lich wohl­wol­lend auf­ge­nom­men, um es mal freund­lich aus­zu­drü­cken. Die Re­gen­bo­gen­far­ben hät­ten im Par­tei­lo­go der AfD nichts zu su­chen, die­se „Quee­ru­lan­ten“sei­en nun mal links­ra­di­kal und kin­der­schän­dend, hieß es in den On­line-Kom­men­ta­ren. Die AfD-Ho­mos wie­geln ab und grei­fen da­bei auf ei­ne mitt­ler­wei­le in ih­rer Par­tei üb­lich ge­wor­de­ne Stra­te­gie zu­rück. Kri­tik von au­ßen wird re­flex­ar­tig als In­to­le­ranz be­zeich­net, als ei­ne von den Me­di­en ge­steu­er­te Kam­pa­gne zur Dif­fa­mie­rung der Par­tei. Wi­der­sprü­che in den ei­ge­nen Rei­hen da­ge­gen wer­den als kon­tro­ver­se Dis­kus­si­ons­kul­tur in den Him­mel ge­lobt. Okay, na­tür­lich ge­be es Bea­trix von Storch mit ih­ren ex­tre­men christ­lich-fun­da­men­ta­lis­ti­schen An­sich­ten, aber auch Frau von Storch dür­fe ih­re Mei­nung ha­ben, fin­den die groß­zü­gi­gen Ho­mos in der AfD. Der Groß­teil der Par­tei­kol­le­gen sei da­ge­gen nicht ho­mo­phob, be­haup­ten sie. Und igno­rie­ren da­bei ge­flis­sent­lich, dass Bea­trix von Storch mit ih­rer Ab­leh­nung von Gen­der-Main­strea­m­ing und se­xu­el­ler Viel­falt von über 50 Pro­zent der De­le­gier­ten auf dem AfD-Par­tei­tag zur Kan­di­da­tin für die Eu­ro­pa­wahl ge­macht wur­de. Auch von AfD-Chef Bernd Lu­cke wer­den die schwu­len und les­bi­schen Par­tei­mit­glie­der kei­ne gro­ße Un­ter­stüt­zung er­war­ten dür­fen. Als die Ber­li­ner AfD im ver­gan­ge­nen Jahr aus­ge­rech­net auf dem Motz­stra­ßen­fest über 600 Un­ter­schrif­ten für die Wahl­zu­las­sung ge­sam­melt hat­te, kam der Rüf­fel vom Par­tei­bun­des­vor­stand prompt. Ei­ne Stär­kung der Ho­morech­te füh­re en pas­sant zu ei­ner Ent­wer­tung der grund­ge­setz­lich ge­schütz­ten Ehe und der Schutz der Ehe ge­hö­re zum Wer­te­ka­non der AfD. Was zum Teu­fel wol­len Men­schen in ei­ner Par­tei, die ih­nen die Rech­te ver­wei­gert? Wie groß muss der Wunsch sein, zu ei­ner ver­meint­li­chen Re­vo­luz­zer­trup­pe zu ge­hö­ren, um den Hass, der ei­nem selbst ent­ge­gen­ge­bracht wird, nicht mehr zu spü­ren? Und schlim­mer noch, ihn zu re­pro­du­zie­ren, wie ein schwu­ler AfD-An­hän­ger in sei­nem Tweet zum Sieg von Con­chi­ta Wurst: „Der ESC zeigt mal wie­der deut­lich, wie de­ge­ne­riert un­se­re heu­ti­ge Ge­sell­schaft ist. Mir tu­en (sic!) die Ös­ter­rei­cher echt leid, von so ‚et­was‘ re­prä­sen­tiert zu wer­den.“Es muss ei­ne unend­lich gro­ße Sehn­sucht nach Nor­ma­li­tät und Zu­ge­hö­rig­keit sein, die die­se Läm­mer hin­ter der Trom­mel her­mar­schie­ren lässt. Man möch­te ih­nen zu­ru­fen: Gleich­schritt macht nicht au­to­ma­tisch gleich. „Wir sind kei­ne Exo­ten“, schreibt der Ar­beits­kreis Ho­mo­se­xu­el­le und Freun­de in der AfD auf sei­ne Pla­ka­te. Ich hof­fe das Ge­gen­teil.

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